Vortrag am 08. Juni 2016

Unknown-1Prof. Dr. Andreas Heil (Universität Regensburg)

“Ein klein wenig zu Ovid und Dante”

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Regina Höschele (University of Toronto)

Lyrikkabinett München, 08. Juni 2016, 19:15 Uhr

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

das 19. Jahrhundert war bekanntlich, wie z.B. Thomas Mann Ovid-006mehrfach betonte, ein besonders großes, aber natürlich hatte es auch Schattenseiten. Eine davon war die im Zuge der Industrialisierung aufgekommene Kinderarbeit. Doch mindestens einmal hatte diese eine (ungewollt) positive Wirkung. Welche? Lector, intende, laetaberis! Irgendwo in Yorkshire musste in der Mitte des Novecento ein etwa achtjähriges Knäblein namens Andrew täglich im Bergwerk schuften. Aber seinem besonders strengen und sadistischen Aufseher war, was Andrew leistete, zu wenig, und darum belegte er ihn mehrfach mit drakonischen Strafen. Der Mann hatte vorher Latein studiert, aber den dritten Stilkurs auch bei der zweiten Wiederholung nicht bestanden und deshalb die Tätigkeit gewechselt. Auf sein einstiges Studium aufbauend, quälte er Klein-Andrew einmal besonders diabolisch: Er erzählte ihm ausführlich das Leben Ovids, mit dem er sich identifizierte, weil er sich wie dieser verbannt sah, und befahl nun dem Knaben, die wichtigsten Punkte dieser Vita auf wenigen Seiten zusammenzufassen; er ging davon aus, dass Klein-Andrew eine solch schwierige Aufgabe nicht meistern würde, so dass er ihn dann noch strenger bestrafen könnte. Weit gefehlt, du mieser Aufseher! Denn der Knabe lieferte unter der Überschrift “A Little Bit About Ovid” ein Meisterwerk. Und das Besondere war: Es standen neue Erkenntnisse darin, welche die Forschung hätte aufhorchen lassen müssen. Die eine bezog sich auf die immer wieder neu gestellte, aber nie befriedigend beantwortete Frage, warum Ovid verbannt war. Dazu aber nun der achtjährige Klein-Andrew: “One day, well nobody quite knows what happened but I think that he wrote a book called the art of love and the Emperor Augustus didn’t like it or he saw the princess having a bath or the Empress herself having a bath. So Augustus called Ovid to his office and told him crossly that he had to go to the black sea and stay there for the rest of his life.” Jawohl, DAS muss es gewesen sein! Ovid sah Livia im Swimmingpool, vermutlich in ihrem aufreizenden Bikini, den Augustus bekanntlich überhaupt nicht leiden konnte, weil der schlüpfrige Tiberius ihn der Mama geschenkt hatte! Das ist die einzig sinnvolle Erklärung! Sensationell! Und da ist noch etwas. Klein-Andrew zitierte aus einem der elegischen Briefe, ich glaube, es ist Epistulae ex Ponto 8,6,16 ad amicos: “Dear friends can’t you get the Emperor to change his mind about this stupid idea? All the best from your friend Naso”. Und jetzt haltet Euch fest: Klein-Andrew zitierte auch die Antwort: “Dear Ovid we can’t help you we have tried and tried but the Emperor won’t change his mind good luck Ovid we hope to see you again some day. Love from your best friends”. Unfasslich! Von Antworten auf die Exilepisteln war nie etwas bekannt! Wo hatte der Knirps die her? War er mal nach Oxford gewandert, hatte sich in die Bodleian geschlichen und da einen bis heute unveröffentlichten Papyrus entdeckt? Wir wissen es nicht. Denn Klein-Andrews “A Little Bit About Ovid” war bis vor Kurzem verschollen und ist jetzt erst von Andreas Heil, dem Vortragenden des 8.6.16, wiederentdeckt worden – wie, wird er uns dann erzählen. Jedenfalls war er von dem Fund so fasziniert, dass er seinen Vortrag, der vorher einen ganz anderen Titel hatte, mit einer tiefen Verbeugung vor seinem englischen Namensvetter und latinistischen Kollegen in “Ein klein wenig zu Ovid und Dante” umbenannte. Und was verbirgt sich nun unter dieser Überschrift? Der endgültige Nachweis, dass Klein-Andrew mit der Empress in the bath recht hatte? Die erstmalige Präsentation einer bisher unbekannten Szene aus Dantes Inferno, in der der Dichter mit Ovid über dessen Verbannung spricht? Tja, Sie/Ihr müssen/müsst halt zu Andreas Heils Vortrag kommen, dann werden/werdet Sie/ihr es erfahren. Seine Diskussionsleiterin Regina Höschele ist jedenfalls so gespannt auf “Ein klein wenig zu Ovid und Dante”, dass sie nicht nur extra zu dem Vortrag nach München geflogen kommt, sondern überdies ihren erst vor wenigen Monaten geborenen Sohn Daniel (von dem man munkelt, er arbeite bereits an “A Little Bit About Dante”, und zwar zweisprachig Englisch/Französich, weil er ja in Kanada geboren ist) zusammen mit Papa Peter am 8.6. nach Spanien schickt, damit sie sich ganz und gar Andreas Heils Vortrag widmen und herausfinden kann, welche Rolle Livias Bikini bei Ovids Verbannung gespielt haben könnte. Also, sind Sie/seid Ihr nun auch total gespannt? Dann nur herbei! Es wird ohnehin der erste Vortrag im zweiten Vierteljahrhundert PSMS sein, und das ist ja allein schon was!

 

 

Vortrag am 18. Mai 2016

WDF_2704897Prof. Dr. Stefan Weise (Universität Wuppertal)

“Homer in der Postmoderne? Jan Křesadlo und sein neu-altgriechisches Epos ‘Astronautilia'”

Diskussionsleitung: Dr. Stefan Merkle (LMU München)

