Vortrag am 13. Mai 2015

Dr. Gottfried Kreuz (Universität Salzburg)

“Poetische Spielereien im Schatten Ovids: Statius Silvae 2,3 und 3,4 als spiegelnde Text”

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Claudia Wiener (LMU München)

13. Mai 2015, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

wie man ja inzwischen herausfand, hatte Trimalchio immer wieder einmal auch den Romanautor Petron an seiner Tafel, und das führte dann dazu, dass der Gastgeber von seinem Gast unsterblich gemacht wurde. Eines Tages nun brachte Petron zur Cena einen Kollegen mit, einen Dichter namens Publius Papinius Statius, von dem es hieß, er habe ein Epos “Thebais” in 12 Büchern über den Streit zwischen Eteokles und Polyneikes verfasst, ein weiteres mit dem Titel “Achilleis” in Arbeit, und er schreibe wie Martial (der auch schon einmal der Einladung Trimalchios gefolgt war) Gelegenheitsgedichte zu den verschiedensten Themen, genannt Silvae. Um so verwunderlicher war es nun, dass jener Statius während des ganzen Abends, an dem Trimalchio sein übliches Showprogramm abspulte, halt alles von der Holzhenne mit den Pfaueneiern – sie ist ja die einzige Trimalchio-Reliquie außer dem Skelett, welche die PSMS in ihrem Besitz hat – bis zum geprobten Begräbnis, in sich gekehrt auf seinem Speisesofa kauerte, das meiste von den Delikatessen liegen ließ und an seinem Opimianer nur lustlos nippte. Als er dann plötzlich auch noch in Tränen ausbrach, dachte Trimalchio, zu dem der Name des Dichters noch nicht durchgedrungen war, zunächst voller Stolz, er habe Odysseus persönlich im Hause, und fragte in der Pose des Alkinoos seinen Gast: “O Fremder, sprich doch und sag es heraus, warum du so bitterlich weinest!” Darauf Statius: “Weil ich jetzt schon weiß – die Sibylle in der Flasche in Cumae hat es mir glaubhaft zugekrächzt -, dass ich eines Tages vom Scheibmayr nicht unter die Autoren des bayerischen Lehrplans für den lateinischen Lektüreunterricht an Gymnasien aufgenommen werde!” Große Bestürzung an der ganzen Tafelrunde, Mitleid mit dem Armen, weil alle sofort zugaben, dass einem römischen Dichter nichts Schlimmeres widerfahren könne als das. Doch Petron hatte etwas Tröstliches zu vermelden. Er war nämlich ebenfalls bei der Sibylle gewesen und hatte, als ihm prophezeit worden war, seine Cena Trimalchionis werde einst im bayerischen Lehrplan einen Ehrenplatz erhalten, gefragt, ob denn dem Statius irgendeine Entschädigung für seine Nicht-Berücksichtigung durch den Scheibmayr gegeben werde. “Ja”, habe die Wahrsagerin in der Flasche gepiepst, “der Gottfried Kreuz an der Uni Salzburg wird sich des Statius annehmen und zusammen mit seiner Kollegin Margot, Vorstandsmitglied der PSMS, eine SSSS gründen.” Doch kaum hatte der Dichter das gehört, vergoss er erneut Tränen und schrie: “Kein Mensch wird wissen, dass das die Abkürzung für “Statian Society Salzburg Section” ist, nein, alle werden darin die Chiffre für einen Hexameter sehen, bei dem die ersten vier Versfüße spondeisch sind! Ach, ich bin verloren!” Nein, nein, er ist es nicht. Denn der Gottfried kommt ja nun nach Bayern mitten in das geistige Zentrum des Freistaates, das Lyrikkabinett, wird uns Statius anhand von zwei seiner Silven vorstellen, und Claudia Wiener von der LMU, die dort vor nicht langer Zeit ein bereits legendäres Statius-Seminar hielt und sich im Übrigen in der Welt einen großen Namen als Spenderin für die Petronian Partys gemacht hat, wird den Gottfried moderieren. Also, als die Sibylle auch das noch dem Statius prophezeit hatte, war er überglücklich und ließ sich von einem hübschen Sklavenjungen die Tränen trocknen. Kurz zuvor hatte er noch in einem seiner schönsten Gedichte, Silvae 5,4, über Schlaflosigkeit in sieben aufeinanderfolgenden Nächten geklagt, aber in Vorfreude auf Gottfrieds Vortrag und Claudias Diskussionsleitung konnte er wieder friedlich schlafen. Und alle Statius-Forscher können es nun auch wieder, weil sie endlich wissen, was sie bisher ums Verrecken nicht hatten herausfinden können, nämlich warum der Statius so lang an Insomnia gelitten und sich sogar in einem Gedicht deswegen Luft gemacht hatte. Na, warum schon? Halt wegerm Scheibmayr und seiner harten Entscheidung, den Statius ned in sein Lehrplan neiz’lassn! So sind denn jetzt alle zufrieden, und deshalb kommen Sie/kommt wieder in Scharen zu unserem Vortragsabend und zur Petronian Party, und es wird sich bestimmt lohnen. Ja, wer weiß – am End wird der Gottfried den Statius so überzeugend präsentieren, dass der Scheibmayr bis zum nächsten Lehrplan, der ja demnächst kommen soll, seine Meinung noch ändert und der Statius sogar Abiturautor wird!

