Vortrag am 06.02.2013

Niklas Holzberg (zur 70. Wiederkehr des 22. Februar 1943):

“Antike Texte in Studium und Flugblatt: Philologischer Seminaralltag und “Weiße Rose” an der Universität München 1941-1945″

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Wolfgang Huber

Mittwoch, 06. Februar 2013, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

die Einladung zum Februarvortrag der PSMS ist diesmal ganz frei von Trimalchio, Satire und Sonstigem, was für den petronianischen Geist steht, in dem die PSMS vor knapp 22 Jahren gegründet wurde. Und Verfasser der Einladung ist ganz einfach allein der Unterzeichnete –  einer der Gründer -, weil er aus besonderem Anlass den Vortrag selber hält: Am 22. Februar 2013 jährt sich zum 70. Mal die Ermordung von drei Mitgliedern der Widerstandsbewegung “Weiße Rose”, Sophie und Hans Scholl und Christoph Probst aufgrund eines Urteils des sog. “Volksgerichtshofes”, und davon wird auch in meinen Ausführungen die Rede sein. Die PSMS hat schon zweimal zu Vorträgen eingeladen, in denen es um die Geschehnisse des Februar 1943 ging: Am 17. Mai 1995 sprach aus Anlass der 50. Wiederkehr des Kriegsendes Dr. Ute Schmidt-Berger zum Thema “Die deutsche Antigone – Sophie Scholl”, eingeleitet durch Sophie Scholls Schwester Inge Aicher-Scholl, die Verfasserin des berühmten Buches “Die Weiße Rose” (nie habe ich einen Hörsaal so still erlebt wie während der Worte der alten Dame), und am 22. Februar 2003 wiederholte ich einen Vortrag, den ich auf Anregung amerikanischer Kollegen verfasst und an mehreren Universitäten der U.S.A. gehalten hatte; darin betrachtete ich erstmals den Seminaralltag der Münchner Altphilologieprofessoren und -studenten vor dem Hintergrund  der Aktivitäten ihrer gegen den Nazi-Terror Widerstand leistenden Kommilitonen. Zu diesem Thema möchte ich auch diesmal sprechen. Dankenswerterweise hat sich Herr Professor Dr. Wolfgang Huber, der Sohn des am 13. Juli 1943 ermordeten Professors Kurt Huber – er verfasste das sechste Flugblatt der “Weißen Rose” – als Diskussionsleiter zur Verfügung gestellt; für die Vermittlung der in der Sache höchst kompetenten Person dieses Moderators habe ich der Weiße-Rose-Stiftung e.V. zu danken. Professor Huber hat freundlicherweise erklärt, er werde aufgrund eigener Studien einiges zu dem Thema beitragen. Da nach Vortrag und Diskussion wie üblich zum kalten Büfett und Getränken eingeladen wird, besteht reichlich Gelegenheit, auch dann noch Gespräche über ein Thema zu führen, das speziell für ein Münchner Publikum von größtem Interesse sein dürfte.

Mit freundlichen Grüßen
Niklas Holzberg

Vortrag am 09. Januar 2013

Professor Dr. Norbert Oettinger (Universität Erlangen-Nürnberg):                               “Wo kommen unsere Wörter her?”

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Olav Hackstein (Universität München)

09. Januar 2013, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

“Wo kommen unsere Wörter her?” – diese Frage wird Norbert Oettinger, Ordinarius für Indogermanistik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und als solcher u.a. auch Spezialist für griechische und lateinische und überhaupt vergleichende Sprachwissenschaft, stellen und beantworten. An sich ist das Problem bereits von Herodot, dem Vater der Geschichte, geklärt worden. Denn der erzählt, wie Pharao Psammetich einst hochwissenschaftlich erforschte, welches das älteste Volk der Erde sei, zu diesem Behuf zwei Säuglinge isoliert von allen Menschen aufziehen ließ, um zu hören, welches Wort sie als erstes nach Überwindung der Phase des Schreiens und undeutlichen Lallens sprechen würde, wie er dann aus ihrem Munde “Bekos” vernahm, und daraus, dass er dieses Wort als die phrygische Bezeichnung für Brot identifizieren konnte, folgerte, die Phryger seien das älteste Volk. Und so dürfen wir denn davon ausgehen, dass unsere Wörter insofern von den Phrygern kommen, als diese zum ersten Mal Lexeme artikulierten. Aber darum wird es Norbert Oettinger vielleicht gar nicht gehen. Trimalchio weiß nicht, worum es ihm gehen wird, höchstens, dass der Gast aus Erlangen auf das Lateinische und Griechische blicken dürfte. Und Trimalchio weiß auch, dass das Interesse für Zusammenhänge zwischen unseren Wörtern schon früh in Norbert Oettinger geweckt ward. Dessen Vater, der bekannte Kunsthistoriker, ein Österreicher von Geburt, erzählte nämlich einst seinem Filius, in der Steiermark habe es bald nach dem Zweiten Weltkrieg eine das von den Nazis befreite Land neu ordnende Versammlung gegeben, dort habe ein Delegierter in seiner Rede gesagt “Es ist allenthalben eine Unordnung und ein Schaos”, und darauf habe ein anderer erwidert: “Ja, ein Schoaß ist es allenthalben.” Nun weiß nicht nur die Margot aus Graz, unser Vorstandsmitglied, dass hochdeutsches “ei” im Steirischen nicht wie im Baierischen als “oa”, sondern als “aaaaaa” erscheint und somit diese Story zweifelhaft ist. Aber das wusste eben auch der junge Norbert, weil er einfach ein Naturtalent in vergleichender Sprachwissenschaft ist und ihm bekannt war, dass von “Chaos” nicht, obwohl das bei dem ganzen Tohuwabohu-Schlamm am Anfang der Welt denkbar wäre, im Deutschen das Wort kommt, was der zweite Delegierte offensichtlich unsteirisch aussprach, sondern  “Gas” (auch nicht etwa das, was feminines “Gaaas” vermutlich im Steirischen bedeutet). Trimalchio begrüßt es jedenfalls wärmstens, dass im Kontext von PSMS-Vorträgen, die sich innerhalb der Latinistik primär den Inhalten römischer Literatur widmen, nun doch auch einmal die linguistische Seite zu Wort kommt, und er hat sich vorgenommen, dem Norbert nach dessen Vortrag die Frage zu stellen, ob ein etymologisch-indoeuropäisch-sprachkomparatistischer Zusammenhang zwischen dem so auffälligen langen “aaaaaa” im Steirischen und dem besteht, dass, wie der weltberühmte Ovidianer Alessandro Barchiesi aus Ars amatoria 2,720ff. und 3,804 hochwissenschaftlich erschließen konnte, die Römer und Römerinnen (unter ihnen zumindest die Libertinen) auf dem Höhepunkt einer bestimmten Art von körperlicher Erregung “aaaaaa!” von sich gaben. Ja, vergleichende Sprachwissenschaft ist etwas Hochinteressantes und führt uns zu den verblüffendsten Zusammenhängen über das Herkommen unserer Wörter und Laute, und da trifft es sich gut, dass Olav Hackstein, Norbert Oettingers Kollege in München, freundlicherweise die Diskussionsleitung übernommen hat. Wir sind sicher, dass es wieder ein großartiger Abend werden wird – wie schon der vor wenigen Tagen, an dem Andreas Heil uns durch seine These über die potentielle Landung von Aliens auf Ariadnes Naxos mehr als faszinierte -, und deshalb lädt zu Vortrag und anschließender Petronian Party wieder ganz herzlich ein

Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 19. Dezember 2012

Prof. Dr. Kai Brodersen              (Präsident der Universität Erfurt):

“UFOS in der Antike – oder warum Obsequens heutige /Nerds/ begeistert!”

Diskussionsleitung: PD Dr. Andreas Heil (TU Dresden)

19. Dezember 2012, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

das Übersinnliche spielt bekanntlich eine wichtige Rolle an Trimalchios Tafel: Da ist viel von Astrologie die Rede, da erzählt man sich von einem Werwolf und von Hexen, die ein Kind durch ein Wechselbalg ersetzen. Aber um Wesen von anderen Sternen geht es in den Gesprächen nicht, obwohl, wie man aus Iulius Obsequens weiß, bereits in der Antike “Unidentified Flying Objects” gesichtet wurden. Was man damals so alles in dieser Richtung mitbekam, ist zweifellos interessant zu wissen. Denn vielleicht gab es ja auch schon ein Raumschiff mit einem Nauarchus Jacobus T. Circus, einem Dominus Spoccus Auritus Vulcanensis und einem Archifaber Montgomerus Scotus (“radia me sursum, o Scote!”), ja vielleicht tobten damals schon erbitterte Bella Stellarum und abgrundschlechte Bösewichte wie Darthus Vaderus traten darin in Erscheinung! Nun, da es sich auch bei dem von Rentieren gezogenen Schlitten des Weihnachtsmanns um ein bisher unidentifiziertes fliegendes Objekt handelt – denn gesehen wurde dieser Schlitten bisher nie, nur die Geschenke waren dann halt immer da, und irgendwie müssen sie ja wohl unter den Weihnachtsbaum gekommen sein -, trifft es sich gut, dass Kai Brodersen die einst so herrlich nachkriegsdeutsch “Fliegende Untertassen” genannten UFOs des klassischen Altertums in seinem diesjährigen Weihnachtsvortrag behandeln wird. Der Kai war bekanntlich schon mehrfach hochwillkommen unser identifizierter Weihnachtsmann: Nachdem er bereits in Pioniertagen der PSMS noch ganz brav bürgerlich-wissenschaftlich über Äsop gesprochen hatte, referierte er am 19.12.2002, also genau zehn Jahre vor seinem diesjährigen Auftritt, über King Kong den Karthager, am 18.12.2003 stellte er Verbindungen zwischen Arminius und Arminia Bielefeld her, am 21.12.2006 inszenierte er zusammen mit Markus Janka einen interaktiven antiken Krimi, und am 21.12.2009 sang er zusammen mit uns “Als die Römer frech geworden …” und ließ eine junge kanadische Professorin als Thusnelda agieren. Er kommt also mit seinem Schlitten zum sechsten Mal zu uns, ist damit derjenige, der am bisher häufigsten zu einem PSMS-Vortrag eingeladen wurde, und jedesmal jubelten ihm die petronianischen Massen zu, weil er nicht nur so ausgesprochen phantastische Themen präsentiert, sondern auch ein mitreißender Redner ist. Mittlerweile in der Hauptstadt einer der sogenannten neuen Bundesländer, Thüringen, gelandet und dort einer der angesehensten Männer der Stadt, wird er passenderweise von einem in der Hauptstadt des benachbarten neuen Bundeslandes Sachsen lehrenden Kollegen, Andreas Heil, moderiert; Andreas, der im laufenden Semster vertretungsweise auf dem seit dem 1.10.2011 vakanten Münchner Lehrstuhl für klassisches Latein sitzt, hat zu Beginn des WS 2011/12 einen PSMS-Vortrag gehalten, und zwar ebenfalls über ein sehr interessantes Thema: die priapeischen Seiten Vergils. Und da die 4. Ekloge bekanntlich ebenfalls mit Weihnachten zu tun hat, eignet Andreas sich bestens als Kais Knecht Rupprecht. Oder werden sie beide als der fliegende Verbrechensbekämpfer Vespertiliovir und dessen Gehilfe Rubecunda durchs Dach des Lyrikkabinetts herabschweben? Es gibt da viele Möglichkeiten, und da wir Altphilologen als solche im Grunde noch weit größere Nerds sind als Sheldon Cooper und ja auch schon mal einen gräzistischen Ufo in unserem Institut hatten, werden wir an jeder von Kai und Andreas gebotenen impersonatio unsere Freude haben. Damit rechnet jedenfalls ganz fest und lockt gleichzeitig mit plätzchengefüllten Untertassen

Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 14. November 2012

Dr. Carina Weiss (Universität Würzburg):

Die klassischen Seiten des James Loeb: Begründer der Loeb Classical Library, Mäzen, Kunstsammler

Diskussionsleitung: StD Günther Rau (Murnau)

14.11.2012, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

jeder, der in München mit der Antike zu tun bekommt, kennt die kleinen grünen (Griechisch) und roten (Latein) Bände der Loeb Classical Library (oder zumindest fast jeder). Aber obwohl James Loeb einige Zeit in der Isar-Metropole (1906-1912) sowie anschließend in dem nicht weit entfernten Murnau gelebt hat (1912-1933) und dort noch sein prächtiges Landhaus steht, obwohl er Münchner Museen mit wertvollen Stücken aus seiner Sammlung antiker Kunst beschenkte und das Interimshaus für die Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie, Bavariaring 46, das (nach seiner Frau benannte) Marie Antonien-Heim für Studentinnen, Kaulbachstr. 49, sowie das Murnauer Krankenhaus stiftete, am 24.6.1922 Ehrendoktor der LMU sowie am 3.7.1929 Ehrenbürger Münchens wurde – um nur das Wichtigste, was ihn mit München und Murnau verbindet, zu nennen -,  also obwohl das alles und noch viel mehr der Fall ist, kennt ihn kaum jemand bei uns, und die nach ihm benannte Straße in Schwabing dürfte eine der kürzesten der Stadt sein – man muss jedenfalls die Radlpedale nur einmal kurz antippen, dann ist man schon durch. Vielleicht kann ja auch nur Trimalchio nachempfinden, mit wem wir es hier zu tun haben. Denn Trimalchio besitzt ebenfalls eine griechisch-römische Library, von der er zur Freude der Textkritiker sagt: tres bybliothecas habeo, unam Graecam, alteram Latinam. Er ist ebenfalls ein reicher Mäzen, ja heißt sogar C. Pompeius Trimalchio Maeceantianus, und er besitzt antike Kunstgegenstände, etwa korinthische Bronzen, die eindeutig echt sind, weil der Kupferschmied, bei dem er sie kauft, Korinthus heißt, oder einen Silberhumpen, auf dem man sieht, wie Kassandra ihre Söhne ermordet und diese im Tode so daliegen, als wären sie lebendig! Das sind wirklich verblüffende Übereinstimmungen, zu denen noch weitere hinzukommen. Aber darüber werden wir in einer im Namen Trimalchios gehaltenen kurzen Einführung, die dem kunsthistorischen Vortrag der Würzburger Archäologin und Erika-Simon-Schülerin Carina Weiss vorausgeschickt werden soll, mehr hören. Carina selbst wird dann mit vielen bunten Bildern über die kostbare Sammlung antiker Kunstgegenstände, die Loeb zusammentrug, berichten, und moderieren wird das Ganze Günther Rau, einst Student am Münchner Institut für Klassische Philologie, wo auch er nichts über Loeb erfuhr – er hätte allerdings, wenn er Ernst Vogt direkt befragt hätte, viel erfahren können, denn Ernst Vogt ist bekanntlich Spezialist für die Geschichte unseres Faches -, jetzt Lehrer am Staffelsee-Gymnasium in Murnau, dem Städtchen, in dem ja auch Gabriele Münter und Wassily Kandinsky in den Sommermonaten 1909-1914, also immerhin in zwei von diesen Sommern gleichzeitig mit Loeb wohnten. Um noch einmal auf den gelehrten Ernst Vogt zurückzukommen: Er hat einmal erzählt, Loeb habe seine Idee, eine Sammlung zweisprachiger griechisch-römischer Texte zu begründen, zunächst mit deutschen Übersetzungen auf der rechten Seite verwirklichen wollen, sich deshalb an den großen Wilamowitz (den schon mancher Student in einer Vorlesung, wenn sein Name nur mündlich fiel, als “Wilhelm Moritz” ins Kollegheft eintrug) in Berlin gewandt und den Bescheid erhalten, in Deutschland benötije man schon jar nich so wat Überflüssijes wie Übertrajungen antiker Werke. Diese Story konnte bisher nicht verifiziert werden, ist also vielleicht eine fromme Legende. Aber wie alle frommen Legenden ist sie in einem höheren Sinne nur zu wahr! Denn natürlich lesen wir alle, vom Gymnasiasten in der Oberstufe bis rauf zum Leibniz-Preisträger auch heute noch alles ausschließlich im Original, weshalb ja z.B. die Sammlung Tusculum, unser Pendant zur LCL, die der antiwilamowitzianische Münchner Ernst Heimeran mit seinem antiwilamowitzianischen Erlanger Freund Ernst Penzoldt 1923 gründete, ständig davon bedroht ist, dass sie eingestellt wird (woraus man, da sie einst blühte, schließen darf, dass Übersetzungen heute noch weniger gebraucht werden als früher). Ja, wir sind reinste einsprachige Humanisten! Und drum treffen wir uns, James Loeb (trotzdem) zu ehren, am 14.11., will sagen: Es ergeht hiermit eine besonders herzliche Einladung von