18. Mai 2016, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

Trimalchio ist eigentlich nicht sonderlich glücklich darüber, dass in dem Land, in dem er seine PSMS-Vorträge veranstaltet, die meisten Hochschullatinisten sich ganz auf die Erforschung neulateinischer Literatur geworfen haben. Denn das Latein in diesen Texten ist am klassischen Vorbild orientiert, dagegen nicht an der mit Abstand schönsten Variante dieser Sprache, die aus seinem Munde und dem der Freigelassenen an seiner Tafel ertönt. DARAUS hätte sich Neulatein entwickeln müssen. Denn es ist doch langweilig, Cicero und Vergil nachzuahmen, weil die eben doch immer besser sind als jeder Imitator, während die Formulierungen z.B. des Feuerlöschlappenherstellers Echion doch nun wirklich nach Fortsetzung schreien. “‘Modo sic, modo sic’ inquit rusticus; varium porcum perdiderat. quod hodie non est, cras erit. sic vita truditur.” Was wäre weiser und zugleich genialer formuliert? Nein – nicht einmal die ganzen “Adagia” kommen dagegen an. Nun gibt es aber nicht nur Neolatinisten, sondern mittlerweile auch Neo-Altgräzisten, also Uni-Gelehrte, die sich mit den seit der Renaissance verfassten altgriechischen Texten philologisch auseinandersetzen. Es sind bisher nur wenige – Stefan Weise, der Vortragende des Abends, zu dem hiermit eingeladen wird, ist unus ex paucis -, aber sie beschäftigen sich immerhin mit Autoren, die wirklich einen enormen Mut gehabt haben müssen. Denn die langbärtigen Migranten aus der Türkei, die etwa seit der Mitte des 15. Jahrhunderts altgriechische Texte über Eidoméne oder auf Schlauchbooten über das Mittelmeer nach Westeuopa schleppten, wurden wegen ihres falschen orthodoxen Glaubens von den Rechtgläubigen sehr schräg angesehen; damals formierte sich auch gleich im Regensburger Reichsrat eine Partei, die sich “Ablehner freien Denkens” nannte und dafür eintrat, dass auf die in Westeuropa einzureisen versuchenden Transporteure von Platon- oder Sophokles-Handschriften an der Grenze mit Armbrüsten oder mit heftig dampfenden und ohrenbetäubend knallenden Steinschloss-Musketen zu schießen sei und die griechisch-orthodoxe Konfession bei uns verboten werden müsse, weil sie nicht mit den Grundwerten der Verfassung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation vereinbar sei. Aber sogar die damals sonst so liberale römische Kirche war zunächst abweisend: Als der frisch importierte Originaltext des Neuen Testamentes 1516 von Eramus erstmals ediert wurde, kam er sofort auf den Index, und in Freiburg im Breisgau geschah es wenige Jahre später, dass ein Mönch, wie der Humanist Conrad von Heresbach berichtet, in einer Predigt sagte, “man möge sich vor der neu erfundenen Sprache, welche die griechische heiße, wohl hüten; denn diese sei die Mutter aller Ketzereien. Zugleich befinde sich jetzt ein Buch dieser Sprache, welches das Neue Testament heiße, in vielen Händen, dieses sei voll Dornen und Schlangen.” Wie man sieht, müssen es wirklich sehr couragierte Philologen gewesen sein, die damals nicht nur altgriechische Texte edierten, sondern selbst neue Werke, ja sogar Poesie, in der Sprache des antiken Hellas verfassten. Okay, wir haben dieses Problem des Anrennens gegen Widerstände nicht mehr; bei uns ist Altgriechisch an den Gymnasien nach wie vor am höchsten angesehen und von den Schülern heftig gefragt; die Griechisch-Klassen brechen nach wie vor auseinander, während die Neusprachler traurig auf ihre kleinen Häuflein blicken und wegen der Beliebtheit z.B. der Akzentregeln oder der kleinen mi-Verben sogar der Englischunterricht auszusterben droht. So gesehen hat Stefan Weises Vortrag über das (offenbar sehr amüsante) Epos “Astronautilia” vielleicht keinen akuten Anlass und ist gymnasialpolitisch irrelevant, ja, und Kompetenz dürfte schon gar nicht daraus geschöpft werden – es sei denn, das Starship, von dem im Text vermutlich die Rede ist, wird dort so gut beschrieben, dass man es nachbauen kann, etwa im Rahmen eines auf Kompetenz ganz besonders fixierten P-Seminars (“lámpe me áno, ô Skóti-e!”). Egal, es wird sich wieder lohnen, den Vortrag zu besuchen, auch und gerade für Nur-Lateiner, also “Halbphilologen”, wie einst Ernst Vogt diejenigen, die sich mit Graecumskursen abmühten, unvergleichlich motivierend und schmeichelhaft zu nennen pflegte. Hinzu kommt, dass den einen Stefan wieder ein anderer moderieren wird, nämlich der König der PSMS-Diskussionsleiter, Stefan Merkle. Also, kommen Sie/kommt (wie immer) in Scharen!

Empfiehlt Ihnen/Euch jedenfalls
Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 20. April 2016

Prof. Dr. Werner Suerbaum (LMU München)

“Von der Welttrauer um den römischen Kronprinzen Germanicus zum privaten Schmerz einer bürgerlichen Witwe um 1900: Von Historiengemälden zum Thema “Agrippina mit der Asche des Germanicus” nach Tacitus (ann. 3,1-4) zur Grabmalkunst der Neuzeit”

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Andreas Patzer (LMU München)

20.04.2016, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

Michael Hotz ist es ja gelungen, unseren Saal ganz einfach mit Ausführungen zu einem Bild bis zum Rand zu füllen; unter den (bisher) 180 unvergesslichen PSMS-Abenden war das ein besonders unvergesslicher. Und er hat natürlich Verlangen nach Ähnlichem geweckt. Klar, wir sind in der Epoche des Bildes. Dabei ist die Ära des reinen Wortes noch gar nicht soooo lange her. Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es z.B. in Lateinbüchern für den gymnasialen Unterricht der 5.-9. (damals 1.-5.) Klasse kein einziges Bild. Was aber wiederum den Vorteil hatte, dass auf diese Weise Kreativität geweckt wurde: Wenn das Exemplar nicht der Schule, also nicht dem Staat, gehörte, malten die SchülerInnen ihre eigenen Bilder hinein, und manche sehr freche sogar in Staatseigentum. Das schuf einen wunderbaren Ausgleich zu dem extrem hohen Schwierigkeitsgrad der Lektionen, die zum größeren Teil aus deutschen ins Lateinische zu übersetzenden Sätzen bestanden, von “die Magd schreit” in der ersten Lektion des ersten Jahres bis zu verschränkten Relativsätzen und Perioden mit coniugatio periphrastica im 5. Jahr als der letzten Hürde vor der Lektüre. Heute dagegen drängen farbige Bilder geradezu die Texte zurück, und Schüler wie Lehrer freuen sich daran, weil man sie nicht übersetzen muss. Aber wie kommt nun die PSMS der allgemeinen Ikonophilie weiterhin entgegen? Und gibt es Michael Hotz gegenüber eine Steigerung? Jawohl, es gibt sie. Denn Werner Suerbaum ist für seine Arbeiten zum Thema “Bild und Text” so berühmt, dass die Accademia Nazionale Virgiliana in Mantua ihm den internationalen Vergil-Preis nicht schon verlieh, als er noch primär den Text der Aeneis erforschte, sondern als er der Welt mit dem “Handbuch der illustrierten Vergil-Ausgaben 1502-1840” seine bisher umfangreichste Publikation zu dem römischen Dichter und vor allem zu dessen Epos vorgelegt hatte. Trimalchio ist also sehr stolz, dass er diesen hochgeehrten Bilderspezielisten nun auch noch gewinnen konnte. Und so wie die Accademia in Vergils Geburtsort sozusagen zum Ausgleich den Preis simultan auch einem Textmann überreichte – Richard Tarrant, dem Kommentator von Buch 12 der Aeneis -, so wird unseren Redner Andreas Patzer vorstellen, dessen Bevorzugung des Wortes sich während seiner Lehrtätigkeit an der LMU u.a. darin äußerte, dass er legendäre Stilübungen hielt. Werner Suerbaum wird auch insofern eine Steigerung gegenüber Michael Hotz bieten, als nicht nur das Gemälde, das er uns vorstellen wird, so gut wie unbekannt sein dürfte, sondern auch die darauf offensichtlich abgebildete Agrippina, welche offensichtlich eine Urne mit der Asche ihres vermutlich ermordeten Gatten Germanicus in der Hand hält. Denn viele werden nach der Lektüre des barocken Vortragstitels fragen: Wer sind Germanicus und Agrippina? Von ihnen konnte man zu der Zeit, als es noch keine Bilder in den Lateinbüchern gab, in der Gymnasialklasse erfahren, an deren Ende das Abitur stand. Damals las man nämlich noch Tacitus, nachdem man ihn am Anfang der Oberstufe schon als Autor der “Germania” kennengelernt hatte (die ebenfalls aus dem Lehrplan verschwunden ist). Ja, die Lektüre der “Annalen”, das war der absolute Höhepunkt am Ende von neun Jahren Latein mit vielen Wochenstunden und ohne Bilder; oft übernahm dann der Herr Oberstudiendirektor persönlich den Unterricht. Ist es also nicht ganz wunderbar, dass auch hier nun das Gemälde den Text ersetzt, dass wir uns nicht mit dem schweren Latein des Historikers abmühen müssen, sondern einfach auf die wie immer durch Maria-von-der-Technik möglich gemachte Powerpoint-Präsentation blicken und uns von Werner Suerbaum sagen lassen dürfen, wer Germanicus war? Und vielleicht sind dann unter den Zuhörern auch solche, die noch nicht so richtig vertraut sind mit der neuen Technik. Die bekommen dieselbe anschließend von Maria erklärt, und schon wird ihnen auch Kompetenz vermittelt!!!! Ja, da schau her! Es zeigt sich deutlich, dass der Abend dem idealen Lernziel des modernen Lateinunterrichts ideal dienen wird: Bild statt Latein, Tacitus zum Anschauen statt zum Übersetzen – und doch endlich wieder wie einst in Oberprima dargeboten, zugleich aber kompetent machend. Und Trimalchio freut sich noch speziell deswegen, weil mit Tacitus derjenige Historiker gewürdigt wird, der Trimalchios Vater Petron ein ganzes Kapitel widmet. Gibt es auch ein Gemälde zu diesem Kapitel (ann. 16,18)? Klar gibt’s das! Wer weiß, ob wir darüber nicht auch eines Tages einen Vortrag bekommen! Aber jetzt freuen wir uns erst einmal auf diesen, und wir hoffen, dass wieder viele zum Zuhören kommen, mindestens genauso viele wie zu Michael Hotz.