Und damit rechnet eigentlich ziemlich fest
Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 15. April 2015

Dr. Philip Haas (Philipps-Universität Marburg): Machiavelli_AF

“Naso magister erat: Niccolò Machiavelli und die Ars Amatoria

Diskussionsleitung: Martin Schrage (München)

15. April 2015, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

während der Renaissance wurde den wiederentdeckten antiken Autoren vom Unterweltsherrscher gestattet, für kurze Zeit aus dem Elysium in unser Jammertal zurückzukehren, um vor Ort zu sehen, wie heiß begehrt ihre während des Mittelalters zum Teil verschollenen Werke auf einmal waren. Bei Ovid ergab es sich, dass er auch nach Florenz kam und beim Stöbern in einer Buchhandlung auf das Buch eines gewissen Niccolò Machiavelli mit dem Titel “Il principe” stieß. Da er ein besonders schlauer Kerl war – Robin Nisbet sagte einmal: “I would not dare emend Ovid – he is too clever” -, begriff er sofort, dass sich die beiden Wörter aus “Ille princeps” entwickelt hatten; schließlich hatte er ja sogar einmal “Getice Sarmaticeque loqui” gelernt, was wirklich alles andere als leicht war. Also übersetzte er “Der berühmte Princeps” und dachte deshalb natürlich erst einmal, seiner sei gemeint, also der, der ihn u.a. wegen der Ars amatoria nach Tomi am Schwarzen Meer verbannt hatte (was übrigens Heinz Hofmann immer noch nicht glaubt, sondern – halt Dich fest, Werner! – für die Fiktion eines Ich-Sprechers hält!). Beim mühsamen Lesen seines arg vulgarisierten Latein fand Ovid dann aber heraus, dass es hier nicht speziell um Augustus, sondern um den für Machiavelli idealen Princeps gehe und stellte mit Verblüffung fest, dass diesem Machtherrscher zur Wahrung der Staatsräson erlaubt sei, die Gesetze der traditionellen Moral zu verletzen, ja sogar, seine politischen Ziele mit Gewalt und Terror durchzusetzen. “Eheu”, sprach er da zu sich, “gegen diesen Princeps ist meiner, der Schlächter von Perusia, der mir unerbittlich zürnende Jupiter, er, der meinen Meister Cornelius Gallus in den Selbstmord trieb und auch sonst so allerlei anrichtete, eine wahre Mutter Theresa!” Und je vertrauter Ovid dann mit dem Text wurde – irgendwie faszinierte ihn, was er da las, da es doch von dem, was er z.B. in Ciceros De officiis über das Verhältnis von “honestum” und “utile” gefunden hatte, nicht unerheblich abwich und er ja viel Sinn für das “Andere” hatte -, und irgendwann bemerkte er etwas, was denn doch der Knaller war: Dieser Autor hatte einzelne Stellen aus der Ars amatoria, durch die Ovid doch seinen “Principe” erzürnt hatte, als ipotesti in seinen discorso eingebracht, ja wahrhaftig das erotische Lehrgedicht als eine der Quellen für seine politische Lehrschrift benutzt! Der Mann war ja wirklich genauso skrupellos wie sein Principe! Okay, klar – Ovid hatte bei einer der öden Heldenshows des geschwätzigen Anchises, die Elysiumsbewohner auf Befehl Plutos und Proserpinas einmal pro Woche über sich ergehen lassen müssen, auch die Seele eines Mannes kennengelernt, der eines Tages als Siegmund Freud die Erde betreten werde und von ihm erfahren, dass “Machtstreben” und “Libido” aus derselben Ecke kommen (wobei Freud ihm kichernd verriet, dass seine Fans das zweite Wort idiotischerweise auf der drittletzten Silbe betonen würden, weshalb Ovid sich vor Lachen beinah ganz unelysiumhaft in die Hosen machte – “Publius paene in bracas minxit”, wie der Beispielsatz für den Realis im Rubenbauer-Hofmann heißt – und die in der Heldenshow gerade mitmarschierende Seele des künftigen Walahfridus Grammaticus vor Heiterkeit über einen so absurden Aussprachefehler richtig losbrüllte, noch dazu mit schwäbischer Färbung des Ha-Ha!). Ja, das wusste Ovid nun, aber eigentlich hatte er seine Ars amatoria mehr als literarischen Witz verstanden … Nun denn – die Fragen, mit denen er sich angesichts der Intertextualität von “Il principe” (und übrigens auch anderen Werken Machiavellis) mit der Ars konfrontiert sah, würden, wie er bei einer weiteren Heldenshow erfuhr, durch den künftigen PSMS-Vortragenden Philip Haas von der Philipps-Uni beantwortet werden, und so erwirkte Ovid bei Pluto und Proserpina für den 15.4.2015 einen weiteren Urlaub (zum Glück war grad für diesem Tag mal wieder Heldenshow angesetzt, so dass Ovid nach 500 Jahren endlich wieder schwänzen konnte), bei dem er dann auch den netten Diskussionsleiter Martin Schrage wiedersehen würde, der im Heldenpulk einmal neben Thukydides marschiert war und ihn wegen seiner auf Erden zu schreibenden Diss über den Historiker ausgequetscht hatte. Also, außer Philipp, dem Ovid- und Machiavelli-Spezialisten und seinem Moderator Martin, einem der letzten Griechischlehrer, der den Thukydides noch rausbringt, wird diesmal sogar – wenn auch unsichtbar – Ovid zugegen sein (und sicher einen Batzen unsichtbarer Sesterzen in Heikes Sammelkorb legen). So dürfen wir denn wieder mit einem interessanten Vortragsabend rechnen, und dazu lädt ganz herzlich ein

Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 14. Januar 2015

Prof. Dr. Thomas Gärtner cattura_003a(Universitäten Köln und Osnabrück)

“Ambrogio Fracco – Ein vergessenes Antwortcorpus zu den ovidischen Heroidenbriefen”

Diskussionsleitung: Caroline Hähnel, M.A. (LMU München)

