Vortrag am 11. Januar 2011

Werner von Koppenfels (LMU München):    

“Nonnihil Erasmicum: Der satirische Dialog Iulius exclusus ex coelis. Historischer Hintergrund, Verfasserschafts- und Gattungsfragen, Übersetzungsprobleme”

Diskussionsleitung: Niklas Holzberg (LMU München)

11. Januar 2012, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

die spezielle Situation, um die es in Werner von Koppenfelsens Vortrag geht – jemand steht vor einer Tür, die sich für ihn nicht öffnet -,  mussten am Nachmittag vor dem letzten PSMS-Abend die Organisatoren der Petronian Party erleben: Henrietta Flavia, Maragota Austriaca, Martinus Vigil, Paula Olomoucensis, Susanna Krumbachensis und Udalrica Monacensis sahen sich, als sie mit Speisen und Getränken in das Lyrikkabinett eintreten wollten, als exclusi ex coelis, weil der Schlüssel nicht sperren wollte. Zwar gelang es Martinus Vigil als einem wahrhaft petronianischen Feuerwehrmann, die Tür dann doch nach einiger Zeit durch Anwendung von Brachialgewalt zu öffnen (vgl. Petr. 78,7 vigiles … effregerunt ianuam), aber dann gab es natürlich erst einmal noch petronianischere Aufregung durch die Alarmanlage und die Polizei, die weit erstaunter “Ja, was ist denn das?” sagte als einst bei den drei Chinesen mit dem Kontrabass. Petronianisch ist aber auch der Dialog Iulius exclusus insofern, als er wie die Satyrica an die Gattung der menippeischen Satire anknüpft, für die Werner von Koppenfels einer der wenigen Weltspezialisten ist. Da es sich bei Julius um einen Papst handelt, hätte es sich angeboten, seinen derzeit im Vatikan amtierenden Nachfolger zu bitten, die Diskussionsleitung zu übernehmen. Dieser hätte das sicher auch gerne gemacht (und zweifellos auch so exzellent wie zuletzt Markus Janka und vor ihm Maria Oberlinner), zumal er von früher her enge Bindungen an Bayern und München (weniger wohl an Bayern München) hat. Aber Trimalchio weiß, dass ein Aufenthalt des Heiligen Vater in unserer Stadt für manche Bürger lebensgefährlich sein kann. Als nämlich Benedikt XVI. nicht lange nach Habemus Papam hochoffiziell in München weilte, geschah Folgendes: Eine Gruppe halbwüchsiger Gymnasiasten (darunter der Maxi, der einige Jahre später in der Hitparade der PSMS-Diskussionsleiter einen der ersten Plätze errang) filmte aus Spaß an der Freud per Videokamera in der Tiefgarage des Anwesens Schleißheimer Str. 91 eine Quentin-Tarantino-artige Szene, also unter Verwendung so mancher (echt aussehender) Maschinenpistole. Das wiederum beobachtete ein nicht zwischen fact and fiction unterscheiden könnender Hausbewohner, und dieser alarmierte die Polizei. Die wiederum nahm die Sache nicht so leicht wie die drei Chinesen und den Gewaltakt des Martinus Vigil, weil sie die Vorbereitung eines Attentats auf den Papst befürchtete. Also stürmten mehrere Beamte mit gezückten und entsicherten Pistolen in die Tiefgarage, und wenn die filmenden Knaben nicht sofort die Hände hoch gerissen und ihre Tommy Guns zu Boden hätten fallen lassen, wäre wohl am Wittelsbacher für ein paar Gymnasiasten eine Totengedenkstunde mit chorischer Absingung von Integer vitae scelerisque purus  (was die Filmenden ja trotz ihrer Begeisterung für Quentin Tarantino durchaus waren) fällig gewesen. Also lieber kein Papst als Diskussionsleiter. Nun ist es ja auch so, dass Werner von Koppenfels mehr ein Literat als ein Universitätsprofessor ist, so dass ein akademischer Moderator gar nicht zu ihm passen würde. Und da Trimalchio sich ebenfalls für einen Literaten hält – er glaubt jedenfalls, dass allein schon sein Pentameter ergo vivamus, dum licet esse bene schlichtweg genial ist (und das ist er ja auch, allein schon wegen des Anklangs von vivamus an bibamus, den einst Rolf Kussl in einer PS Session treffend bemerkte, und wegen der Möglichkeit, esse auch mit edere gleichzusetzen) -, durchbricht er diesmal eine seiner Gewohnheiten und moderiert ganz einfach selbst die Lesung Werners, der überdies sein guter Freund ist. Kommt also wieder in Scharen, um den beiden, die sich schon 1983 im Zeichen der Menippeen Lukians zusammenfanden, die Ehre zu geben, und genießt im Anschluss daran die (schon wieder höchst großzügig von Georgius Medicus Babenshamensis finanzierte) Petronian Party, für deren Vorbereitung das Himmelstor in Amalienstraße 83a sich hoffentlich diesmal öffnen wird, ohne dass Martinus Vigil dagegen anrennen muss.