Noch mehr wünscht sich sogar
Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 03. Februar 2016

89-141ED4D5FCE41A9B718PD Dr. Alfred Breitenbach (Universität zu Köln)

“Insulsus poet? Das Programm des Epigrammatikers Luxorius”

Diskussionsleitung: Dr. Sven Lorenz (München)

03.02.2016, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

die unendlich lange Geschichte des europäischen Epigramms von der Inschrift auf dem Nestorbecher bis zu Limericks und alpenländischen Gstanzln hat auch einen Vertreter der Gattung aufzuweisen, dessen zwei Meisterwerke nach wie vor zu wenig gewürdigt sind. Trimalchio. Klar, jeder kennt (Kap. 34,10) “eheu nos miseros, quam totus homuncio nil est! / sic erimus cuncti, postquam nos auferet Orcus. / ergo vivamus, dum licet esse bene.” Jeder aber rümpft auch die Nase darüber. Dabei ist doch allein schon das Wortspiel mit “esse” = 1. sein; 2. essen  absolut genial! Weniger bekannt ist das andere( Kap. 55,3):  “quod non expectes, ex transverso fit / et supra nos Fortuna negotia curat / quare da nobis vina Falerna, puer.” Daran ist sogar höchst genial, dass beim ersten Hexameter – Trimalchios Distichen bestehen aufgrund von unübertrefflich ausgebufftem Dekonstruieren stets aus zwei Hexametern und einem Pentameter – die zweite Kürze des fünften Versfußes zusammen mit dem ganzen sechsten Versfuß fehlt und im zweiten Hexameter die erste Länge des ersten Versfußes. Gibt es noch irgendetwas Spießbürgerlicheres und Abgeschmackteres als die Ergänzungen in spitzen Klammern, welche die Ausgaben vorzunehmen pflegen? Wie kann man nur an zwei epochalen Kunstwerken so herumschlimmbessern? Der Heinsius und seine Nachfolger sollten sich was schämen! Trimalchio hat beschlossen, das hohe literarische Niveau seiner beiden Epigramme, von denen das erste doch immerhin im Lateinunterricht der bayerischen Gymnasien gelesen wird – und dann kann es doch nicht schlecht sein -, beim nächsten Vortragsabend der PSMS ausführlich darzulegen. Aber ob zu einem Vortrag allein darüber wirklich Leute kämen? Es scheint besser, erst einmal zwei prominente Epigrammforscher aufmarschieren zu lassen, den einen als Vortragenden, den anderen als Moderator, und dann einfach in der Diskussion alles abzuwürgen, was sich auf den Vortrag bezieht, um nur noch über 34,10 und 55,3 zu reden. Also, der Vortragende wird ZPE-Mitherausgeber Alfred Breitenbach aus Köln sein, der in der Szene durch seine Arbeiten über Ps.-Senecas Epigramme bekannt wurde, und der Moderator Sven Lorenz, dessen zahlreiche Martial-Arbeiten in Deutsch und Englisch jetzt schon Klassiker sind. Trimalchio hat Alfred deshalb als Vortragenden eingeladen, weil dieser sich bereit erklärt hat, über einen Epigrammatiker zu sprechen, der noch mehr unterschätzt wird als der Epigrammatiker Trimalchio: Luxorius. Schon die Bezeichnung dieses Dichters als “nordafrikanischer Martial” hat irgendwie etwas Abschreckendes – man denkt ja unwillkürlich an Gaddafi, Timbuktu und Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah! Aber nicht an edle lateinische Poesie! Und wann hat er gelebt und geschrieben und wo? Im frühen 6. Jahrhundert erst – o Gott, das wird was sein! Noch dazu unter den letzten Vandalenherrschern Thrasamund, Hilderich und Gelimer in Karthago! Und wenn man bei Wikipedia etwas über ihn wissen will, gibt’s das nur auf Englisch, und das Stichwort kommt bei Google erst nach Einträgen zu “luxurious”, z.B. “luxurious cars”. Übersetzt ist er auch nur lingua Britannica, immerhin zuletzt in einer amerikanischen Bilingue von 2012 (Art Beck). Was, Sie wollen/Ihr wollt, das nun auch Alfred mitsamt seinem Hadschi Alef ausgeladen und statt dessen wieder Michael Hotz als Vortragender gebeten wird, nachdem er am 13.1. derart brilliert hat und es so rappelvoll war, dass per Bildschirm auch ein Publikum auf der Amalienstraße, für das im Lyrikkabinett kein Platz war, bedient werden musste? Nix da! Allein schon, damit Trimalchio anschließend mit überschnappender Stimme seine beiden Meisterwerke verteidigen kann, MUSS der Luxorius-Vortrag stattfinden! Und überhaupt sind an Trimalchios Tafel auch und gerade Autoren willkommen, die weniger bekannt sind. Wer weiß, vielleicht ist Sven, der Moderator, vom nordafrikanischen Martial so begeistert, dass er gleich in der nächsten Auflage von “Legamus” für die Neunte alle Epigramme des römischen Martial durch Luxorius-Texte ersetzt und sich dann gleich auch an eine Luxorius-Tusculum-Übersetzung macht! Man kann nie wissen! Immerhin ist der Luxorios schon wenigstens einmal in einem Gstanzl, also der bedeutendsten Untergattung des europäischen Epigramms, rezipiert worden; der Text fehlt unter den Luxorius-Testimonien in der amerikanischen Bilingue und wird deswegen hier zitiert: “Ja, da Luxorius is koa Vandale / und a Hadschi issa aa ned, / i wer’s eich scho beweisn, / i vo Breißn, da Alfred.” Damit der Alfred diesen Beweis auch wirklich führen und auch das Gstanzl erstmals öffentlich gesungen werden kann, kommen Sie/kommt bitte wieder in Scharen, zumal diesmal wieder genügend Bier da sein wird.