Ihrer/Eurer PSMS

Vortrag am 22. Oktober 2012

Prof. Dr. Franz Fuchs (Universität Würzburg)

“Schimpf und Scherz am Hofe Karls des Großen: Zu einem Gedicht Theodulfs von Orléans (c. 35)”

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Claudia Wiener (LMU München)

22. Oktober 2012, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

da in der Münchner Gräzistik/Latinistik mittlerweile die Literatur des Mittelalters eine große Rolle spielt, hat Trimalchio beschlossen, auch diese einmal in sein Programm einzubeziehen. Zwar findet er es irgendwie cool, dass Nietzsche das Mittelalter als “Alkoholvergiftung Europas” bezeichnet hat (auch wenn Trimalchio nicht so ganz weiß, was der philosophus damit meinte), aber sein Beschluss wird erheblich dadurch unterstützt, dass der Mann, der über ein mittellateinisches Gedicht, verfasst von Theodulf von Orléans, sprechen wird, Würzburgs Mittelaltergeschichtsordinarius Franz Fuchs, Vorsitzender einer anderen “PS” ist: der “Pirckheimer-Gesellschaft”. Wenn Trimalchio sich nämlich so die Porträts anschaut, die Albrecht Dürer von seinem Freund Willibald angefertigt hat, sieht er, dass dieser ganz ähnlich aussieht wie er selbst als Logo links oben auf dem Plakat der PSMS. Und die griechischen Worte, die Pirckheimer links oben neben das Silberstiftporträt gekritzelt hat, ársenos tê psolê es tòn proktón, stimmen ihn ganz romantisch, weil sie ihn an seine Zeit als eines lockigen puer seines dominus erinnern, in der er die Grundlage für Karriere und Reichtum legte. Theodulf von Orléans wird ja wohl, auch wenn er, wie der Franz zeigen wird, die Eklogen liebte, und auch wenn er sicher wusste, wie das qui te in 3,8 zu ergänzen ist, von solch penetranten Erinnerungen frei sein (Aber wer weiß?! Am End war er da unserer kinderlieben Gegenwart weit voraus?). Doch vielleicht war er es, der, möglicherweise gerade vom Alkohol vergiftet, den in seinem Kloster Fleury in St. Benoît-sur-Loire aufbewahrten Kodex der Historien Sallusts zerschnipseln und zum Einbinden von christlichen Traktätchen verwenden ließ, aber das danken ihm ja, wenn er es war, heute die Staatsexamenskandidaten, die deshalb nur mit dem Catilina und dem Jugurtha ins Mündliche müssen. Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft ist auch Claudia Wiener, die dankenswerterweise den ihr aus ihrer Würzburger Zeit bekannten Franz vorstellen und die Diskussion leiten wird. Ob der Nürnberger Humanist die Satyrica kannte, wissen wir nicht, und wenn, dann nur die zu seiner Zeit publizierten Exzerpte, aber nicht die erst um 1650 wiederentdeckte Cena. Willibald wusste freilich auch so, wie man ein prachtvolles Symposion veranstaltet, da er in sein Haus am Nürnberger Hauptmarkt immer wieder prominente Leute hoch oben von Kaiser Maximilian bis runter zu Konrad Bickel aus Wipfeld zwischen Würzburg und Schweinfurt einlud und mit ihnen so prasste und soff, dass er sich das Zipperlein zuzog und deshalb als Herr Senator die paar Meter von seinem Domizil zum Rathaus immer zu Pferde zurücklegen musste. Doch um ihn soll es bei dem Vortrag nicht gehen, sondern allenfalls danach um seine Kunst des Saufens und Prassens, halt bei der Petronian Party, zu der Markus Janka sicher wieder höchst dankenswerterweise die eine oder andere humanistische Flasche Ouzo mitbringen wird – in Verstoß gegen das mittelalterliche Motto sunt Graeca? non bibuntur! Ja, wir machen weiter mit Vorträgen und bibere, in diesem Semester mit lauter Kollegen aus benachbarten Disziplinen (außer Mittelalterliche Geschichte, Archäologie, Alte Geschichte und Indogermanistik sogar altphilologisches Verlagslektorat), aber darüber wollen wir jetzt noch nichts verraten. Auf jeden Fall wird der Abend mit Theodulphus Aurelianensis, Franciscus Herbipolensis und Claudia Porcivadiana wieder das Erscheinen lohnen, und dazu lädt wieder ganz herzlich ein

Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 18. Juli 2012

Professor Dr. Ursula Gärtner (Universität Potsdam):

“Sich mit fremden Federn schmücken:  Überlegungen zu Phädrus und seinen Fabeln”

Diskussionsleitung: Dr. Stefan Merkle (LMU München)