Lyrikkabinett München, 14. Januar 2015, 19:15 Uhr

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

als römischer Patriot ist Trimalchio besonders stolz darauf, dass seine Nation im Bereich der Epistolographie im Gegensatz zu den sonst so übermächtigen Griechen Texte von wirklich weltliterarischem Rang hervorgebracht hat, also die Briefsammlungen des Cicero, Horaz, Ovid, Seneca und Plinius d.J. Es gibt allerdings ein Briefcorpus, das er für noch weit bedeutender hält als die genannten Corpora: Ludwig Thomas “Briefwechsel eines bayrischen Landtagsabgeordneten”. Diese besondere Vorliebe erklärt sich allein schon daher, dass gleich im ersten Brief Josef Filsers – so heißt jenes schreibgewandte MdL  aus Kaisers Zeiten – der würdige Vorfahre eines der treuesten Besucher der PSMS-Vortragsabende, des ehrenwerten Studienreferendarius Leopold Haimerl, hervorgehoben und einer anderen Person vorgezogen wird; die einschlägige Stelle sei hier zitiert: “Libe Mari”, schreibt Filser an seine Frau, “gib obacht auf die Schallmoser Kuh, obst nichts am Eider findst und wenn Zau fett is, gibs dem Mezger Haimerl aber nicht dem Lechner Kaschbar, weil er mich beschiesen hat.” Nein, gegen so etwas kommen die Epistulae morales natürlich nicht an, ja nicht einmal die Epistulae obscurorum virorum (die allerdings in Trimalchios Hitparade der Epistolographie unangefochten Rang 2 behaupten)! Um so erstaunlicher ist, dass, soweit Trimalchio weiß, bisher noch niemand Antworten auf Filsers Perlen der Briefschreibekunst verfasst hat! Gut, die Filser Mari dürfte zu gschamig sein, selbst zu schreiben, aber der Dorfschulze von Mingharding hätte ihr die Feder führen können oder, wenn der nicht, dann der von Babensham bzw. der einzig wirklich Gscheite in diesem Ort, der Doktor! Nun denn, freuen wir uns, dass Ovid für die ersten 15 seiner Heroidenbriefe, die sicherlich ihrerseits zu den faszinierendsten Literaturprodukten der Antike gehören, schon zu Lebzeiten einen Antworter fand, den in Amores 2,18 genannten Sabinus (an dessen Existenz natürlich die überpeniblen, nörgelnden Altphilologen zu zweifeln wagen, diese Wichtigtuer, die allen Ernstes ein fiktionales Ich von dem des realen Autors trennen!!!) und in späteren Jahrhunderten weitere. Einen von ihnen, Ambrogio Fracco, wird Thomas Gärtner, der mit Naso gemeinsam hat, dass auch er sehr viel schrieb (und schreibt) – aber darüber verrät uns dann seine charmante Moderatorin Caroline Hähnel etwas -, uns vorstellen, und natürlich sind wir gespannt, ob wenigstens Ambrogio mit dem Filser Josef aus Mingharding mithalten kann. Okay, Ambrogio schreibt, wie Trimalchio vermutet – er gesteht, dass er nichts über den Mann weiß, aber deshalb hat er ja den Gärtner Thomas eingeladen -, auf Lateinisch, und da hat er ein gewisses Plus. Wirklich, hat er das? Heroidenbriefe hat es ja auch auf Deutsch gegeben, z.B. von dem trefflichen Barockpoeten Christian Hofmann von Hofmannswaldau. Bei dem hat ein in türkischer Gefangenschaft schmachtender teutscher Graf (nein, kein Vorfahre des Grafen Gries, eines anderen Getreuen der PSMS) das Problem, dass sich zwar die Sultanstochter in ihn verliebt und ihm unter der Voraussetzung, dass er sie als seine Ehefrau mit heimnehme, die Freiheit verspricht, er aber daheim bereits eine Ehefrau hat. Dennoch, nicht faul, schreibt er seiner Gattin einen Brief, indem er ihr eine Menage à trois vorschlägt. Und was erwidert die brave Gattin? Unter anderem dies: “Was aber schreibest du und trachtest itzt zu wissen / Ob die ErlösungsArth mir auch verdrießlich fällt? / Wie solt ich nicht die Hand zu tausendmahlen küssen / So mir mein Bette füllt und dich in Freyheit stellt? / Ich will sie warlich nicht nur vor ein Weib erkennen / Die bloß in Fleisch und Bluth wie ich und du besteht / Ich will sie ungescheut stets einen Engel nennen / Der nur zu unserm Schutz mit uns zu Bette geht.” Na, Donnerwetter! Man stelle sich vor, ein Bundeswehrsoldat, der auf einem türkischen NATO-Stützpunkt dient und aus irgendeinem Grund Ärger mit der einheimischen Justiz bekommt, träte per e-mail mit einem analogen Ansinnen an seine in Deutschland gebliebene Frau heran! Die würde ihm die kuriose Idee mit dem flotten Dreier und dem Schutzengel aus Ankara schön um die Ohren hauen (“Du Saubär!”) und sich gleich von Traudl Gruschka wegen einer Scheidung beraten lassen! Wie man sieht, sind wir gar nicht so modern und liberal und offen für alles, wie wir immer meinen. Um so mehr sollten wir uns mit älteren Texten und speziell mit Antwortbriefen früherer Zeiten beschäftigen. Dazu gibt uns Thomas aus Köln beste Gelegenheit, und so empfehlen wir, danach wie immer mit einer üppigen Party aufwartend, dringendst, wieder bei uns vorbeizuschauen.

Ihre/Eure allen ein gesundes und erfolgreiches 2015 wünschende
PSMS

Vortrag am 17. Dezember 2014

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Dr. Antoine Biscéré (Université Paris-Sorbonne)

“Aesopus illustratus: Bilderzyklen zum Äsoproman in der frühen Neuzeit (1476-1687)”

Diskussionsleitung: Stephanie Seibold (LMU München)