Verspricht
Ihre/Eure PSMS
P.S. Stop, hier ist ja noch ein zweites Rezeptionsdokument – natürlich ned so schee wia des Gstanzl:
“There was Old Luxorius from Carthage
whose Vandal king was a savage.
He said: “My first poem
that will be my proem
and I write in the late Latin language.”

Vortrag am 13. Januar 2016

800px-La_scuola_di_AteneOStD Michael Hotz (Wilhelmsgymnasium München)

“Raffael und die Philosophen. Oder: Wie verbrate ich das genialste Bild der Welt im Lateinunterricht?”

Diskussionsleitung: Maria Anna Oberlinner (LMU München)

13 Januar 2016, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

Trimalchio besitzt ein Gemälde, welches so kostbar ist, dass er es mit einer besonders effizienten Alarmanlage versehen ließ; ein fahrender Kunsthändler verkaufte es ihm einst für mehrere Millionen Sesterzen. Man sieht einen zentralperspektivisch konstruierten, monumentalen Innenraum, indem eine Art Versammlung von Personen mit vertrauten Gesichtern stattfindet. Der Raum ist von einem hohen Tonnengewölbe überdacht und öffnet nach hinten den Blick ins Freie. Es könnte sich um das Interieur eines antiken Tempels handeln, aber irgendwie denkt man auch an den Petersdom. In den hohen Nischen der Wände des Seitenschiffs bzw. der das mittlere Tonnengewölbe rahmenden Gewölbepfeiler, dem Betrachter zugewandt, überragen riesige Marmorfiguren des Musagetes Apollon auf der linken  und der Weisheitsgöttin Athene auf der rechten Seite die Szenerie. Die versammelten Personen stehen größtenteils auf der obersten von drei Treppenstufen; einige auch links und rechts vor der Treppe, nur wenige sitzen. Trimalchio, der natürlich wie weiland Marschall Tito und Fürscht Rainier ein mit der modernsten Technik ausgestattetes Heimkino besitzt, kennt die Gesichter sämtlicher Personen, angefangen mit Marilyn Monroe, die genau in der Mitte auf der obersten Stufe in der berühmten Haltung von “The Seven Year Itch” neben James Dean steht, Chaplin, die Bardot, Elvis, Sean Connery, Marlon Brando, ja sogar Rainer Werner Fassbinder, der einstige Klasskamerad von PSMS-Fan Werner Stadler, gleich links daneben, dann die Garbo, die grad vergeblich “I vant to be alone!” sagt, Clark Gable, der zum Atlanta-Kuss mit Vivian Leigh ansetzt und weitere. Also Popstars, und keiner fehlt, auch nicht E.T., Donald Duck, Hitch mit einem seiner birds, Ginger und Fred, natürlich tanzend, Indiana Jones, die Machete schwingend. Und ganz vorne sitzt, mit dem Rücken zum Betrachter, auf dem Regisseurstuhl und in die Flüstertüte sprechend, ein Landsmann Trimalchios, der ihn einmal in einem seiner Filme als Star auftreten ließ: Federico Fellini, der offenbar die ganze Versammlung inszeniert hat. Als Kunstkenner glaubt Trimalchio auch zu wissen, dass es eine Vorlage für sein kostbares Gemälde gibt: das Cover auf dem achten Beatles-Album “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band”, wo die berühmten Vier in der Mitte einer Menschengruppe stehen, und wieder sind z.B. Marilyn und Marlon dabei. Tja, das glaubt Trimalchio. Aber inzwischen wurde er eines Besseren belehrt. Als er letztes Jahr am Faschingsdienstag am Schottengymnasium in Wien einen Vortrag über antike Mythologie hielt und den Gastgebern gegenüber mit seinem Bild prahlte, sagte man ihm, bald werde ein Vortragender aus dem berühmten München kommen, der nette Oberstudiendirektor Michael Hotz, und der werde über ein Gemälde reden, welches das wahre Vorbild von Trimalchios kostbarem Gemälde sei: Es zeige im selben Ambiente wie dieses nicht Popstars, sondern griechische Philosophen! Trimalchio, selbst ein bedeutender Philosoph, durch sein eigenes “Gastmahl” so berühmt wie Platon, war sofort heftig an Michaels Vortrag interessiert, setzte sich mit ihm in Verbindung – und gewann ihn für einen PSMS-Abend! Hier ist das Eppschtreckt des Vortrags mit dem Titel “Raffael und die Philosophen oder: wie verbrate ich das genialste Bild der Welt im Lateinunterricht?”: Raffaels „Schule von Athen“ ist vermutlich eines der bekanntesten Bilder der Welt. Als Teil eines hochelaborierten, auf antikem Gedankengut basierenden künstlerischen Gesamtkonzepts kann es Schülerinnen und Schülern einen faszinierenden Zugang zur antiken wie zur Welt der Renaissance eröffnen, da es über die rein kunstgeschichtliche Analyse hinaus eine Fülle von Anknüpfungs­punkten gerade auch für den Lateinunterricht bietet. So versucht der Vortrag aufzuzeigen, welche vielfältigen fachlichen und didaktischen Möglichkeiten sich – sei es im Rahmen eines kompetenzorientierten, fächerübergreifenden oder projektorientierten Unterrichts, sei es als Ausgangspunkt für eine Einführung in die antike Philosophie, sei es als Gegenstand einer Lektüresequenz oder  eines (W-)Seminars – bei der Beschäftigung mit diesem Schlüsselwerk der abendländischen Kunst ergeben. Also, das klingt doch wirklich gut (auch wenn Trimalchio, zu einer Zeit zur Schule gegangen, als die ganze Pädagogik aus Maulschellen bestand, kein Wort von dem Fachjargon versteht), ist als Auftakt für das Jahr, in dem die PSMS ihren 25. Geburtstag feiern wird, optimal geeignet, UND es wird mal wieder Vorstandsmitglied Maria Anna Oberlinner durch den Abend geleiten, von der Vorstellung des Vortragenden, dabei vielleicht von dessen Sohn Max auf der Gitarre begleitet (“O Mi-chi Hotz, o Mi-chi Hotz …”), über die Diskussion bis zum kalten Büfett. Alles spricht folglich dafür, dass Sie/Ihr in Massen erscheint.

Findet jedenfalls, alles Gute zum Neuen Jahr wünschend,
Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 16. Dezember 2015

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Prof. Dr. Kai Brodersen (Universität Erfurt)

“Vom Bosporos nach Ochsenfurt                                 oder: Warum nennt Benselers Lexikon Kallimachos ‘Hildebrand’ und Sparta ‘Leiningen’?”