18.07.2012, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

als “Petronian Society Newsletter” im Heft von 1991 die Gründung der PSMS bekannt machte (“Like IBM, BMW, Glaxo, Bayer, Holiday Inn and other successful giants, the Petronian Society is pleased to break the news of its expansion via franchizing”), wurde das bildlich dadurch demonstriert, dass das Cover einer Phaedrus-Bibliographie als des ersten wissenschaftlichen Produkts der Gruppe beigegeben war. Was der Dachverband in den USA nicht wusste: Phaedrus hatte den direkten Anlass zur Gründung der PSMS gegeben. Über den Fabeldichter wurde nämlich im September 1990 in Marktoberdorf ein Vortrag gehalten, der ein denkbar negatives Bild von der literarischen Leistung des Fabeldichters zeichnete. Barbara Leininger, die zähneknirschend zugehört hatte, kam empört nach München zurück und schlug nach dem Motto “Dem Manne kann geholfen werden” vor, man müsse eine alternative Gruppe von Altphilologen gründen, in der nicht dauernd im schwarzen Anzug die Klassiker angebetet, sondern in Jeans und unter Verzicht auf das ganze akademische Hierarchie-Larifari die ewig missachteten Autoren nach modernen, an der angloamerikanischen Altphilologie geschulten Methoden untersucht würden. Und es müssten ohne das übliche Gastvortrags-Getue papers mit Altphilologen aus aller Welt organisiert werden, die das neue Konzept begrüßten. Beide Ideen wurden verwirklicht. Die PSMS veröffentlichte ohne Anzapfen von Drittmitteln oder DFG und sonstige exzellente Großoffensiven Sammelbände, die – wie zuletzt der über die Appendix Vergiliana – immerhin in Angelsachsen Beachtung fanden. Und es wurden seit Mai 1991 regelmäßig “alternative” Vorträge veranstaltet. Ja, und mit dem, den Ursula Gärtner halten wird – bereits Nummer 148! (es sind nun doch Drittmittel für die Feier zum 150. Vortrag am 14.11.12 beantragt, nämlich bei dem steinreichen Feuerlöschlappenhersteller Echion) -, wird nun auch endlich, auf dass Barbara Leiningers Konzept voll und ganz verwirklicht werde, …. ja, endlich, ob ihr’s glaubt oder nicht … aus dem Mund einer auswärtigen PSMS-Sympathisantin der zu Unrecht verachtete Phaedrus zur Sprache kommen. Ursula Gärtner hat in jüngerer Zeit durch mehrere sehr lesenswerte Aufsätze ein neues Kapitel in der Interpretation des Fabeldichters aufgeschlagen. Und sie vollzog schon früh zumindest indirekt den Übergang von der traditionellen deutschen zu einer menschlischen Altphilologie. Denn aufgewachsen als Tochter eines der Großen der Heidelberger Latinistik, Hans Armin Gärtner, erlebte sie in ihrer Kindheit mehrere Besuche des besonders großen Viktor Pöschl. Und dieser Mann aus einer Zeit, in der die deutsche Altphilologie noch den Markt weitgehend beherrschte und Dichter wie Phaedrus verachtete, hielt an Hans Armin Gärtners Tafel keine Vorträge über Vergil oder Horaz, sondern verputzte mit besonderer Vorliebe ein Sahnetörtchen nach dem anderen. Womit er Trimalchio und dem Feuerlöschlappenhersteller Echion sicher besser gefallen hätte als durch Überlegungen zu der Frage, ob die cura-Strophe in c. 2,16 echt ist oder nicht. Ja, Ursula kennt auch die Sahnetörtchen-Seite unseres Faches, und deshalb passt es gut, dass unser Gründungsmitglied Stefan Merkle den Vortrag moderieren wird. Denn der ist auf eine besondere Weise “anders”. Einerseits gehört er zu den scharfsinnigsten Textanalytikern in unserem Bereich und hat speziell über Phaedrus bereits mehrere bahnbrechende Gedanken geäußert. Aber andererseits hat er wiederum mit Sokrates gemeinsam, dass er zwar wie dieser ein exzellenter Lehrer der Jugend ist, jedoch die Verschriflichung seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse meidet. So hat auch er schon bei uns einen Phaedrus-Vortrag voller brillanter Beobachtungen gehalten – am 9.12.2009 Sven Lorenz zu ehren -, aber ihn in einen Aufsatz zu verwandeln konnte er sich offenbar bisher nicht entschließen. Vielleicht wirkt ja Ursula Gärtner, die, wie gesagt, einen Artikel nach dem anderen über Phaedrus publiziert, so inspirierend auf Stefan, dass er demnächst mit der Ursula als Moderatorin wieder einen Phaedrus-Vortrag hält und anschließend bald der übrigen Welt Gelegenheit gibt, diesen nachzulesen. Kommt/Kommen Sie also in Scharen, um möglicherweise der Metamorphose des Stefan Merkle von einem Sokrates in einen Eckard Lefèvre beizuwohnen. Allein das würde den Besuch bei uns lohnen.

Meint jedenfalls
Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 06. Juni 2012

Prof. Dr. Karlheinz Töchterle (Österreichischer Bundesminister für Wissenschaft und Forschung)

“Die Universität zwischen Exzellenz und Massen –    und wo sind die Geisteswissenschaften?”

