Vortrag am 6. Februar 2018

Prof. Dr. Peter von Möllendorff (Justus-Liebig-Universität Gießen)

“Audite, sodales – ἀκούετε λεῴ! Vom Nutzen historisierender Aussprache im LAtein- und Griechischunterricht

Diskussionsleitung: OStD Michael Hotz (Wilhelmsgymnasium München)

Dienstag, 06.02.2018, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

ein Distichon, das für Trimalchio (obwohl er ja selbst ein hochbegabter Verfasser solcher Zweizeiler ist, indem er sie zu Dreizeilern verschönert) eines der geistreichsten, witzigsten und kunstvollsten der gesamten Latinität ist, lautet: ipse mihi videor iam dedidicisse Latine: / iam didici Getice Sarmaticeque loqui. Ovid demonstriert hier, sich selber dekonstruierend, seine “Sprachnot” im Exil (Trist. 5,12,57f.), indem er u.a. ein Phänomen wie die Reduplikation fast so komisch verfremdet wie Monty Python Latein insgesamt durch “Romanes eunt domus”. Man nimmt allgemein an, mit den auffällig vielen “i” und dem durch die Reduplikation (+ einmal Präposition) bewirkten “Stottereffekt” parodiere der Dichter die von ihm genannten Schwarzmeersprachen. Aber in Tomi als einer ehemals hellenischen Kolonie wurde doch wohl primär Graece gesprochen. Könnte es also sein, dass Ovid sich über die itazistische Aussprache lustig macht, die ihm von seiner Lektüre klassischer Texte her vielleicht fremd vorkam, zu der aber das “Volk” zu seiner Zeit wohl schon übergegangen war? Auf jeden Fall dürfte das “Volk” spätestens dann so geredet haben, als Petron lebte (nach neueren Erkenntnissen eher im 2. als im 1. Jh.), und deshalb macht Trimalchio sich manchmal den Spaß, Griechen in Neapel und Umgebung z.B. aus der Odyssee in historisierender Aussprache vorzulesen und sich dann einen Ast zu lachen, wenn sie kein Wort verstehen, obwohl sie das Werk durchaus kennen. Allerdings ist er sich bei manchen Vokalen und Konsonanten nicht hundertprozentig sicher, und deshalb freut er sich ungemein, dass Peter von Moellendorff ihm und Ihnen/Euch jetzt nicht nur sagen wird, wie Altgriechisch einst wirklich klang, sondern auch die Aussprache Caesars und Ciceros endlich wahrhaft korrekt darbieten wird. Aber wie weiß denn der Peter, wie die redeten? Die antiken Tondokumente sind doch alle verlorengegangen! Tja, zunächst einmal hat der Peter im Gegensatz zu 95% der Vertreter unserer Zunft beherzigt, was der weise Christoph Martin Wieland einst sprach: “Wie ein Leser von offnem und gesundem Kopf die Bekanntschaft Lucians aus seinen Werken machen könnte, ohne ihn lieb zu gewinnen, das wäre mir in der Tat unbegreiflich.” Während man von etwa 1900 bis in jüngere Zeit von Lukian (obwohl er in der frühen Neuzeit ungemein wirkungsmächtig war) vor allem in Deutschland gar nichts hielt – 1907 nannte z.B. der Gräzist Johannes Geffcken ihn einen “ekelhaften Semiten”, und im Band “Griechische Literatur” innerhalb des “Neuen Handbuchs der Literaturwissenschaft” von 1981 ist er nur dreimal kurz erwähnt, davon einmal im Register -, hat der Peter mehrfach über ihn publiziert, zuletzt eine zusammen mit Manuel Baumbach verfasste einführende Monographie, die so großartig ist, dass jeder sie einfach lesen MUSS. Ja, und dafür hat Lukian sich persönlich bei ihm bedankt: Er schickte ihm eine seiner faszinierendsten Gestalten, den Ikaromenipp, in sein Büro an der Gießener Uni, und der breitete seine Flügel aus und trug den Peter erst in das alte Athen und dann in das alte Rom, und da konnte der Peter mit seinem komfortablen Smartphone Aufnahmen von native speakers machen, sie auswerten und darauf nun seinen Vortrag stützen. Toll, nicht? Wie immer haben Schulmänner schneller als Uni-Leute den richtigen Riecher für Gelegenheiten, Antike mit Händen zu greifen und so leichter vermittelbar zu machen. Und deshalb wird Michael Hotz, der Chef eines der ganz wenigen Gymnasien auf der ganzen Welt, an denen Griechisch Pflichtfach ist (und nicht alternativ Französisch gewählt werden kann, was man ja, wie Trimalchio senior, bevor er seinen Sohn aufs Humanistische schickte, zu ihm sagte, auch im Bordell lernen kann), die Diskussionsleitung übernehmen. Wir haben also wieder ein hervorragendes Team, ergänzt durch Oberlinner & Stumpf Catering Services Ltd., und deshalb empfiehlt wieder zahlreiches Erscheinen

Ihre/Eure

PSMS

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