Diskussionsleitung: OStD Michael Hotz (München)

16.12.2015, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

Trimalchio blättert für sein Leben gern im Guiness Book of Records, und so stieß er neulich auf mehrere Einträge für Kai Brodersen: 1. Er hat bisher die meisten PSMS-Vorträge gehalten, nämlich 5, und dies wird, falls er nicht kurzfristig von der Queen zum Tee eingeladen wird, der sechste sein; 2. Er hatte mehrmals über 100 Zuhörer; Konkurrenz hat ihm da nur Karlheinz Töchterle gemacht, wie Kai Universitätsrektor und zur Zeit des Vortrags sogar Österreichs Wissenschaftsminister; 3. alle fünf Vorträge waren Weihnachtsvorträge (weshalb wir auch beim letzten, dem vom 21.12.2009, alle singen mussten, wenn auch nicht “O Tannebaum …”, sondern “Als die Römer frech geworden …” ; 4. Jedesmal war er so witzig, dass manche vor Lachen Erste Hilfe in Anspruch nehmen mussten (die konnte Ehrenmitglied Martin Pletzer leisten, weil er als Hauptfeuerwehrmann auch immer einen Kasten mit einem Roten Kreuz drauf dabei hat); 5. Der größte Witz: Zweimal, auch da jeweils für Weihnachten eingeladen, war Kai im letzten Moment verhindert, weil er jeweils kurzfristig zu einer noch mächtigeren Person als Trimalchio und der Queen geladen war, kam also nicht, so dass im einen Falle Werner von Koppenfels, im anderen Andreas Heil zehn Minuten vor Veranstaltungsbeginn schnell einen Vortrag schreiben und dann gleich halten mussten. Ja, die nun bald 25jährige Geschichte der PSMS hat allerlei Phänomenales aufzuweisen. Wollen Sie/wollt ihr noch mehr Rekordzahlen? “Nein, nein!” Wirklich nicht? Aber an Weihnachten wird Trimalchio halt rührselig und kramt in Erinnerungen. Da stellt er zum Beispiel fest, dass die Vortragenden bisher aus 13 Ländern kamen: Bayern, Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweiz, Slowenien und Vereinigte Staaten von Amerika, und da wiederum aus 9 Staaten “from California to the New York Island” (und gleich im neuen Jahr, am 13.1.16, wird Spanien folgen)! Welch eine kosmische Superbilanz! Trimalchio ist darüber so optimistisch geworden, dass er glaubt, es werde auch mal jemand aus irgendwelchen distant worlds kommen, vielleicht sogar im Raumschiff Enterprise! “Trimalchio, jetzt reicht’s! Hör auf mit Deinen statistischen Sentimentalitäten!” Aber Trimalchio muss unbedingt noch loswerden, dass der jüngste Diskussionsleiter 19 und der älteste 83 Jahre alt war. “Jetzt ist aber Schluss! Sonst kommen wir nicht!” Trimalchio würde das nicht empfehlen. Denn nehmen wir einmal an, Kai Brodersen muss wirklich kurzfristig zur Queen zum Tee – was allerdings höchst bedauerlich wäre! -, dann wird vor Vortragsbeginn ein Ratespiel veranstaltet: Wer hat diesmal in zehn Minuten einen Ersatz-Vortrag geschrieben? Preis für die am schnellsten gegebene richtige Antwort: die Ehrenmitgliedschaft in der PSMS, die bisher nur die um den Trimalchionismus besonders verdienten Herren Professor Döpp, Diplom-Bibliothekar Matthias Weeber und Hauptfeuerwehrmann Pletzer erlangt haben (letzterer würde die Ehrenmitgliedschaftschaft in seiner Krumbacher Truppe mitsamt der Ehrenanstecknadel in Form einer goldenen Spritze dazugeben!). Also, der Besuch des Vortragsabends am 16. Dezember lohnt sich allein schon deswegen, weil es doch hochinteressant ist zu wissen, ob Kai Brodersen (hoffentlich) kommt und wer, wenn er nicht kommt, die beiden Ehrenmitgliedschaften bekommt, ja und wer den in zehn Minuten geschriebenen Vortrag hält! Und welches Thema der haben wird! Und wie der für den Abend gewonnene Diskussionsleiter Michael Hotz es schaffen wird, sich in zehn Sekunden auf dieses Thema umzustellen! Und ob vielleicht mal wieder Weihnachtsmann Schmitzer und Knecht Rupprecht Kofler durch den Kamin des Lyrikkabinetts gefahren kommen! Und wen Knecht Kofler dann mit der Rute abstrafen muss, weil er/sie das ganze Jahr über auch nicht einen Cent PSMS-Spende in Heike Tiefenbachers allen stets so charmant unter die Nase gehaltenen Klingelbeutel hinterlassen hat! “Du, Trimalchio, gib endlich Ruhe mit Deinen Superlativen, wir kommen ja, damitst jetz endlich a Ruah gibst, zefixnochamal!!!”

Wunderbar! Das ist ein Wort und freut
Ihre/Eure PSMS
P.S. Auch für Werner Suerbaum wurde einmal die Ehrenmitgliedschaft beantragt, aber der § 14,7 Absatz 33 der PSMS-Satzung schließt Bewohner des Nachbarhauses davon aus, weil es keine Kunst ist, von dort mal schnell zum Lyrikkabinett zu gelangen; außerdem erhielt er unlängst den Premio VERGILIUS der Accademia Internazionale Virgiliana, und dafür musste er immerhin unter Überwindung des Brenner sich bis nach Mantua begeben. Sehr herzlich gratuliert Dir, lieber Werner, zu diesem Trostpreis Dein Trimalchio!

Vortrag am 18. November 2015

cicada_formicaPD Dr. Simone Loleit (Universität Duisburg-Essen)

“Die Maus zwischen Ameise und Zikade. Oder: Von den Grillen der Stadtmaus”

Diskussionsleitung: Stephanie Seibold (München)

 