Lyrikkabinett München, 17 Dezember 2014, 19:15 Uhr

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

für den diesjährigen Weihnachtsvortrag hat Trimalchio sich etwas Besonderes einfallen lassen. Es ist ihm nämlich geglückt, einen Nachfahren Enkolps ausfindig zu machen UND als Vortragenden zu gewinnen. “Quis ille?” paucis accipite: Sorgfältige genealogische Forschungen Trimalchios ergaben, dass Antoine Biscéré, unser Vortragender des 17.12.14, in direkter Linie von Enkolp abstammt. Denn der Ich-Erzähler der Satyrica kam bekanntlich aus Massilia, dem heutigen Marseille. Dorthin kehrte sein Sohn gleichen Namens, den er (nach Überwindung seiner na-ihr-wisst-schon) mit Circe in Kroton gezeugt hatte (wie Odysseus den Telegonos mit Circes Vorfahrin), zurück, als er herangewachsen war. Und von dort zog, als Lutetia Parisiorum, das heutige Paris, der Hafenstadt den Rang abgelaufen hatte, ein mittelalterlicher Abkömmling der Enkolp-Familie, in die Metropole, wo die Familie von nun an wohnen blieb. Irgendwann im Laufe der Generationen gab es als einziges Kind eine Tochter, die heiratete einen Monsieur Biscéré, und auf diesen Herrn führt sich Antoine zurück. Trimalchio konnte das alles freilich erst glauben, als er Antoine persönlich zu Gesicht bekam – und da war er, der Enkolp ja gut gekannt hatte, so verblüfft wie nie wegen der frappierenden Ähnlichkeit Antoines mit Enkolp, die sich über 2000 Jahre gehalten hatte (wie die Hakennase der Habsburger und das Pferdegesicht der Winsors). Non creditis? Kommen Sie/Kommt halt, schauen Sie/schaut Euch ihn an, und ihr werdet sofort hell begeistert zustimmen. Es ist ja auch kein Zufall, dass Antoine seine Forschungen dem Äsoproman geweiht hat: Bei diesem griechischen Text handelt es sich um einen der wichtigsten Vorläufer des Gattungstyps “pikaresker Roman”  – der erste Vertreter, die anonyme Vida de Lazarillo de Tormes (1554), weist deutliche Berührungen mit der anonymen Vita Aesopi auf -, und dasselbe gilt für die Satyrica, deren Ich-Erzähler selbst ein Picaro ist. Angesichts dieser Tatsache lag es nahe, dass der direkte Nachkomme jenes lateinischen Picaro sich mit dem griechischen Picaro Äsop beschäftigte. Leider ist der Äsoproman heute wenig bekannt, obwohl er in der frühen Neuzeit – und über diese Phase der Rezeption wird Antoine ja sprechen – neben der Bibel der meistgelesene Text auf der ganzen Welt war. Man glaubt es kaum, aber es ist so: Der Bíos Aisopou, erstmals 1476/77 in Ulm lateinisch-deutsch gedruckt und von dem Arzt Heinrich Steinhöwel herausgegeben, wurde in dieser Fassung zusammen mit den übrigen Texten des Drucks nicht nur unzählige Male nachgedruckt, sondern damals auch in folgende Sprachen übersetzt: Dänisch, Englisch, Französisch, Katalanisch, Niederdeutsch, Niederländisch, Spanisch, Tschechisch, Ungarisch, ja sogar Aztekisch, Isländisch und Japanisch. Zu einem solchen Erfolg trugen natürlich die Illustrationen bei, und die wird Antoine uns zeigen. Das ist Trimalchios zweites Weihnachtsgeschenk: Sie schauen sich/Ihr schaut euch einfach schöne bunte Bilder an, die Antoine in deutscher Sprache mit sexy-französischer Aussprache kommentiert (Es ist ja so, dass man in der Schule in Frankreich Deutsch lernt, in Deutschland Englisch und in England Französisch, so dass eine perfekte Kommunikation zwischen den drei Staaten gesichert ist), müssen/müsst also nicht wie sonst bei einem gesprochenen Vortrag dauernd SMS schreiben, sondern können sich/könnt Euch auch von diesem Stress mal erholen  Und last, not least: Antoine kommt von der wohl berühmtesten Hochschule der Welt (pace Oxbridge, Harvard und Weihenstephan), der Sorbonne! Also, wir wüssten nicht, warum Sie sich/Ihr euch diesen Abend entgehen lassen solltet – Bekanntschaft mit Enkolps Abkömmling, bunte Powerpoint-Buidln und Sorbonne-Flair: Herz, was begehrst du mair?! (et toi, chère Claire?!) Und nicht zu vergessen ist, dass Julia Piriculas erfolgreiches Partyteam wie jedes Jahr zusätzlich Blatzerln und andere saturnalische Köstlichkeiten servieren wird.

Also, zu alldem lädt herzlichst ein
Ihre/Eure PSMS

 

Vortrag am 19. November 2014

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PD Dr. Melanie Möller (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)

“Excucurristi a Neapoli: Vergil, Augustus und die Kunst des Verschwindens”

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Susanne Gödde (LMU München)

