als Trimalchio vor vielen Jahren zum ersten Mal das damalige Institut für Klassische Philologie der LMU München besuchte, war er ähnlich wie Gian Biagio Conte etwa 20 Jahre zuvor – der kam auch aus Italien – total verblüfft: Conte, den der Ruhm Friedrich Klingners angezogen hatte, fand den Professor beim Halten der Vorlesung im – er fiel vor Staunen fast auf den Rücken – überfüllten AudiMax! Trimalchio war aber noch verblüffter, als er irgendwann in den frühen 80ern auf einen Professor stieß, der ganz und gar unaltphilologisch aussah: Er hatte einen Hut wie Humphrey Bogart auf dem Kopf und einen Zigarillo im Mund, trug eine fegerte Lederjacke, ließ aus dem Hemd ohne Schlips seinen Naturpullover hervorquellen und bewegte sich auf schneidigen Stiefeln. Vorsichtig fragte Trimalchio einen Studenten, wer denn das sei, worauf er zur Antwort erhielt, das sei Andreas Patzer, der etwas so Trockenes wie lateinische Stilübungen dermaßen mitreißend und unterhaltsam veranstalte, dass man daran unbedingt teilnehmen müsse, ob man das brauche oder nicht. Als Trimalchio sich dem Mann dann vorstellte, wurde ihm noch etwas Besseres zuteil als Patzers legendärer Oberkurs: die Einladung zu einer Cena, die seine eigene Cena um Vieles überbot; allein schon der Fisch, der bei einem der mindestens sieben Gänge serviert wurde, schmeckte besser als alles, was Trimalchios Sklaven bisher aus dem Golf von Neapel geangelt hatten. Und der Professor mit dem Hut konnte auch ganz wunderbar erzählen, z.B. davon, wie in seiner höchst geschmackvoll und intellektuell zugleich eingerichteten Wohnung immer wieder mal Filme gedreht worden seien, z.B. mit Götz George als Schimmi ein Tatort oder mit Schlagerstar Nena (“99 Luftballons”) der unvergessliche Streifen “Gib Gas – ich will Spaß!”, in dem Nena mit Lorenz Patzers, des Sohnes, dickem Filzstift an des Vaters Fernsehbildschirm als Botschaft an ihre Film-Eltern schrieb: “Ich hab die Schnauze voll! Ich hau ab!” Was Trimalchio auch sehr gut gefiel an dem Abend, war, dass da noch ein anderer Professor speiste und zechte, der gewissermaßen Patzers Antipoden verkörperte, indem er immer mal das, was der jüngere Freund so an Gedanken über dies und das äußerte, ebenso feinsinnig in der Überlegung wie westfälisch-knorrig in der Sprechweise gezielt in Frage stellte, weil er einfach den Widerspruch liebt – auch gegen das, was er selber sagt. Trimalchio dachte, dass, wenn es mehr Vertreter der Fächer Griechisch und Latein gäbe, die wie Patzer und Suerbaum so ganz anders sind als die vielen, vielen schwer erträglichen Langweiler, die dem Fach ständig weit, weit mehr schaden als dessen “fortschrittliche”, kompetenzbewusste Gegner, es doch eigentlich kräftigst blühen müsste. Nun, für München galt das auch damals, aber die beiden genannten Professoren stehen schon länger nicht mehr hinterm Pult und der Jüngere kurz vor seinem 75. Geburtstag, den er, wie wir ihm alle wünschen, am 1. Januar 2018 mit einer noch opulenteren Cena feiern soll, als Trimalchio sie sich in seinen kühnsten Träumen ausmalen kann. Ja, und nicht lange danach, am 10. Januar, lädt er auch Sie und Euch und uns zur Petronian Cena ein. Erst hält er selbst einen Vortrag, mit dem er, wie es gut zum Anlass passt, auf die Frühzeit der griechischen Literatur zurückblickt, und danach wird Werner Suerbaum, der ihn vor dem Vortrag dem Auditorium vorstellt, die Diskussion leiten und dabei Patzer heftig widersprechen. Es soll ja mal irgendein Interviewer in irgendeinem Kontext zu Suerbaum gesagt haben: “Sie sind doch der bekannte Professor, der stets widerspricht?!”, worauf er geantwortet habe: “Nein, der bin ich nicht.” Also, wer die beiden Legenden wiedersehen bzw. sie kennenlernen möchte, möge unbedingt kommen. Es ist ja überdies denkbar, dass, wie im Frühjahr 2016, als es andersherum war – Suerbaum sprach und Patzer moderierte -, im Saal eine ähnliche Atmosphäre herrscht wie bei einem Treffen anlässlich eines Abiturjubiläums.
So etwas wünscht sich jedenfalls für den 10.1.2018,
herzlich dazu einladend,
Ihre/Eure PSMS,
die allen erholsame Feiertage und ein gesundes neues Jahr wünscht.