18. November 2015, 19:15 Uhr Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

Trimalchio liebt bekanntlich nicht nur das Essen und Trinken, sondern auch das heiße Bad. Und da er auch immer wieder daran interessiert ist, seinen Luxus zu erweitern und so raffiniert wie möglich zu verfeinern, wollte er eines Tages auch sein balneum verbessern. Doch wer konnte ihm dabei helfen? Trimalchio wandte sich an die gelehrte Simone Loleit, die dankenswerterweise den hiermit anzukündigenden Vortrag halten wird und die eine sehr lesenswerte Monographie über das Bad in der deutschsprachigen Literatur des 16. Jahrhunderts (also der Zeit, in der die Badekultur besonders blühte) verfasst hat. Simone riet dem Trimalchio, sich an den Teufel zu wenden, weil der in der Hölle, wie man bei Hans Sachs ausführlich lesen kann (“Das hell-bad”, Spruchgedicht 14.10.1540), eines der größten und abwechslungsreichsten Schwitzbäder des Universums unterhält. Trimalchio wusste, dass, wenn man den Teufel nennt, er gerennt kommt, nannte ihn, und schon war er da; es war ein Montag heuer im Oktober. Der Teufel schlug Trimalchio vor, ihm sein Bad zu zeigen, vertagte die Besichtigung aber, wie er sagte, auf den “Pfinztag” und sauste an einer anderen Stelle, als er in Trimalchios Haus gekommen war, wieder davon. Nun, bis Pfingsten, wie Trimalchio dachte, ist es noch weit. Aber dann fragte er sich, warum der Teufel ihn so lange warten lasse. Zufällig war grad Maria Oberlinner da, um mit ihm den PSMS-Abend des 21.10.16 zu planen, für den sie allein die Verantwortung übernahm (und den sie dann auch so glänzend durchführte, dass er bereits zur Legende wurde). Trimalchio erkundigte sich bei ihr, ob sie sich erklären könne, warum der Teufel ihn bis Pfingsten warten lasse und weshalb er so komisch “Pfinztag” gesagt habe. Da lachte Maria den Trimalchio aus und sprach: “Mei, bist DU deppert, Trimalchio. Woaßt neda, dass im Boarischen da Pfinza des is, wos d’Breißn Donnerstag nennen? Des kommt vo griechisch “pémpte sc. heméra = der fünfte sc. Tag, und eigentlich host doch du des Graecum und sogar a griechische Bibliothek!” Problem gelöst, Teufel erscheint tatsächlich vier Tage später. Es wird eine lange, für Trimalchio höchst anregende Führung durch die Badestuben, und eine besonders große von ihnen ist noch leer, aber voller siedendheißer Schwitzkabinen, die für ganz besonders schlimme Sünder reserviert sind. Auf die Frage, welche, nennt der Teufel die auf Spaghetti Polonaise fixierten Bildungsplaner und Professoren, die in jüngerer Zeit die Geisteswissenschaft an den deutschen Universitäten vom Humboldt-System, das einst die deutsche Wissenschaft zur weitaus besten der Welt machte und den omniszienten “German professor” in Hollywood-Produktionen kreierte, in eine Klippschule mit Credit Points und Betschela (zu Sachs’ Zeiten hieß das noch höchst würdig “Baccalaureus”), also auch affigen englischen Bezeichnungen, Zwangsveranstaltungen bei didaktisch absolut unbegabten Dozenten, die mit ihrem Schnarch-und-Gähn-Programm früher durchs Raster der “tres-faciunt-collegium”-Regel gefallen wären, graduate schools für Doktoranden, die keine eigenen Ideen haben, aber in den Seminarsitzungen Englisch reden müssen, obwohl sie es wie der Monaco Franze ned amal versteng, wenn sie’s sprechen, Pflichtübungen über sinnlose pädagogische Themen, die man als Lehrer dann nicht gebrauchen kann, und dergleichen mehr verwandelt hätten und denen es besonders wichtig sei, dass die hier Ausgebildeten eines Tages kompetent würden. “Woaßt, Trimalchio”, sprach der Deifi plötzlich in überraschendem Akzent, “i gfrei mi narrisch drauf, des ganze Gschwerl hier in meim Bad z’rösten!” Worauf Trimalchio klar wurde, warum der Teufel noch “Pfinztag” benutzte. Doch über ihn und sein Marterbad wird Simone nicht sprechen, sondern über eine der berühmtesten Äsop-Fabeln und ihr Fortwirken, und schon der Titel macht höchst gespannt. Wegen des Themas tritt als Moderatorin auch wieder Steffi Seibold auf, in deren Schmiede zur Zeit ein Phaedrus-Buch entsteht, das dem Fabeldichter endlich, ein halbes Jahrtausend nach seiner Wiederentdeckung im fernen Welschland (heute regiert vom Holland), die Ehre geben wird, die er verdient. Also, es erwartet Sie/Euch wieder ein Team, das prodesse und delectare auf höchstem Niveau verspricht, das mit der ewigen Stadtmaus – sogar ein Tom-und-Jerry-Cartoon gehört zu den Rezeptionsdokumenten! – ein großes Thema der Weltliteratur und zugleich den bayerischen Lehrplan der Jahrgangsstufe 11 des Gymnasiums anspricht, sowie das andere Team, das die Petronian Party vorbereitet und das zum Teil von der gens Iulia gebildet wird. Kommen Sie/kommt also wie letztes Mal sub auspiciis Mariae Babenshamensis in Scharen, und vielleicht erscheint sogar Trimalchios neuer Freund, der Deifi, auch wenn der Vortrag am Tag nach dem “Irter” und vor dem “Pfinzer” stattfindet. Aber Humboldt-Killer, die er gleich mitnehmen könnte, wird er im Auditorium schwerlich finden.
Weiß
Ihre/Eure PSMS,

Vortrag am 21. Oktober 2015

schiffbruch_an_einer_felsenkueste_k081339PD Dr. Peter Habermehl (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften)

“Ein poetischer Schiffbruch? Petrons “Bellum Civile” oder die heikle Frage: Wie beginnt man einen Bürgerkrieg?

Diskussionsleitung: Nadine Cisar (München)