Lyrikkabinett München, 19.11.2014, 19:15 Uhr

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

Trimalchio liebt Rätsel und freut sich, dass Melanie Möller ihn mit ihrem Vortragstitel vor eines gestellt hat. So, so, rätselt er, Vergil und Augustus hätten also die Kunst des Verschwindens beherrscht. Aber was meint Melanie da nur? Von Vergil weiß Trimalchio nur, dass dieser, wenn er auf der Straße gesehen wurde, den ihm nachdrängenden und auf ihn zeigenden Leuten sich durch die Flucht in das nächstgelegene Haus entzog (se subterfugit in proximum tectum). Aber das ist vielleicht nur ein Wandermotiv. Denn eine solche Art von Verschwinden ist bis in jüngere Zeit nachzuweisen, bis zu dem großen Vergilianer und bisher großzügigsten Mäzen der PSMS, dem vor fünf Jahren verstorbenen Karl Bayer; dieser berichtet in seiner lateinischen Autobiographie von folgendem Verschwinden seiner Person: Wenn er kurz nach dem Kriege in München auf dem Schwarzmarkt (in foro nigro) gesehen worden sei, habe er sich den ihn verfolgenden und ihm etwas verkaufen wollenden Leuten in die nächste Trambahn entzogen (se subterfugit in proximum curriculum electricum). Doch wie steht es mit der Kunst des Verschwindens bei Augustus? Trimalchio weiß nur, dass vor vielen Jahren irgendeine Dissertation mal behauptet habe, der Kaiser sei ab und zu in der Mittagszeit im Wald von Aricia verschwunden, und das in der Tat so kunstvoll, dass es ewig niemand merkte. Was aber tat Majestät daselbst? Die Dissertation fand es durch geniale Interpretation einer Stelle in Ovids Fasti heraus: Dort heißt es in 4,762, Faunus veranstalte zur Mittagszeit immer seine Open-Air-Siesta und “drücke dabei den Acker” (premit arva). Ja, was gibt’s denn da zu “drücken”? Nein, nicht DAS, nicht DABEI! Das phantasielose OLD sagt unter premo 14 einfach “to put one’s weight on, lie”. Aber könnte da nicht bei einem so lasziven Burschen wie Faunus während der Siesta eine Person zwischen ihm und Acker liegen, bei der’s wirklich was zu “drücken” gäbe, halt per Umarmung und Hanky-Panky, z.B. eine puella? Zumal für antike puellae nicht selten die Metapher “Acker” verwendet wird, sogar einmal von Antigone über sich selbst (soweit Trimalchio sich erinnert)? Könnte hier also von Open Air Sex die Rede sein? Nach Ansicht jener Dissertation trifft genau dies unbedingt zu, und da Faunus Hörner hat und Augustus im Sternzeichen des Steinbocks geboren ward, ist natürlich in Wahrheit er gemeint, ja, und noch dazu ist es eine ihr Gelübde brechende Vestalin aus dem Kloster Aricia, auf die Augustus da das ganze Gewicht seiner imperialen Herrlichkeit drückt. Aber natürlich darf so etwas niemand tun – der Gedrückten und Beackerten droht, wenn’s rauskommt, Vergrabung bei lebendigem Leibe -, und ein Kaiser mitsamt dem Gewicht seiner leges Iuliae schon gar nicht. Doch der freche Naso (der offenbar zufällig einmal mit einer anderen Vestalin vom Kloster nebenan in denselben Wald kam und so, ohne es  – als ein wahrer Aktäon! – zu wollen, Majestät beim höchst unmajestätischen Ackern erblickte) enthüllt das unerwartet Gesehene so über-, über-, überdeutlich – meint jedenfalls die Dissertation – vor aller Welt, dass man sich nicht zu wundern brauche, wenn Augustus ihn sofort nach Lektüre von Fasti 4,762 in das Kaff Tomi am Schwarzen Meer verbannte. Gut, dass die Religionsspezialistin Susanne Gödde die Melanie moderiert, so dass wir sie fragen können, ob sie der Dissertation und speziell dem, was da über die Kunst des Mit-einer-Verstalin-im-Wald-Verschwindens gesagt wird, Glauben schenkt. Andererseits wissen wir ja noch gar nicht, wie Vergil und Augustus bei Melanie verschwinden. Und Trimalchio findet, es sollten möglichst viele Freunde der PSMS, statt im Wirtshaus oder im Wald von Aricia zu verschwinden, zu Melanies Vortrag kommen, um das Rätsel, vor das sich nicht nur Trimalchio gestellt sieht, gelöst zu bekommen. Außerdem ist ja danach noch die “Petronian Party” mit all den guten Sachen, die Julia Piricula kunstreich von den Regalen des NETTO hat verschwinden lassen, um sie dann mit  PSMS-Spendengeld einzukaufen, und bei deren leckerem Anblick der Gedanke an Verschwinden besonders fern liegt. Also, zu Vortrag und Party lädt wieder sehr herzlich ein

Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 08. Oktober 2014

Prof. Dr. Christine Walde (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

“Ein Wiener Petron am Vorabend der Katastrophe: Alma Johann Königs unveröffentlichter Roman ‘Das Buch Petron’ von 1914”

Diskussionsleitung: Dr. Margot Neger (Universität Salzburg)

08. Oktober 2014, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

das eminent Petronianisch-Trimalchionische an der “Petronian Society Munich Section” ist, dass unter den 167 bisher von ihr veranstalteten Vorträgen sich nur drei zum Thema “Petron” befanden. Als der Romancier von seinem Freund Martial, der immerhin mit fünf Vorträgen, also stattlichen zwei mehr, vertreten ist, im Elysium darauf aufmerksam gemacht wurde, meinte Petron, dem Manne Petron müsse geholfen werden. Aber wie? Es galt ja, mit Erdlingen in Kontakt zu treten. Aber Hektor, der grad vorbeiging und dabei war, endlich die Aeneis zu lesen, wusste Rat: Er hatte im zweiten Buch erfahren, dass er (was ihm ganz neu war) dem Penatentransporteur im Traum erschienen sei, und empfahl nun dem Petronio, der solle das ebenfalls mit einem Erdling machen. Aber welcher Erdling sollte das sein? Statius, der auch grad vorbeiging und über den noch nie ein Vortrag gehalten wurde, hatte eine gute Idee: Petron solle Christine Walde im Traum erscheinen, weil sie DAS Standardwerk über Traumdarstellungen in der griechisch-römischen Dichtung verfasst hat; Statius wusste das, weil er sich mit “Waldes” bzw. “Wäldern” auskennt und überdies vermutete (genau wusste er es nicht, weil er wie 95% der Latinisten seine Werke nie liest und also auch nicht weiß, ob eine Traumerscheinung drin vorkommt), er sei in Waldes Buch vertreten. Also begab sich Petron des Nachts zu Christine nach Mainz, und um sie erst etwas zu testen, zog er sich so an wie der bei Tacitus porträtierte Petron, von dem er aber nur sein Pseudonym und die Anregung hatte, sich das cognomen “Arbiter” zu geben. Doch Christine, litteris imbuta, fiel nicht drauf rein, sondern sagte: “Petron, wie siehst DU denn aus? Läufst Du wirklich im 2. Jahrhundert noch mit einem Fummel aus der Nerozeit herum?” – “Okay, okay, bist fei scho a ganz a Gscheite, Chrissi! Also, um gleich zur Sache zu kommen: Wenn Du bereits bist, auf Einladung der PSMS in München den vierten Petron-Vortrag (und den ersten im Lyrikkabinett) zu halten, kriegst du auch von mir … ja, verdammt, was kriegen Erdlinge denn eigentlich von Traumerscheinungen? Ich hab das hier noch nie gemacht – hilf mir, Chrissi!” “Sie kriegen natürlich den Ort eines verborgenen Schatzes verraten, Du depperter Römer-Depp!” – “Woher willstn wissen, dass ich Römer bin? Identifizierste mich vielleicht doch mit dem affigen Show-suicidal bei Tacitus? Nun denn. Also, vergraben in der Wiener Stadtbibliothek liegt das vergessene Manuskript eines Romans über mich von 1914, der nie publiziert wurde, aber nun genauso 100 Jahre alt ist wie “Ich-kenne- keine-Parteien-ich-kenne-nur-Deutsche” – das ist doch ein toller Schatz, oder?” – “(Schluck!) Ja, okay, ja. Aber gallus gallinaceus cantavit, mein Bester – schaug, dass d’ di wieder in dei Elysium schleichst, dei breißisches!” “Vale, Christina!” – “Vale, wie immer du wirklich heißt!” Also, Christine hat inzwischen ihren Schatz ausgegraben und wird ihn vor unseren Augen ausbreiten. Und unsere liebe Margot wird sie moderieren. Auch sie hatte eine Traumerscheinung: Statius stand an ihrem Bett, heulte ihr die Ohren voll und sagte, zum Dank dafür, dass er Petron den guten Tipp mit Christine gegeben habe, müsse die PSMS, deren Vorstandsmitglied Margot ist, einen Vortrag über ihn veranstalten. Noch in der Nacht rief Margot ihren charmanten Salzburger Kollegen Gottfried Kreuz an, der gerade nocturna manu (oder wie ein Ami so richtig ami-deppert schreiben würde: “with nocturna manu”) in den Wäldern blätterte, und der erklärte sich spontan für den 13. Mai 2015 bereit. Wunderbar, lieber Gottfried, aber jetzt wollen wir erst einmal Christine Walde über ihren Fund hören, und dazu sowie zur Petronian Party lädt sehr herzlich ein

Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 09. Juli 2014

UnknownDr. Serena Pirrotta und Katharina Legutke, M.A. (Verlag deGruyter, Berlin: Abteilung Antike):

“Wie wird man vom Fragmente-Freak zur Verlagslektorin”?

Diskussionsleitung: Maria Anna Oberlinner (LMU)

09. Juli 2014, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS, wenn jemand in der Kaiserzeit auf die Frage, was er gerade lese, “Arma” antwortete – denn damals zitierte man Bücher (wie heute noch die päpstlichen Encyclca) nach dem Incipit -, wurde er fernerhin gefragt, ob er Vergils “Amores” oder Ovids “Aeneis” meine, und dann fragte er zurück, ob man denn nicht wisse, dass Vergil gar keine “Amores” geschrieben habe, und so entstand schließlich ein heilloses Durcheinander. Dem ist nun vergleichbar, dass immer dann, wenn Dottoressa Serena Pirrotta, die eine der beiden Stars dieses PSMS-Abends, auf die Frage, worüber sie sich promoviert habe, antwortete, über die Platon-Fragmente, fernerhin gefragt wurde, von welchen verlorenen Dialogen denn diese Fragmente seien, worauf sie wiederum erwiderte, es seien Fragmente von Komödien, nicht von Dialogen; darauf der Frager: “Hat denn, o Serena, Platon auch Komödien geschrieben?” – Serena: “Nein, beim Hund, mein Bester, sondern ein anderer Platon schrieb sie, ein Zeitgenosse des Aristophanes!” Frager: “Ja, war denn der mit Platon verwandt …?” Also, auch hier ein Durcheinander, und es wäre möglich, dass Serena deshalb, weil sie dem künftig entgehen wollte, von der Wissenschaft ins Verlagswesen überwechselte – aber das wird sie uns, wie der Vortragstitel ahnen lässt, selber erzählen. Und Katharina Legutke, der andere Star, Serenas Kollegin, wird erzählen, wie sie von den Centones … “Was ist denn das schon wieder?” Gemach, gemach! Was der Abend bringen soll, ist ein Einblick in die Tätigkeit von zwei Mitarbeiterinnen des De Gruyter-Verlages, die u.a. für die Reihen “Bibliotheca Teubneriana” und “Sammlung Tusculum” zuständig sind. Letztere hat ja in jüngerer Zeit eine wechselvolle Reise von München über Zürich, Düsseldorf und Mannheim nach Berlin gemacht und hofft, dass sie dort in der Genthiner Straße nun endlich ihr Tusculum gefunden habe. Darüber, welche Aussichten diesbezüglich bestehen, werden Serena und Katharina in einem von Maria Oberlinner moderierten Gespräch erzählen, aber z.B. auch darüber, wie es für Lateinstudenten, nachdem sie sich durch Studium und Referendarzeit vergeblich hindurchgeplagt haben, weil es nicht mehr genügend Stellen gibt, oder von vornherein gar nicht auf Lehramt studiert haben, mit der alternativen Möglichkeit des Lektorenberufes aussieht. Also, es wird viel zu klären geben, und wirklich ernsthafte Themen werden zur Sprache kommen, weswegen Trimalchio, als Serena, Katharina und Maria fragten, ob seit dem großartigen Beispiel, das Gerard Boter am letzten PSMS-Abend gab, Toga als Bekleidung nun von allen künftigen Vortragenden und Moderatoren erwartet werde (was Valahfridus Stroh sicher wunderbar fände), sie wissen ließ, nein, dann lieber Centones. “Ja, verflixt, was sind denn nun Centones?” – Das, o daimónie, wird Dir, beim Zeus, am Abend des 9. Juli 2014 gesagt werden und vieles andere mehr. Wir empfehlen also, unbedingt zu diesem besonders spannenden Abend als dem Grande Finale des laufenden Semesters zu kommen. Es wird halt einmal etwas ganz anderes sein, keine ex cathedra vorgetragene bürgerliche Wissenschaft, sondern etwas, ohne das diese nicht existieren kann: ein umfassender Einblick in die Bücherwerkstatt Antike, und dies in lockerem Gespräch mit zwei charmanten Frauen, moderiert von einer weiteren charmanten Frau und per Publikumsbegrüßung eingeleitet von dann noch einer charmanten Frau, so dass der Grazien diesmal sogar ihrer vier sein werden, ohne dass eine einzige aus Graz stammt (was wir noch nie hatten). Dazu lädt wieder herzlich ein Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 18. Juni 2014

Prof. Dr. Gerard Boter (Vrije Universiteit Amsterdam)320px-Epicteti_Enchiridion_Latinis_versibus_adumbratum_(Oxford_1715)_frontispiece

“Plädoyer des sokratischen Philosophen Epiktet für ein vereinigtes Europa”