Dazu ermuntert Sie/Euch, dies mit besten Wünschen für Weihnachten und das neue Jahr verbindend,
Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 19. Dezember 2011

PD Dr. Thorsten Fögen (Durham University)          “Wie schreibt man einen Brief? Theorie und Praxis der antiken Epistolographie”

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Markus Janka (LMU München)

19. Dezember 2011, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

Marcus Tullius Cicero schreibt in einem Brief vom Januar 45 v.Chr. (fam. 15,18) an Gaius Cassius, der den Dolch wohl schon im Gewande hat, weil er sich gerade cum dignitate mit Philosophie beschäftigen muss, Folgendes: Er, Marcus, frage sich im Zusammenhang mit Epikurs Bildchentheorie, derzufolge die aus Atomen zusammengesetzten Bildchen nicht nur die Augen, sondern auch den Geist träfen, ob, wenn es ihm in den Sinn komme, an die Insel Britannien zu denken, ihm auch deren Bildchen an die Brust fliege. Nun, wie immer das ist – Thorsten Fögen, derzeit auf jener Insel lehrend, wird am 19.12. nicht nur als Bildchen, sondern leibhaftig von Durham/England ins Lyrikkabinett geflogen kommen und uns etwas über die Literaturgattung erzählen, die Cicero zum Stellen seiner Frage wählte. Klar, der Adressat einer epistula ist – und dazu passt die Bildchentheorie in der Tat – für den antiken Briefschreiber absens praesens. Und das gilt auch in unserer Welt, wie das bei weitem bedeutendste Zeugnis neuzeitlicher Epistolographie, das Briefkorpus des bayerischen Landtagsabgeordneten Josef Filser, deutlich zeigt: Gleich im ersten Schreiben ist dem Josef in München, also fern von Mingharding, z.B. das Bildchen des Lechner Kaschbar absens praesens, weil der ihn “beschiesen” hat, weshalb “Zau” durch Madame Filser, die “Abgeornetensgahtin”, an die der Brief geht, diesmal dem “Mezger” Haimerl zu überantworten sei. Der Vortragende, den zu moderieren sich dankenswerterweise der bekannte trimalchionisch-großzügige Ouzospender (und -trinker) Markus Janka bereit erklärt hat, wird hoffentlich, obwohl er vor seiner Berufung nach Durham in Berlin lehrte und überhaupt a rechter Breiß is – aba a ganz a liaba, wia (fast) olle Breißn -, eine Antwort auf eine wiederum ihm unbedingt zu stellende Frage wissen: ob er bei seinen Forschungen zur Epistolographie auch die gognitife Relefanz der Filser-Briefe und des darin enthaltenen Spiegels der Seele des Epistolographen (auch das ist ja ein Gattungsmerkmal) erfasst habe. Sollte er aber nicht, dann kann unser Marcus Tullius ganz, ganz schnell tun, was zu den wichtigsten Aufgaben eines Diskussionsleiters gehört, nämlich ganz, ganz schnell die erste von vielen Ouzo-Flaschen schwenken und dadurch uns alle auf etwas epistolographiewissenschaftlich durchaus Bedeutsames aufmerksam machen: Es werde das unter der Aufsicht der (diesmal vom Heiligen Nikolaus inspirierten) Cena-Wirtsleute Henrietta Flavia und Martinus Vigil erstellte Büfett mit seinen zusätzlichen weihnachtlichen Genüssen schon sowieso als die Augen treffendes Bildchen, aber dann vor allem als im Mund verschwindende Realität höchst praesens sein. Und dieses Büfett werde uns heute deshalb in ganz besonderer Üppigkeit serviert, weil der offizielle Symposions-iatrós des letzten PSMS-Abends, der liebe Georgius Medicus, so überaus reichlich gespendet hat. Wieder also lohnt es sich unbedingt zu kommen, nicht nur im Hinblick auf neue Erkenntnisse zur Bildchen- und Brieftheorie, sondern auch im Hinblick auf das Sonderangebot z.B. in Form von Lachshäppchen mit Zucker und Zimt, die sicher alle im Nu auf Trimalchios Tafel absens sein werden.