Diskussionsleitung: Heike Tiefenbacher (München)

06. Juni 2012, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Petronian Society,

vor rund einem Vierteljahrhundert sah der heute durch die darin beherbergten beiden Theologischen Fakultäten geweihte rechte Flügel am Hauptgebäude der LMU folgende ausgesprochen heidnische Szene: ein Eingeweidebeschauer und seine ehrfürchtige Gemeinde beugten sich über eine blutige Leber, um diese nach der Zukunft zu befragen. Nein, bei jenem Haruspex handelte es sich nicht um Trimalchio, sondern um Töchterle Tirolensis, Carolushenricus mit praenomen. Dieser hatte sich im Rahmen seines damals gastweise in München gehaltenen Hauptseminars zum Oedipus Senecas, über den er sich habilitiert hatte, durch Valahfridus Grammaticus Monacensis, den damals schon weltberühmten, hautnah lebendigen Lateiner, vom Metzger Schäuferle am Hasenbergl ein Stück Kalbsleber besorgen lassen, um Sen. Oed. 557ff. hautnah lebendig nachzuvollziehen. Dort berichtet Manto ihrem Vater Tiresias, wie beim Opfer eines Stiers dessen Leber (mit ihrer zwei Auswüchse verbergenden Haut) beschaffen gewesen sei und wie, “geheimen Dingen ein Versteck verwehrend”, ein Leberlappen sich erhoben habe (V. 557ff.). Es scheint höchst zweifelhaft, dass der Haruspex Töchterle damals schon aus der ihm vorgelegten Leber (die nach der Sitzung ein Seminarteilnehmer für die Katze daheim mitnehmen durfte) herauslesen konnte, dass die fata ihm unwiderruflich bestimmt hätten, er werde am 21. April 2011, also am Jahrestag der Gründung Roms, zum österreichischen Bundesminister für Wissenschaft und Forschung ernannt werden. Denn dieses Wissen hätte ihm erlaubt, sich ganz einfach bis zu jenem Tag epikureisch in sein geliebtes Stubaital (für das er der Weltspezialist ist) zurückzuziehen, sich dort auf die Pflege seines Gartens und auf das Bergsteigen zu beschränken und in hesychía abzuwarten, bis entsprechend der Leberprophezeiung die legati aus der Urbs auf seinem Anwesen erscheinen und ihn bitten würden, er möge, quod bene verteret ipsi reique publicae, die mandata seiner Alpenrepublik togatus vernehmen, um dann voll cool seiner uxor zu sagen, sie solle ihm also die Toga aus dem tugurium holen. Nein, den Wissensvorsprung, der ihm ein solches láthe biósas ermöglicht hätte, verschaffte ihm, da er ja weiter Hochschullehrer blieb, die Kalbsleber vom Hasenbergl offenbar durchaus nicht. Ebensowenig ahnte vermutlich an jenem Leberschautag Ende der 80er des 20. Jahrhunderts die damals nur wenige Monate alte Heike Tiefenbacher Diligensis, obwohl ihr Vater sich vielleicht just zu Mittag von seiner uxor eine Gänseleberpastete (die gleichfalls occultis rebus latebram negavit) auftischen ließ, dass ihr, Heike Tiefenbacher Diligensis, in das praesepium, in dem sie noch lag, von den fata Folgendes gelegt war: Sie werde dereinst von der langjährigen Henrietta Adiutrix der Petronian Parties zur Henrietta Moderatrix eines hohen Staatsdieners aufsteigen. Ja, die fata haben schon so allerlei Überraschendes in ihrem Programm, weswegen Trimalchio ja stark an den Verheißungen der Sterne interessiert ist. Er wird sich denn auch bemühen, bei der Cena nach Karlheinz Töchterles Vortrag sein berühmtes astrologisches Gericht aufzutischen. Aber selbst wenn ihm dies nicht gelingen sollte – seine kulinarische Helferin mit den meisten Dienstjahren ist ja anderweitig beschäftigt -, kann er versprechen, dass es ein denkwürdiger Vortrags- und diskussionsabend mit einer rauschhaften Petronian Party werden wird.

Und dazu lädt deshalb wieder ganz besonders herzlich ein
Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 16. Mai 2012

Professor Dr. Martin Korenjak (Universität Innsbruck)

“Tod in Athen: Was geschah mit Antipatros von Askalon?”

Diskussionsleitung: Stephanie Seibold (Universität München)