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Peter Bing (Emory University)

18. Juni 2014, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren,

Trimalchio hat das ewige Saufen und Fressen und das Dritte wieder einmal über und braucht dringend erbauliche philosophische Unterweisung. Als er nun neulich in Vicenza weilte, um Palladio zu bitten, ihm ein weiteres Triclinium zu bauen, erfuhr er, der sokratische Epiktet habe dort im Teatro Olimpico seine Lehre verkündet – und leicht fasslich für jedermann noch dazu, was Trimalchio besonders gut fand. Also schickte er ihm einen reitenden Boten gen Amsterdam, wo Epiktet alias Gerard Boter zur Zeit eine Philosophieprofessur an der VU hat. Und Epiktet ließ ihn wissen, er sei gerne bereit zu kommen, um ein Plädoyer für ein vereinigtes Europa zu halten. Trimalchio war verblüfft. Denn vor etwa einem halben Jahr war einer aus Belgien dagewesen, Hercule Poirot alias David Engels, und der hatte anhand von analogen Texten zum Untergang der römischen Republik eine Krise der Europäischen Union bedrohlich an die Power-Point-Leinwand des Lyrikabinetts geworfen. Eheu, sprach Trimalchio, ja gibt’sn des! Zwei Königreiche direkt nebeneinander, das eine mit der einen Hälfte des anderen dieselbe Sprache sprechend (wenn auch nicht in Hercule Poirots Hälfte, aber dort liegt immerhin die Hauptstadt der EU!), beide zu der kleinen Schar der EWG>EU-Gründungsländer gehörend, schicken uns sukzessive je einen prominenten Untertanen, und die beiden sind sich irgendwie uneins über die Staatengemeinschaft des Kontinents, der nach der einst durch den allerobersten Stier vom phönizischen Strande nach Kreta entführten und da hochheilig besprungenen (“Muh, Muh!”) Königstochter benannt ist. Ja, und jeder, der Bataver und der Nervier, beruft sich auf das klassische Altertum. Doch das wiederum erfreut Trimalchios Herz, weil so denn doch deutlich wird, wie wichtig die Alten Sprachen sind und dass Europa das gefälligst anerkennen müsse und deshalb bittschön wieder viele schöne Lateinlehrerplanstellen schaffen soll, besonders für die eifrigen Helfer und Helferinnen bei den Vorbereitungen für die Cena Trimalchionis alias Petronian Party. Schließlich kommt als Diskussionsleiter für Epiktets Europa-Plädoyer ein hoher Gast direkt aus Amerika (nein, nicht aus Amerina, lieber Matthias!), nämlich Kallimachos alias Peter Bing, der in Atlanta an der Emory University lehrt (keine Angst, er spricht perfekt Deutsch). Der weiß noch dazu, wie unbedingt notwendig ein einiger Staatenbund ist, da die Stadt, in der er lehrt, einst während der Uneinigkeit der États-Unis ziemlich zsammgschossn wurde, so dass Scarlett und Rhett sich eilends vor dem Hintergrund eines blutigroten Himmels nur einmal unsterblich küssen durften, also in ihrer Panik auf Rhetts toller Kutsche an mille, deinde centum, dein mille altera, dein secunda centum, dein usque altera mille, dein centum nicht einmal denken konnten und schon gar nicht ans anschließende conturbare, zu Deutsch “Durcheinanderbringen” … halt, jetzt sind wir selbst ganz durcheinander. Wo waren wir stehengeblieben? Ach, egal. Es wird jedenfalls ganz sicher ein wunderbarer amerikanisch-europäisch-kanadisch (wieso denn sogar das? Ach, auch egal!)–niederländisch-oberbayerischer Abend, und dazu lädt wieder herzlich

Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 21. Mai 2014

Head of                                                                             Prof. Dr. Dennis Pausch (Universität Regensburg)

“Alexander in der Toga? Techniken der Aktualisierung bei Curtius Rufus zwischen delectare und prodesse

Diskussionsleitung: Johannes Zenk (Universität Bamberg)

21.05.2014, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

als Merkbeispiel für konjunktivische Relativsätze mit kausalem Nebensinn verwenden die Schulgrammatiken gerne “O fortunate adulescens, qui Homerum virtutis tuae praeconem inveneris!” Das nämlich soll Alexander der Große am Grab des Peliden Achilles in der Troas schmerzlich ausgerufen haben, weil er für seine Person nicht mit einem Homer als dem Verkünder seiner Taten rechnete. Offenbar hörte ihn aber eine Seele im Elysium, die irgendwann in der Kaiserzeit per Metempsychose zum Historiographen werden sollte. Diese Seele freute sich narrisch darüber, dass Alexander seinen Satz auf Lateinisch gesagt und dabei einen so schönen konjunktivischen Relativsatz mit kausalem Nebensinn gesagt, ja sogar die schwierigen Formen richtig gebildet hatte (wie Brian “Romanos eunt domus” vor der soldatischen Lateinstunde centurionis Johannis Cleese). Deshalb beschloss diese Seele in Absprache mit Pluto und Proserpina, nach erneutem Betreten der Oberwelt – das erfolgte dann irgendwann zwischen den Zeiten des Augustus und Konstantin – unter dem Namen Curtius Rufus in einem auf Lateinisch geschriebenen Geschichtswerk, welches viele konjunktivische Nebensätze mit kausalem Nebensinn enthalten würde, die Tugend Alexanders zu preisen. Selbiges war auch bitter nötig, weil ein anderer auf Lateinisch schreibender Geschichtsschreiber den Alexandrum zuvor schnöde herabgesetzt hatte: Titus Livius, welcher nämlich respektlos behauptete, dass, wenn der Makedonenkönig es gewagt hätte, mit seinem Heer Rom anzugreifen, er von dessen unbesiegbaren Feldherrn ziemlich was auf die Rübe gekriegt hätte und einfach fertig gemacht worden wäre. An sich hatte Curtius Rufus nichts gegen Livius – im Gegenteil: er nahm den Vorgänger in vielerlei Hinsicht zu seinem Vorbild. Aber er musste, als er auf seinen Seelenwanderungen mal wieder im Elysium weilte, schmerzlich feststellen, dass seinem Vorbild im 20./21. Jahrhundert weit mehr Forscherinteresse entgegengebracht wurde als ihm; ein irgendwann Ende des 20. Jahrhunderts über ihn gehaltenes PSMS-Kolloquium konnte den armen Curtius nicht so richtig trösten, zumal kein Sammelband in der Reihe “Classica Monacensia” dabei heraussprang. Den Livius beneidete Curtius besonders um einen ganz bestimmten Forscher, und so seufzte er immer wieder: “O fortunate historiographe, qui Dionysium Pausch artis tuae scribendi interpretem inveneris!” Das aber drang an das Ohr des von Curtius Genannten, der an der Uni Regensburg lehrt und den Sie/Ihr bereits als praeco und interpres von David “Oswald” Engels kennengelernt haben/habt, und so beschloss Dennis Pausch, der schon an ihn ergangenen Einladung der PSMS nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, mit einem Livius-, sondern einem Curtius Rufus-Vortrag nachzukommen. Zwar hatte der für ihn als Diskussionsleiter auserkorene Johannes Zenk, der an der Uni Bamberg lehrt, sich auf Livius eingestellt, weil auch er über ihn forscht, aber er sieht ebenfalls ein, dass Curtius Rufus jetzt einfach mal dran ist. Schade, dass dieser nicht selber erscheint, weil er dann direkt gefragt werden könnte, wann genau zwischen Augustus und Konstantin seine Seele die “Historia Alexandri” verfasste und – das hätte speziell Trimalchio ganz gerne gewusst – ob er zufällig Petron kannte, über dessen Lebensdaten mittlerweile ebenfalls Unsicherheit herrscht. Aber es kommen ja auf jeden Fall zwei nette livianische Curtianer, noch dazu aus je einer besonders schönen Dom-Stadt unseres schönen Bayernlandes, und dazu lädt