Und so lädt denn wieder sehr herzlich ein
Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 21.11.2011

Prof. Dr. Markus Schauer (Universität Bamberg)    “Die Liebeskrankheit in der Antike”     Diskussionsleitung: Maria-Anna Oberlinner (LMU München)

21 November 2011, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

jemanden wie Markus Schauer an die Kabinettstafel zu bitten – das ist wie die Abo-Einladung an Habinnas. Wie der IMMER dabei ist, war Makus Schauer, bevor er von München wegging, IMMER dabei. Markus Schauer – das sind Erinnerungen an sein stets freundlich blickendes Tom-Cruise-Gesicht, seine raschen Schritte über die Korridore, verbunden mit eifrig-schnellem Reden, das aber den Bayerischen Wald kaum heraushören ließ, an seine Hilfe bei Werner Suerbaums (schließlich dann doch keineswegs hurtig mit Donnergepolter entrollendem) lâas oukanaidés, genannt “HLL 1”, an das ebenso irre wie beeindruckende Unternehmen, den heiligen “Menge” neu zu schreiben, worauf der guote Gerhard entsprechend empört reagierte. Markus Schauer eben – einer von Münchens rarae aves des zur Abwechslung-es-etwas-anders-Machens (zu denen ja auch sein Meister gehört). Und Markus kommt endlich wieder zu uns – aus Bamberg diesmal, wo irgendwann mal in der Zeit, als E.T.A. Hoffmann dort dem Hund Berganza am Regnitzufer begegnete, eine Art Exil-Regierung das zentralistische, sich sowas eigentlich gar nicht vorstellen könnende großkopferte München vertrat und wo nach WW II, von München aus am unakzeptabel protestantischen Nürnberg (wo sie eigentlich hinwollten) vorbeikomplimentiert, geigende und blasende Exil-Tschechen ein weltberühmtes Orchester gründeten. Ihn vorstellen und die Diskussion leiten wird, nein, keiner der Zettelkästenhüter von damals und überhaupt keine(r) seiner WeggenossInnen, sondern eine Repräsentantin der hocheffizienten Uni von heute, der Uni der Credit Points, der Module und der Vorlesungen, die man – o je, wenn man UNS sowas einst zugemutet hätte, die wir  z.B. allein wegen Habermas nach Frankfurt a.M. wallten, egal in welchem Semester wir waren!!! – nur auf einer ganz bestimmten Bettscheller-Stufe besuchen darf: Maria-Anna aus einem kleinen, netten Ort in Oberbayern, dessen Name immerhin an den des mittelalterlichen Bamberg anklingt; er heißt (schon mal gehört?) Babensham. Müssen wir im Zusammenhang mit dieser Jung-Diskussionsleitung den einst schon auf Regina Höschele angewandten, ad hoc abgewandelten Trimalchio-Spruch et studentes homines sunt et aeque unum lactEM bibunt wiederholen? Naaaa, scho glei dreimal ned! Die PSMS ist die PSMS, wie Markus Markus ist und Maria-Anna Maria-Anna ist – “exzellent” sind sie auf jeden Fall alle drei (und als gleichfalls exzellente Nr. 4 und 5 präsentieren sich schließlich auch noch die  Küchenchefin Henrietta Flavia Diligensis und ihr Feuerwehrmann für die ganze übrige Organisation, Martinus Vigil Crumbachensis), und deshalb lohnt es auch bestimmt wieder, den Weg zu Amalienstraße 83a zu nehmen.