16. Mai 2012, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

antike Grabmäler haben so ihre Eigenheiten. So bietet Trimalchios Beitrag zu diesem Thema (Sat. 71,6-12) außer einer Art mise en abyme seines Gastmahls doch auch die Gelegenheit zum Rätselraten, und zwar insofern, als man sich prüfen darf, ob noch erinnerlich ist, wo vorher im Text von Gladiator Petraites oder von dem Lustknaben des Gastgebers die Rede war; wahrscheinlich wendet sich dieser damit an die eifrigen Schäflein von Christiane Lehle oder Maria Krichbaumer oder Matthias Ludolph, auf dass die üben, daraus Zusatzfragen zu einer Petron-Schulaufgabe zu basteln. Es gibt nun aber auch ein Grabmal, das nicht nur Schulaufgabenschmiede, sondern sogar Detektive auf den Plan ruft, weil mit demjenigen, der unter ihm ruht, Antipatros von Askalon, etwas Mysteriöses geschah: Wir sehen auf dem monumentum in der Mitte einen aufgebahrten nackten Leichnam, links einen sich aufbäumenden Löwen und rechts den Körper eines nackten Mannes, der einen Schiffsbug oder was immer als Kopf hat – total verrückt! – und mit ausgestreckten Armen den Übergriff des Löwen auf den Toten abwehrt.  Zwar kombiniert das Grabmal das Rebus mit einer Aufschrift, aber nicht in erhellender Weise, sondern eher in einer für Werner Suerbaum, den verdienten Erforscher des Phänomens Bild & Text, interessanten Manier, da das sechszeilige Epigramm weitere Rätsel aufgibt, u.a. mit zwei Hapaxen. Zwei Detektive, die beide einen Bezug zu München haben, Tonio Hölscher, der Sohn des unvergesslichen Griechichordinarius, und Peter von Möllerndorff, einst Assistent von dessen Nachfolger und Nachnachfolger, versuchten das Rätsel bereits zu lösen, aber Martin Korenjak, unser Vortragender, hat sich nochmals den Sherlock-Holmes-Hut aufgesetzt und zu Geige und Vergrößerungsglas gegriffen, um eine eigene Deutung zu geben. Jetzt kann man natürlich wiederum rätseln, warum er, noch nicht lange als Nachfolger von Karlheinz Töchterle nach Innsbruck berufen und dort Herr einer Truppe von Neolatinisten, ausgerechnet einen griechischen Grabmalkrimi zu seinem Thema gemacht hat. Will er das Vorurteil wiederlegen, dass Deutschlands Latinisten sich nur noch für epigonale Spätprodukte der Latinität interessieren? Aber warum dann gleich Antipatros von Askalon, wenn als non-neolatinistisches Alibi doch z.B. das Grab-Mahl des Trimalchio genügt hätte? Und wer ist überhaupt seine Moderatorin Stefanie Seibold, was hat sie mit Athen, Antipatros von Askalon und Martin Korenjak zu tun? Nun, das kann man/frau herausfinden, wenn man/frau am 16.5.12 wieder zu uns kommt. Dann gibt es ja auch nicht (wie letzten Mittwoch) für das Fernbleiben die Ausrede eines Elfmeterschießens, das stattfindet, wenn die Annelies schon längst ihr Rucksäckchen gepackt hat und die oben genannten Schäflein schon längst im Bett liegen, weil sie am nächsten Tag vor 8 wieder zum Dienst antreten müssen und nicht, wie während der Studienzeit, dann erst schlafen gehen. Ob Ernst Sigot, falls er wieder kommt (was uns natürlich freuen würde), eine funktionierende Lautsprecheranlage vorfindet, weiß freilich noch niemand, aber auf ein Rätsel mehr oder weniger kommt es nicht an.

Findet jedenfalls
Ihre/Eure PSMS

Lesung am 25.04.2012

Christoph W. Bauer (Innsbruck) liest aus seinem Lyrikband   “mein lieben mein hassen mein mittendrin du”

Diskussionsleitung: Ernst Sigot (Klagenfurt)

25. April 2012, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

Trimalchio hat seinen außeritalischen Ländereien neben Sicilia und Africa nun auch Austria hinzugefügt, und deshalb veranstaltet er einen Österreichischen Sommer. Außer Christoph W. Bauer, zu dessen Lesung diesmal eingeladen wird, haben sich angesagt: Innsbrucks neuer Latein-Ordinarius und Spezialist für Tiroler Neulatein Martin Korenjak für den 16.5., Österreichs Wissenschaftsminister und Stubaitalexperte Karlheinz Töchterle für den 6.6. und die zwar im preußischen Potsdam auf dem lateinischen Lehrstuhl sitzende, aber (wie unser Vorstandsmitglied Margot) jede zweite Woche nach Graz fliegende Phaedrusexpertin Ursula Gärtner für den 18.7. Mit der Lesung des Catull-inspiriert liebenden und hassenden C.W. Bauer greift Trimalchio auf etwas zurück, was seit den Neunzigern nicht mehr stattgefunden hat: die PSMS-Lesung eines Autors. Wir hatten das damals immerhin dreimal: mit Michael Zeller am 24.2.92, Raphael Seligmann am 19.1.94 und Volker Ebersbach am 27.2.97. Es war halt inzwischen so, dass Trimalchio immer meinte, es gebe eh keinen besseren Dichter als ihn und deshalb müsse er, wenn schon, denn schon, selber lesen. Klar, er hat ja an seiner Tafel einen Hasen, der mit Federn geschmückt ist und deshalb wie Pegasus aussieht, und sein Epigramm “Ách, wir Élenden, wíe doch das gánze Ménschelein níchts ist …” (eheu nos miseros, quam totus homuncio nil est …) hält er für den besten Text, der je geschrieben wurde, weil dieser über die conditio humana mehr aussage als die gesamte antike Philosophie (Vielleicht hat er ja sogar recht). Aber nun bekam er Konkurrenz von einem Bewohner seines neuen Landbesitzes, dem trefflichen Christoph, und da das Münchner Lyrikkabinett dankenswerterweise versprochen hat, diesmal nicht nur seine Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, sondern auch etwas dazu zu geben – Trimalchio kann das gebrauchen, weil er neben seiner berühmten griechischen Bibliothek auch ein griechisches Bankkonto hat -, lässt Trimalchio sich darauf ein zu überprüfen, ob Christophs Gedichte das hohe Niveau des gerade anzitierten Epigramms erreichen. Wenn Christoph den lyrischen Wettbewerb gewinnt, wird Trimalchio zum Zeichen seiner Verehrung für den größeren Poeten dann vor uns allen die wunderbare Szene wiederholen, in der sein triefäugiger, ältlich wirkender, schmutzigzahniger Lustknabe Croesus zusammen mit dessen schwarzem, unanständig fettem Schoßhündchen auf ihm reitet, und danach mausert sich dann vielleicht auch noch Croesus zum Dichter und publiziert einen Band mit dem Titel “mein besteigen mein reiten mein du unter mir”. Also, es wird auch diesmal sicher wieder ein unvergesslicher Abend, zumal obendrein wieder – das gab es lange nicht mehr – der Moderator aus weiter Ferne anreist: Ernst Sigot, Bauer-Förderer und Bauer-Freund der ersten Stunde und zugleich Magister an genau dem Bundesgymnasium in Maria Saal bei Klagenfurt, an dem einst Peter Handke der Hintern versohlt wurde (nein, nicht Günter Grass) – schon von daher weiß der Ernst genau, wie man mit einem Poeten richtig umgeht. Kurz und gut, kommen Sie/kommt wieder alle in Scharen, lauscht der Lesung und labt euch lecker an den von Henrietta Magistra und ihrem Cena-Team bereiteten Speisen, auf dass über Sie/Euch nicht sagen kann “Ách, wir Élenden, wíe doch das gánze Ménschelein níchts isst”

Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 08. Februar 2012

Dr. Thomas Poiss (Humboldt-Universität zu Berlin):

“Dichter für Dichter”: Prinzipielles zur Ars Poetica des Horaz

Diskussionsleitung: Professor Dr. Thomas Schirren (Universität Salzburg)

08. Februar 2012, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

die Cena Trimalchionis findet offensichtlich – das haben neuere Untersuchungen wahrscheinlich machen können – immer wieder statt, vermutlich sogar jeden Abend, so dass Ich-Erzähler Enkolp, ohne es zu wissen (und deshalb macht er sich ja auch lächerlich), eine von zahllosen Reprisen erlebt. Aber hatten wir auch schon die Reprise einer PSMS-Veranstaltung? Viele dieser Abende hätten sich dazu angeboten, zuletzt der vor 11 Tagen mit Werner von Koppenfels, dem die zum Verkauf angebotenen Exemplare seiner von ihm vorgestellten Erasmus-Bilingue förmlich aus der Hand gerissen wurden (wenn auch mehr von Studenten, die wenig Geld haben, als von hochbezahlten Akademikern). Ja, und wer sich in den Annalen der PSMS auskennt, weiß, dass in unserer Einladung zum Abend des 20.10.2010, dieses wunderbaren Datums, derselbe Sprecher mit demselben Thema angekündigt war wie auf dem Einladungsposter, das an dieser mail hängt: Thomas Poiss, Berlin, “‘Dichter für Dichter’. Prinzipielles zur Ars poetica des Horaz”; Diskussionsleitung: Thomas Schirren, Salzburg. War es eine solche Bravour der beiden Thomasse, dass wir um Wiederholung gebeten wurden? Denkbar wäre es, weil beide die ihnen damals zugewiesene Rolle bekanntlich exzellent zu spielen vermögen. Aber es ist noch viel besser und trimalchionischer: Thomas Poiss erschien nicht, und Thomas Schirren übernahm, nur ganz kurzfristig benachrichtigt, den Vortrag und die Diskussionsleitung in Personalunion, wobei er sogar über die Ars poetica sprach. Nun, wen wundert’s? Wer in die Stadt des Donnerblitzbubs Wolfgang Amadeus berufen wird, muss halt ebenfalls ein Donnerblitzbub sein, und es hat sich nun gezeigt, dass Thomas Schirren wirklich einer ist. Aber Thomas Poiss ist auch einer. Denn er kann von sich sowohl sagen (wie einst Präsident Kennedy) “Ich bin ein Berliner” als auch “Ich bin ein Wiener” (wie unsere liebe Claudia durchaus nicht, denn sie ist allenfalls auf Englisch “a Wiener”, sonst aber eine Wiener), so dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Trotzdem muss auch er sich immer wieder dem trimalchionischen Kommersregular fügen, und darum hat er als Datum für seinen zweiten Versuch einen Februartag gewählt, an dem die Chance, dass sein Flugzeug wegen einer Winterkatastophe in Berlin nicht abheben kann, bei 95% liegt. Und überdies besteht die Möglichkeit, dass der Donnerblitzbub diesmal nicht einspringen kann, falls nämlich Salzburg unter einer Schneelawine begraben liegt. Aber was machen wir dann? Selbst der von uns allen wohl Gelehrteste, der Graf Gries, kriegt vielleicht keinen Ars poetica-Vortrag schnell aus der Hüfte zustande. Aber es gäbe ja noch andere Möglichkeiten. So könnte z.B. der geniale Personenimitator Markus Janka diesmal statt eines e-mail-Ratens ein extra schlechtes Nachahmen seiner Kollegen bieten, was das Raten besonders knifflich machen würde, und als Preise für die, welche die absichtlich schlecht Gemimten (z.B. Wilfried Stroh mit bayerischem statt württembergischen Schwäbisch) trotzdem erkennen, keine Schokoladenweihnachtsmänner, sondern wohlschmeckend frische Berliner und Wiener verteilen. Oder die Cena-Crew der Henrietta Fulvia könnte die schon legendär gewordene Szene mit der mirakulösen Türöffnung des 19.11.11 als Sketch unter dem Titel Martinus non exclusus ex cabinetto nachspielen, wobei dann die 110-Anruferin Udalrica Siebenburgensis nicht sagt, es sei falscher Alarm, sondern es werde eingebrochen, und wir dann mal schauen, wie viele Grüne mit Maschinenpistolen angerückt kommen, um das aufreizende Gemälde hinter dem Vortragspult und den Boxsack rechts im Eck vor dem Zugriff der Gauner zu retten. Oder Werner Suerbaum könnte uns alle, weil wir uns vielleicht plötzlich gar nicht wohlfühlen im doppelt-thomasisch verwaisten Kabinett, nach nebenan in seine Wohnung einladen, wo wir dann die Nacht durchsaufen könnten, was im Kabinett nicht geht. Oder, oder, oder – im Zeichen Trimalchios läuft immer was Besonderes, und darum lohnt es sich auch diesmal wieder, zu uns zu kommen.

Meint wie immer
Ihre/Eure PSMS