Ihre/Eure PSMS

wieder ganz herzlich ein.

Vortrag am 16. April 2014

ara_pacis_01StD Dr. Michael Lobe                                         (Otto-Friedrich-Universität Bamberg):

“Von Krieg und Frieden: Mars und Pax in ovidischer Dichtkunst und augusteischer Architektur”

Diskussionsleitung: StD Christine Friepes (Erding)

16.04.2014, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

nichts hat sich wohl seit früher so sehr geändert wie die Gymnasialpädagogik. Einst wurde ein Schüler, wenn er nur einfach frech dahergeredet hatte, in den Karzer gesteckt – vor allem, wenn seine respektlose Bemerkung in der Sache berechtigt war. Aber damit dann nicht genug: Der Ich-Sprecher eines der zehn bedeutendsten Werke der Weltliteratur, der “Lausbubengeschichten” (nämlich die Nr. 2 nach der Donald-Duck-Geschichte “Die gestörte Nachtruhe” von Carl Barks. Was, die kennt wieder niemand außer Stefan Merkle? Alle ab in den Karzer!!!), schreibt, was geschah, als er nach zwei Stunden Karzerhaft in die von ihm bewohnte Pension zum Onkel Franz kam: “Der Onkel wartete schon auf mich, weil er mich immer durchhaute, wenn ich eingesperrt wurde.” Eine höchst wirksame Doppelpädagogik. Auch Ehrfurcht gegenüber dem Staat konnte man jungen Herzen so einpflanzen. Der Verfasser der “Lausbubengeschichten” erzählt von einem Sonntagsspaziergang mit seinem Onkel Josef über die Münchner Ludwigstraße, bei dem er plötzlich eine Pfundswatschn bekam und auf sein protestierendes “No? I hab do nix to …” erwidert bekam: “Sixt, de Watschn hast jetzt kriagt, daß d’allaweil dran denkst, daß König Ludwig I. die wunderbare Straßn da erbaut hat, und überhaupt noch viel Schönes in unserm guaten München.” Ludwig I. und die Macht der Bilder: Klatsch! Nie wieder konnte Thoma über die Ludwigstraße gehen, ohne an Ludwig I. zu denken. Ob die Römer ihren Kindern auf ähnlich drastische Weise “Augustus und die Macht der Bilder” ins Bewusstsein brachten? Man wüsste es gerne im Jahr des 2000. Todestages. Eines allerdings steht fest: Michael Lobe, Fachdidaktiker an der Uni Bamberg und Studiendirektor am Nürnberger Melanchthongymnasium, wird uns seinen Beitrag zur propagandistisch-augusteischen Ikonographie auf gar keinen Fall gewaltsam vermitteln. Denn er ist ein ausgesprochen sanfter Pädagoge. Doch das näher zu charakterisieren überlassen wir seiner Kollegin vom Erdinger Korbinian-Aigner Gymnasium, der langjährigen PSMS-Veranstaltungsbesucherin und -Spenderin Christine Friepes, die den Michael dankenswerterweise moderieren wird (und gleichfalls eine sanfte Pädagogik vertritt). In einem Punkt allerdings ist altbackene Gymnasial-Superdisziplin im Zusammenhang mit dem Vortragsabend denn doch im Spiel: Wir laden dazu in den Osterferien ein, noch dazu am Mittwochabend vor Gründonnerstag!!! Das ist ein wahrer Härtetest, wie uns wohl bewusst ist. Aber es war für den April kein anderer Termin zu kriegen. Außerdem hätten wir es ja – DAS wäre uns vom Lyrikkabinett sicher erlaubt worden – angesichts des Augustus-Jubiläums NOCH härter machen können, indem wir den 21.4. als den Tag der Gründung Roms und somit heuer den Ostermontag genommen hätten! Haben wir aber nicht, was doch sehr nett ist. Und als Anerkennung dafür wünschen wir uns von Ihnen/Euch zahlreiches Erscheinen zu einem Vortragsabend, der mit Sicherheit wieder ein Ereignis werden wird, zumal er ein so aktuelles Thema hat und sowohl Christine als auch Michael durchaus nicht protestiert haben, als sie von dem Ferientermin hörten.

Hut ab vor den beiden! Meint
Ihre/Eure PSMS