Prof. Dr. Costas Panayotakis (University of Glasgow)
“Impotent Heros, Mythomaniac Narrators and Vulgar Dinner Parties: The World of Petronius’ Satyrica”
Diskussionsleitung: Dr. Stefan Merkle (LMU München)
18. Oktober 2017, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München
“I have a dream!” Dieser Ausspruch Martin Luther Kings ist nicht nur zum geflügelten Wort geworden, sondern beherrscht auch das Denken unseres Vortragenden des 18.10.17, Costas Panayotakis von der University of Glasgow (innerlich wird er freilich sagen, έχω ένα όνειρο,weil er ein Grieche ist). Und was ist sein Traum? Halten Sie sich/haltet Euch fest: Er würde für sein Leben gern auf dem Lehrstuhl für antikes Latein an der LMU sitzen! Was soll man dazu sagen? Begnügen wir uns mit der Feststellung, dass dieser Stuhl besetzt ist, und das voraussichtlich noch mindestens zehn Jahre. Träume sind Schäume (τα όνειρα είναι αφρίζοντα) . Fragen wir lieber, was Costas an München so besonders reizt. Dass er sicher nicht Deutsch lernen müsste, weil die Exzellenzuniversität, wie man munkelt, diese total antiquierte Sprache zugunsten einer angeblich leichteren lieber heute als morgen abschaffen würde? Als native speaker einer noch antiquierteren Sprache hätte er keine Probleme, von “ο, η, το” zu “der, die, das” zu gelangen; das kann es also nicht sein. Gefällt ihm die Vorstellung, in der Stadt zu lehren, aus der der erste König von Hellas kam und in der dieser begraben liegt, nämlich in der Gruft der Theatinerkirche (mit einem Griechischfehler in der Inschrift auf dem Sarkophag seiner Gattin Amalie)? Schwerlich, denn Costas kommt von der Insel Kreta, und die gehörte nach Ottos Regierungsantritt noch 81 Jahre den Türken, und überhaupt stammen Costas’ Vorfahren mütterlicherseits aus Westkleinasien, von wo sie 1919 vertrieben wurden. Knüpft Costas etwa gar an eine besondere Art von britisch-kretisch-deutscher Freundschaft an, die begann, als der britische Major Fermor 1944 den Nazi-Oberbefehlshaber Kretas, General Kreipe, zusammen mit einer kleinen Truppe netter kretischer Partisanen in die Berge entführte und dort im Angesicht des Ida zusammen mit ihm Horazens Soracte-Ode aufsagte (wobei der Ida sicher dachte; “So etwas war noch nie da!”)? Hat Costas etwa sogar 1972, also mit 4 Jahren, die Athener TV-Sendung Αυτή είν’η ζωή σου gesehen, in der alle Kidnapper und ihr Opfer, inzwischen alles γέροντες und sich dauernd umarmend, quietschvergnügt mit Uzo anstießen (wobei Fermor Englisch, Griechisch und Deutsch durcheinander sprach)? Ganz sicher auch nicht. Es kann nur einen Grund für seine Sehnsucht nach München geben: Costas liebt das mit Abstand Allerallerallerattraktivste, was die Stadt zu bieten hat: die PSMS. Und da das so ist, konnte dem Manne zumindest insofern geholfen werden, als er zum zweiten Mal bei uns zu einem Vortrag eingeladen ist, ihn auf Englisch halten darf – nicht auf Griechisch, was z.B. Martin Schrage sehr bedauern wird – und (das findet bei uns ganz selten statt, ist also immer ein besonderes Ereignis) Petron sein Thema sein wird. Wer also nicht nur den international berühmten Petronianer – als solchen wird Stefan Merkle ihn vorstellen und danach vielleicht wenigstens seine LMU-Lateinkurse an ihn abtreten -, sondern auch einen ganz speziellen München-Fan kennenlernen will, sollte uns unbedingt die Ehre geben.
Das empfiehlt Ihnen/Euch jedenfalls
Ihre/Eure PSMS