21. Oktober 2015, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,
zu Beginn des neuen Studienjahrs ist Trimalchio einerseits froh, andererseits nicht. Froh, weil das Jahr, in dem kurz vor dessen Ende die PSMS 25 Jahre ihres Bestehens feiern kann, durch einen Petron-Vortrag eröffnet wird. Es ist zwar erst der siebte von insgesamt 176 Vorträgen seit 1991, so dass der Namensgeber bisher nur mit 3,4 % der PSMS-Verstaltungen dabei gewesen ist, aber das macht Satyrica-Abende umso exquisiter. Indes ist Trimalchio gar nicht froh darüber, dass er selbst und seine berühmte Cena auch diesmal nicht thematisiert werden (was auch deshalb für ihn ärgerlich ist, weil ja zum 176. Mal nach dem Vortrag eine die Cena imitierende “Petronian Party” stattfinden wird). Thomas Wiedemann (1993), Gareth Schmeling, der Gründer der amerikanischen Muttergesellschaft “Petronian Society” (1993 und 2007), Volker Ebersbach (1997), Peter Grossardt (2007), Christine Walde (2014) und jetzt Peter Habermehl – sie alle sprachen/sprechen über alles Mögliche in und um dem Roman, nur nicht über Trimalchio; bei Peter Habermehl kommt noch hinzu, dass sein großer Petron-Kommentar dort beginnt, wo die Cena endet, und dass seine Diskussionsleiterin Nadine Cisar den Kommentar, an dem sie arbeitet, dort enden lässt, wo die Cena beginnt. Das muss sehr irritierend sein für diejenigen Freunde der PSMS, die seit einiger Zeit das Hauptkontingent des PSMS-Publikums ausmachen: Lateinlehrer aus dem Raum München, die zum Besuchen der Vorträge dankenswerterweise auch immer von der Sektion für Alte Sprachen in der Schulabteilung des Kultusministeriums ermuntert werden (Ja, danke, danke, liebes Kultusministerium!). Für diese Damen und Herren bestehen die Satyrica in ihrem Berufsalltag ausschließlich aus der (vom Lehrplan für Jahrgangsstufe 11 vorgesehenen) Cena, so dass viele ihrer Schüler und auch diejenigen unter ihnen, die dann Latein studieren, der irrigen Meinung sind, Petron habe nur die Cena verfasst – allerdings gilt das NATÜRLICH nur für die, welche unter der Bank ständig mit ihrem Smartphone oder vergleichbaren Teufelswerkzeugen herummachen und dem Lehrer oder der Lehrerin bzw. dem referierenden Schüler bzw. der referierenden Schülerin nicht zuhören, der/die ihnen zu Beginn der Cena-Lektüre NATÜRLICH eine Einführung in den gesamten Roman gibt. So gesehen, ist es eigentlich verdienstlich, dass in den heiligen Hallen des Lyrikkabinetts stets das Drumherum der Cena in den Blick genommen wird. Besonders nützlich ist das dann, wenn, wie im Falle von Peter Habermehls Vortrag, eine Textstelle betrachtet wird, in der aus der Romanwelt der Strolche und Schmarotzer heraus ein Blick auf ein Kapitel in Roms Vergangenheit geworfen wird, den Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius. Und siehe da: Auch der ist im bayerischen Lehrplan nicht so recht vorgesehen, weil die kurrikulare Speisekarte, die am Ende der Schellingstraße kurz vor deren Einmünden in die Lothstraße zusammengestellt wird, weder Caesars Bellum civile noch dasjenige Lucans für den gymnasialen Lateinunterricht vorsieht. Es ist wirklich verblüffend: Die PSMS-Vorträge erweisen sich mehr und mehr als Ergänzung zum bayerischen Lehrplan für Latein! Man kann hier also erfahren, was Caesar vor dem Rubiconübergang “fallen (oder hochwerfen) ließ” oder welchen Beinamen sein Gegner hatte und dass der berühmte Vers vixtrix causa deis placuit, sed victa Catoni nicht heißt “Den Göttern gefiel die Ursache als Siegerin, dem Cato als Besiegte”. Aber, wird man einwenden, dass ist doch alles nur Bildung und somit nicht mehr gefragt: Wo bleibt bei der PSMS die Vermittlung von Kompetenz? Oho! Natürlich gehört auch die zu den Dienstleistungen der Gesellschaft. Es ist nämlich so, dass die netten belegten Weißbrotscheiben, die Gummibärln, die Weinflaschen und Bierkästen und alles andere Kulinarische (also nicht Kurrikulare), das nach den Vorträgen angeboten wird, NATÜRLICH eingekauft und für die Gäste zubereitet werden muss. Dafür haben diesmal Nadine Cisar und Julia Fuchs wiederum dankenswerterweise die Verantwortung übernommen. Aber die würden sich natürlich über HelferInnen freuen und wären bereit, diese in Sachen Broteschmieren, Stühleaufstellen, Geschirrspülmaschineanschmeißen usw. durch gründliche Unterweisung so dermaßen kompetent zu machen, dass es kompetenter nicht mehr geht – und ist Kompetenz in Sachen “Catering” nicht das Kompetenteste was es gibt? Lieber Trimalchio, schau mal, Du kannst, statt Dich zu ärgenr, total stolz sein auf Deine PSMS, weil sie offensichtlich die bedeutendste Bildungs- UND Kompetenzanstalt in München, ja vielleicht auf der ganzen Welt ist. Und deshalb laden wir Sie/Euch alle wieder herzlich ein, zu uns zu kommen und mit uns das Jubiläumsjahr zu eröffnen.

Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 01. Juli 2015

roman-togaProf. Dr. Roy Gibson (University of Manchester)

“On Writing the Modern Biography of an Ancient Roman”

Diskussionsleitung: Dr. Hans Peter Obermayer (LMU München)

Am 01. Juli 2015, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

ja, es ist der 175. der von der PSMS veranstalteten Vorträge – nach demjenigen Heinz Hofmanns am 15. Mai 1991 (Achtung: Am 15. Mai 2016 wird das 25 Jahre her sein!). Tja, wen lädt man da ein? In diesem Falle bedurfte es keiner langen Überlegung: Unter den avancierten Kollegen waren es immer nur ausländische, die uns von Anfang an unterstützten (Heinz lehrte damals noch in Groningen), während deutsche Altphilologie-Ordinarien im letzten Jahrhundert überhaupt nicht in Erscheinung traten, also keiner bei den ersten 50 Vorträgen (der erste, der kam, war Nr. 63 am 27.11.2003, ein gewisser Heinz Hofmann von der Uni Tübingen). Immerhin gab es einen Ordinarius am LMU-Institut, der uns sehr zugetan war und als einziger, als wir 1998 vorübergehend den Laden zumachten, dies sehr eindringlich per litteras bedauerte. Wer das wohl ist? Zurück ad rem: Also Ausländer. Und da fiel die Wahl auch schnell auf Roy Gibson: Er war schon zweimal bei uns und schrieb nach dem ersten Mal – vor allem, weil er von Matthias Ludolph auf Lateinisch moderiert wurde und weil ihm München per Radltour mit Endstation 3 Maß am Kleinhesseloher See gezeigt wurde (Roy ist Ire): “In fact, this is easily the most enjoyable and rewarding visit to another university that I ever had.” Also kommt er nun auch zum 175. Vortrag, und es passt zur PSMS, dass sein Titel änigmatisch ist: “On writing the modern biography of an ancient Roman”. Hm. Was wird das wohl sein? Wieder kommt uns jener vorhin erwähnte Professor am Institut für Klassische Philologie der 90er Jahre in den Sinn, der das Pausieren der PSMS bedauerte. Er nämlich stellte sogar einem Seminar – es ging über den “Agricola” des Tacitus – das von Roy genannte Thema. Denn er ließ die Teilnehmer kreativ ein eigenes Lebensbild des berühmten Schwiegervaters und Siegers bei einem Berg in Nordbritannien, den man nicht identifizieren kann, anfertigen. Oder war es ein Nachruf auf Agricola, den seine Eleven verfassen sollten? Egal: Jener nicht Genannte wüsste zu Roys Titel allerlei zu sagen. Ob das aber auch dem Diskussionsleiter gelingt, wenn er doch gar nicht weiß, um was es geht? Hier musste ja jemand von der LMU gewählt werden, jemand, der auch forschungsmäßig herausragt UND bereits bei der PSMS mitgewirkt hat (auch vor jener Pause). Also, es ist Hans Peter Obermayer. Seine spektakulärste wissenschaftliche Leistung besteht darin, dass er in seiner Dissertation von 1996, die über mann-männlichen Sex in der kaiserzeitlichen Literatur geht, erstmals in der Geschichte unseres Faches wagte, Obszönitäten als Obszönitäten zu übersetzen, also nicht wie z.B. Michael von Albrecht “novem fututiones” mit “neun Seligkeiten” oder wie Wolfgang Schadewaldt mit “Spannungen” das, woran die Männer in der “Lysistrate” leiden (Wahrscheinlich hätte er einen Betroffenen “Spänle” genannt). Nun war freilich einer der beiden Gutachter ein gesetzter, auf dergleichen nicht gefasster deutscher Ordinarius, und er hatte eigentlich Probleme mit Hans Peters Thema. Aber es handelt sich bei ihm um ebenjenen Herrn, der die Denkpause der PSMS bedauerte, und da verwundert es nicht, dass er sich beim Begutachten von etwas, das ihm ästhetisch und vielleicht auch ethisch Schwierigkeiten bereitete, wie folgt zu helfen wußte: Er habe sich, wie er in dem Gutachten schreibt, die Lektüre des Abschnittes “Schmutzige Lust”, in dem es vor allem um oral-genitale Praktiken geht, “durch die orale Zuführung von Zuckerplätzchen versüßt”. Kann man sich einen souveräneren, humorvolleren und faireren Gutachter wünschen (er gab übrigens “summa”)? Schwerlich. Bei Rückschau auf das bisher Geschriebene, das ja im Hinblick auf den Jubel-Anlass ein wenig gesetzter und feierlicher formuliert ist als die bisherigen Einladungstexte, fällt nunmehr auf, dass von den insgesamt sieben Personen, die angesprochen sind, am umfassendsten jener anonyme Professor gewürdigt ist. “On writing the modern eulogy of a contemporary specialist for ancient Romans”? Ja, das war doch mal angebracht angesichts des Jubiläums, dass nicht zuletzt deshalb stattfinden kann, weil der Anonymus 1998 zum Weitermachen ermunterte. Die Identität wird freilich nicht preisgegeben, sondern nur noch dies über ihn gesagt: Er steht unseren Vorträgen permanent denkbar nahe – näher geht faktisch nicht. Ansonsten liebt Trimalchio, wie gesagt, nun mal die Rätsel, und deshalb lohnt es sich wieder unbedingt, zum Vortrag zu kommen und dort dreierlei herauszufinden: 1. was meint Irishman Roy mit seinem Titel? 2. wie wird Zuckerplätzchen HPO mit der diesmal besonders schwierigen Aufgabe der Diskussionsleitung fertig? 3. Tratschke. Und NATÜRLICH wird auch das kalte Büffet diesmal besonders üppig ausfallen … ach ja, klar, Festreden, halt à la Trimalchio, sind unbedingt erwünscht von