Meint jedenfalls
Eure PSMS
P.S. Übrigens: Die PSMS heimseitet seit neuestem auf der (u.a. mit dem sommerlich-sonnigen Bavariapark verlinkten) homepage www.niklasholzberg.com, angefertigt von unserem PR Office in Toronto, Ontario, Canada.

Vortrag am 19.10.2011

Privatdozent Dr. Andreas Heil (TU Dresden)       “Parthenias und Priapus: Vergilbilder in der Antike”,

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Thomas Schirren

19. Oktober 2011, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

wenn Andreas Heil seinen Vortrag über ein Kapitel Vergil-Nachleben in der Antike unter der Chiffre “Parthenias und Priapus” ankündigt, stellt, wer “Parthenias” vonparthénos ableitet, ohne weiteres über virgo eine Verbindung zu dem keuschen Joseph Virg-il her, klar; der Dichter kalauert ja selbst am Ende der Georgica damit. Aber “Priapus”? Zur PSMS passt der gut, da er bekanntlich die zürnende Gottheit der Satyrica ist und da Ursula Hausgen, die uns einst großzügig gestattete, in ihren noblen Räumen unsere Vortragsabende zu veranstalten, Trimalchio am 4.8.2011 feierlich das wichtigste membrum des Gottes in einer vorzüglichen türkisen Nachbildung (und sich mächtig über einem Aschenbecher erhebend) überreichte, nachdem sie es eigens aus Ägypten mitgebracht hatte. Aber quid Virgilio cum Priapo? Das wird uns der Andreas dann schon verraten – WENN es, was wir doch alle hoffen, dazu kommt. Denn wie vor einem Jahr im November ist unser Ehrenmitglied Thomas Schirren wieder Diskussionsleiter, und als er damals schon eingetroffen war, erschien aber nicht der Vortragende. Gut, Thomas hat dann, klever wie er nun einmal ist, den Vortrag einfach selbst gehalten und sich dann auch selbst die Diskussion geleitet (halt nur nicht dann auch noch sich selbst die Fragen gestellt, sie sich selbst beantwortet und anschließend allein das kalte Büffet verzehrt und allein Markus Jankas Ouzo getrunken). Aber er hat uns wissen lassen, dass er dieses Zauberkunststück diesmal wohl nicht fertigbringen werde, also uns dann auch nicht sagen kann, was der jungfräuliche Vergil mit Priapus zu tun hat. Glauben wir ihm das? Nun, es gibt also zweierlei, worauf wir gespannt sein dürfen: 1. ob Andreas Heil kommt (womit an sich zu rechnen ist, weil er jahrelang an einem Projekt über römische Wertbegriffe mitarbeitete und weiß, dass die Teilnahme an einer Cena Trimalchionis ein römischer Wert per se ist), 2. ob, wenn er nicht kommt, Thomas Schirren, unser Ehrenmitglied, doch übernimmt und uns sogar verrät, was Priapus mit Virgil zu tun hat. Denn vielleicht besitzt er ja die virga des Zauberers Virgil und zaubert damit abermals.
Knistert die Spannung? Wenn ja, kommen Sie/kommt in Scharen am 19.10. an den gewohnten Ort – es soll Ihr/Euer Schade nicht sein.

Versichert
Ihre/Eure PSMS