Vortrag am 19. April 2018

OStD Michael Hotz (Wilhelmsgymnasium München)
“Frühlingsgefühle – oder: wie entschlüssele ich mit lateinischen Texten die Primavera Botticcellis?”
Diskussionsleitung: Benedikt Hotz und Max Hotz (München)
19.04.2018, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett
Unknown

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

grata vice veris et Favoni wird Michael Hotz (der als Münchner weiß, dass Föhn von Favonius kommt) passenderweise den Diskussionsleiter-Hut, den er beim letzten Semesterabschiedsvortrag trug, gegen den des Vortragenden eintauschen, ja sogar in Begleitung kommen – zwar nicht der Grazien (z.B. Margot aus Graz, eine der drei, ist eh nach Salzburg ausgewandert), aber eskortiert von seinen ebenso netten Söhnen Benedikt und Max; sie erscheinen deshalb beide, weil sie seine großartige Möllivorstellungsshow vom 6.2.18 nur zu zweit überbieten zu können glauben. Es ist das vierte Mal, dass der bilderkundige Michael bei uns ikonologisch spricht, und da liegt er ja auch ganz im Trend des Lateinunterrichts: Keines der vielen neuen Lehrbüchern, die um die Wette das KuMi nerven, hat nicht auf jeder Seite mindestens zwei klatschbunte Illustrationen, die kompetent von der öden Grammatik der Übungsstücke in lichtere Gefilde des Geistes führen. Wie arm war doch Trimalchio dran, als er, noch blutjung und verlockend gelockt (29,3), aus Kleinasien Romam gebracht ward und Latein lernte! In seinem Übungsbuch der 5. (damals noch 1.) Klasse aus der Feder des finsteren Raimund Pfister gab’s auf bräunlich-billigem Papier koa oanzigs Buidl, und die amerikanische Militärregierung hatte es trotzdem genehmigt! Stattdessen waren da ewig lange Übungsstücke mit ins Lateinische zu übersetzenden Sätzen, während das Verdeutschen lateinischer Sätze kaum eine Rolle spielte, weil die Fähigkeit dazu ganz selbstverständlich vorausgesetzt wurde. Gut, die Schüler malten, von sich aus kreativ, ihre Bilder damals selbst in die Lateinbücher; Trimalchio erinnert sich, dass sein Banknachbar sogar Buntstifte dabei benutzte und mittelalterliche Marginalillumination überbot. Immerhin hatte es der Lateinlehrer wenigstens mit Farben. Denn zu seinen didaktischen Finessen gehörte es, dass er am Nachmittag vor der Stunde des nächsten Tages, in der er einen neuen Grammatikparagraphen einbimsen würde, sich in die Schule schlich, Beispielsätze an die anschließend von ihm zuzuklappende Tafel schrieb und dabei die Besonderheiten, vor allem die Endungen, mit verschiedenen Kreiden kolorierte. Trimalchio erinnert sich an den genialen Streich, den er und ein paar Freunde, darunter natürlich Steinmetz-to-be Habinnas, dem Lehrer spielten, als er einmal ein Gemälde der verschränkten Relativsätze fabriziert hatte und dann heimgegangen war. Da schlichen sich diese Lausebengel in das Klasszimmer und veränderten die farbigen Stellen so, das alles total falsch wurde. Als der Lehrer dann am nächsten Morgen die Tafel aufklappte, konnte er die Bescherung gar nicht gleich erfassen, weil just sein Oberstudiendirektor, halt der von Trimalchios Humanistischem Gymnasium, der NATÜRLICH auch Altphilologe war, zur Visititation kam und total entsetzt war, dass sein strengster und kompetentester Mann, der für jedes von den acht cum, das einer nicht konnte, hundhammerisch lizensiert eine Riesnwatschn zu applizieren pflegte – Trimalchio schaffte einmal nur sieben, weil er wenigstens das cum vere (“im Frühling”) temporale herbrachte -, bezüglich der Endungen in Relativsätzen offenbar nicht kompetent war. Da diesem OStD die sprichwörtliche Nettigkeit des späteren OStD Michael Hotz fehlte (er war auch kein Bayern-Fan, nicht einmal das!), hätte er am liebsten getobt, aber er wahrte die Form, sagte nur “Bringens des bittschön in Ordnung, Herr Kollege”, und rannte raus. Tja, hätte jener Lateinlehrer mit Bildern oder leichtfasslichen Metaphern gearbeitet – wie erklärt man z.B. Abiturienten, dass amo den Themavokal verschluckt, moneo und audio dagegen nicht? Man sagt ihnen, amo finde ihn appetitlich, moneo dagegen ekelig und audioigitt! -, hätten Trimalchio und seine Freunde ihm diesen Streich nicht so leicht spielen können. Also, Michael Hotzens Vortrag wird nicht nur höchst interessant, sondern auch der modernsten Pädagogik verpflichtet sein, und deshalb lädt zu dem Abend wieder sehr herzlich ein

Ihre/Eure PSMS

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