Ihrer/Euer PSMS
P.S. Ansonsten war der “richtige” erste die Nr. 72, Reinhold Glei, Lateinordinarius in Bochum.
P.P.S. Das Gutachten des Anonymus umfasst übrigens acht einzeilig beschriebene Seiten mit einer detaillierten Stellungnahme, nimmt die Arbeit also sehr ernst und ist eindeutig nicht, wie an teutschen Hochschulen durchaus immer wieder vorkommend, von der Schwester der Freundin der studentischen Hilfskraft des Gutachters anhand der Zusammenfassung geschrieben.

Vortrag am 10. Juni 2015

NarcissusMichaela Elisabeth Hellmich (Universität Mainz)

“Sprechblasen für römische Klassiker: Über den Einsatz der Comic-Schullektüren von Caesar und Ovid im Unterricht”

Diskussionsleitung: Dr. Stefan Merkle (LMU München)

Lyrikkabinett München, 10. Juni 2015, 19:15 Uhr

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

soweit wir wissen, wurden Trimalchio und seine Cena niemals Gegenstand eines Comics, obwohl sich das doch unbedingt anböte. Er ist ja immerhin als Karikatur mit seinem memento-mori-Skelett in der Hand das Emblem (oder “Logo”, wie man heute sagen zu müssen glaubt) der Einladungsplakate, vor langer Zeit für “Petronian Society Newsletter” gezeichnet von Christoph Stöcker, der vor noch längerer Zeit bei Otto Seel die nach wie vor nützliche Dissertation “Humor bei Petron” verfasste. Warum die Cena sich gerade für Sprechblasengraphik und Animation durch Figuren wie diejenige Stöckers eignen würde, liegt auf der Hand: Sie repräsentiert einen “monde à l’envers”, und das gilt ebenso z.B. für Duckburg (bei uns “Entenhausen”) und das Gallierdorf Goscinnys und Uderzos. Aber nehmen wir einmal an, ein Cena- oder gar Satyrica-Comic entstünde – und die Vortragende des heutigen Abends, Michaela Elisabeth Hellmich, wäre bestens als Zeichnerin geeignet -, was hätte das eventuell für Folgen? Man stelle sich vor, es bildete sich – wie einst in den 70ern ein Verein der Donaldisten – ein solcher der Trimalchisten oder Enkolpisten. Und diese würden, wie die Donaldisten sich bei ihren jährlichen Tagungen Vorträge über das Gesundheitswesen in Entenhausen oder die produktive Weiterentwicklung von Daniel Düsentriebs Erfindungen anhören, nun ihrerseits trimalchistischen oder enkolpistischen Referenten lauschen, die es unternähmen, z.B. Trimalchios Grabmal archäologisch zu rekonstru … HUCH! HALT! DIE GIBT ES JA LÄNGST! Die nennen sich zwar nicht Donaldisten oder Trimalchisten, sondern Latinisten, aber betreiben z.B. ihren Trimalchismus mit höchstem Ernst: Die meisten Arbeiten über Petron, die man in jüngster Zeit vorgelegt bekommt, untersuchen nicht mehr den Text dieses faszinierenden Romans, sondern interessieren sich (fast) nur noch für die “Realität”, die ihrer Meinung nach durch die Welt Enkolps und Trimalchios abgebildet ist. Ist sie es? Ist sie nicht vielmehr satirisch so verzerrt, dass Entenhausen in seiner Fiktionalität ihr näher steht als der reale Lebensraum am Golf von Neapel zu der Zeit, als Petron schrieb? (Und wann er das tat, ist heute eh total umstritten.) Vielleicht sollten die realiengeilen Latinisten also, wenn sie sich zu Tagungen treffen, ehrlicherweise ihre Verwandtschaft mit den Donaldisten zum Ausdruck bringen und z.B. nach einem Vortrag nicht mehr real klatschen, sondern wie die Donaldisten einfach “Klatsch, klatsch!” rufen (oder “applaudo, applaudo”, da es ja auch LinguaLatinaisten geben soll, die in Togen und mit Lorbeerkränzen auf dem Kopf rumlaufen – wie die Donaldisten in Matrosenanzügen  und die Astericisten mit Hinkelsteinen – und davon träumen das Latein Weltsprache wird!!!). Mit “Klatsch, klatsch!” sind wir aber wieder bei der trefflichen Michaela. Die hat nämlich bereits zwei lateinische Texte – erst Ovids Meta, dann Caesars BG – ausschnittsweise in Comics verwandelt, aber nicht um einen Spinnerkult wie den der Donaldisten, Astericisten und Latinisten damit zu initiieren, sondern einfach ein nützliches Medium für die Vermittlung von Schullatein an die Hand zu geben, das unbedingt Beachtung vonseiten der gymnasialen Lateinlehrer und ganz sicher kein während ihres Vortrags gerufenes “Gähn, gähn!” verdient. Ein universitärer Lateinlehrer interessiert sich bereits dafür: der Ex-Donaldist – oder ist er es noch? Ihr könnt ihn ja danach fragen, und dann verrät er Euch vielleicht, wer mit ihm zusammen in der D.O.N.A.L.D. war und 1982 mit dem “Fähnlein-Fieselschweif-Orden” geehrt wurde, auf den er heute noch stolz ist – Stefan Merkle. Er höchstselbst wird Michaelas Vortrag moderieren, und so können wir sagen: Es wird sich unbedingt lohnen, am 10. Juni zu erscheinen, zumal die vier Partyhelferinnen sich diesmal bereit erklärt haben, als Daisy Duck, Oma Duck, Klarabella und Minnie Maus verkleidet zum kalten Büfett der Petronian Party zu laden (und der Stühleaufsteller als Goofy und die Spendensammlerin als Gundel Gaukeley). Und das ist doch mal was ganz was anderes.

Findet jedenfalls und lädt deshalb herzlich ein
Ihre/Eure PSMS