Dr. Gottfried Kreuz (Universität Salzburg)
“Poetische Spielereien im Schatten Ovids: Statius Silvae 2,3 und 3,4 als spiegelnde Text”
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Claudia Wiener (LMU München)
13. Mai 2015, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,
wie man ja inzwischen herausfand, hatte Trimalchio immer wieder einmal auch den Romanautor Petron an seiner Tafel, und das führte dann dazu, dass der Gastgeber von seinem Gast unsterblich gemacht wurde. Eines Tages nun brachte Petron zur Cena einen Kollegen mit, einen Dichter namens Publius Papinius Statius, von dem es hieß, er habe ein Epos “Thebais” in 12 Büchern über den Streit zwischen Eteokles und Polyneikes verfasst, ein weiteres mit dem Titel “Achilleis” in Arbeit, und er schreibe wie Martial (der auch schon einmal der Einladung Trimalchios gefolgt war) Gelegenheitsgedichte zu den verschiedensten Themen, genannt Silvae. Um so verwunderlicher war es nun, dass jener Statius während des ganzen Abends, an dem Trimalchio sein übliches Showprogramm abspulte, halt alles von der Holzhenne mit den Pfaueneiern – sie ist ja die einzige Trimalchio-Reliquie außer dem Skelett, welche die PSMS in ihrem Besitz hat – bis zum geprobten Begräbnis, in sich gekehrt auf seinem Speisesofa kauerte, das meiste von den Delikatessen liegen ließ und an seinem Opimianer nur lustlos nippte. Als er dann plötzlich auch noch in Tränen ausbrach, dachte Trimalchio, zu dem der Name des Dichters noch nicht durchgedrungen war, zunächst voller Stolz, er habe Odysseus persönlich im Hause, und fragte in der Pose des Alkinoos seinen Gast: “O Fremder, sprich doch und sag es heraus, warum du so bitterlich weinest!” Darauf Statius: “Weil ich jetzt schon weiß – die Sibylle in der Flasche in Cumae hat es mir glaubhaft zugekrächzt -, dass ich eines Tages vom Scheibmayr nicht unter die Autoren des bayerischen Lehrplans für den lateinischen Lektüreunterricht an Gymnasien aufgenommen werde!” Große Bestürzung an der ganzen Tafelrunde, Mitleid mit dem Armen, weil alle sofort zugaben, dass einem römischen Dichter nichts Schlimmeres widerfahren könne als das. Doch Petron hatte etwas Tröstliches zu vermelden. Er war nämlich ebenfalls bei der Sibylle gewesen und hatte, als ihm prophezeit worden war, seine Cena Trimalchionis werde einst im bayerischen Lehrplan einen Ehrenplatz erhalten, gefragt, ob denn dem Statius irgendeine Entschädigung für seine Nicht-Berücksichtigung durch den Scheibmayr gegeben werde. “Ja”, habe die Wahrsagerin in der Flasche gepiepst, “der Gottfried Kreuz an der Uni Salzburg wird sich des Statius annehmen und zusammen mit seiner Kollegin Margot, Vorstandsmitglied der PSMS, eine SSSS gründen.” Doch kaum hatte der Dichter das gehört, vergoss er erneut Tränen und schrie: “Kein Mensch wird wissen, dass das die Abkürzung für “Statian Society Salzburg Section” ist, nein, alle werden darin die Chiffre für einen Hexameter sehen, bei dem die ersten vier Versfüße spondeisch sind! Ach, ich bin verloren!” Nein, nein, er ist es nicht. Denn der Gottfried kommt ja nun nach Bayern mitten in das geistige Zentrum des Freistaates, das Lyrikkabinett, wird uns Statius anhand von zwei seiner Silven vorstellen, und Claudia Wiener von der LMU, die dort vor nicht langer Zeit ein bereits legendäres Statius-Seminar hielt und sich im Übrigen in der Welt einen großen Namen als Spenderin für die Petronian Partys gemacht hat, wird den Gottfried moderieren. Also, als die Sibylle auch das noch dem Statius prophezeit hatte, war er überglücklich und ließ sich von einem hübschen Sklavenjungen die Tränen trocknen. Kurz zuvor hatte er noch in einem seiner schönsten Gedichte, Silvae 5,4, über Schlaflosigkeit in sieben aufeinanderfolgenden Nächten geklagt, aber in Vorfreude auf Gottfrieds Vortrag und Claudias Diskussionsleitung konnte er wieder friedlich schlafen. Und alle Statius-Forscher können es nun auch wieder, weil sie endlich wissen, was sie bisher ums Verrecken nicht hatten herausfinden können, nämlich warum der Statius so lang an Insomnia gelitten und sich sogar in einem Gedicht deswegen Luft gemacht hatte. Na, warum schon? Halt wegerm Scheibmayr und seiner harten Entscheidung, den Statius ned in sein Lehrplan neiz’lassn! So sind denn jetzt alle zufrieden, und deshalb kommen Sie/kommt wieder in Scharen zu unserem Vortragsabend und zur Petronian Party, und es wird sich bestimmt lohnen. Ja, wer weiß – am End wird der Gottfried den Statius so überzeugend präsentieren, dass der Scheibmayr bis zum nächsten Lehrplan, der ja demnächst kommen soll, seine Meinung noch ändert und der Statius sogar Abiturautor wird!
Und damit rechnet eigentlich ziemlich fest
Ihre/Eure PSMS







