Vortrag am 21. Oktober 2015

schiffbruch_an_einer_felsenkueste_k081339PD Dr. Peter Habermehl (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften)

“Ein poetischer Schiffbruch? Petrons “Bellum Civile” oder die heikle Frage: Wie beginnt man einen Bürgerkrieg?

Diskussionsleitung: Nadine Cisar (München)

21. Oktober 2015, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,
zu Beginn des neuen Studienjahrs ist Trimalchio einerseits froh, andererseits nicht. Froh, weil das Jahr, in dem kurz vor dessen Ende die PSMS 25 Jahre ihres Bestehens feiern kann, durch einen Petron-Vortrag eröffnet wird. Es ist zwar erst der siebte von insgesamt 176 Vorträgen seit 1991, so dass der Namensgeber bisher nur mit 3,4 % der PSMS-Verstaltungen dabei gewesen ist, aber das macht Satyrica-Abende umso exquisiter. Indes ist Trimalchio gar nicht froh darüber, dass er selbst und seine berühmte Cena auch diesmal nicht thematisiert werden (was auch deshalb für ihn ärgerlich ist, weil ja zum 176. Mal nach dem Vortrag eine die Cena imitierende “Petronian Party” stattfinden wird). Thomas Wiedemann (1993), Gareth Schmeling, der Gründer der amerikanischen Muttergesellschaft “Petronian Society” (1993 und 2007), Volker Ebersbach (1997), Peter Grossardt (2007), Christine Walde (2014) und jetzt Peter Habermehl – sie alle sprachen/sprechen über alles Mögliche in und um dem Roman, nur nicht über Trimalchio; bei Peter Habermehl kommt noch hinzu, dass sein großer Petron-Kommentar dort beginnt, wo die Cena endet, und dass seine Diskussionsleiterin Nadine Cisar den Kommentar, an dem sie arbeitet, dort enden lässt, wo die Cena beginnt. Das muss sehr irritierend sein für diejenigen Freunde der PSMS, die seit einiger Zeit das Hauptkontingent des PSMS-Publikums ausmachen: Lateinlehrer aus dem Raum München, die zum Besuchen der Vorträge dankenswerterweise auch immer von der Sektion für Alte Sprachen in der Schulabteilung des Kultusministeriums ermuntert werden (Ja, danke, danke, liebes Kultusministerium!). Für diese Damen und Herren bestehen die Satyrica in ihrem Berufsalltag ausschließlich aus der (vom Lehrplan für Jahrgangsstufe 11 vorgesehenen) Cena, so dass viele ihrer Schüler und auch diejenigen unter ihnen, die dann Latein studieren, der irrigen Meinung sind, Petron habe nur die Cena verfasst – allerdings gilt das NATÜRLICH nur für die, welche unter der Bank ständig mit ihrem Smartphone oder vergleichbaren Teufelswerkzeugen herummachen und dem Lehrer oder der Lehrerin bzw. dem referierenden Schüler bzw. der referierenden Schülerin nicht zuhören, der/die ihnen zu Beginn der Cena-Lektüre NATÜRLICH eine Einführung in den gesamten Roman gibt. So gesehen, ist es eigentlich verdienstlich, dass in den heiligen Hallen des Lyrikkabinetts stets das Drumherum der Cena in den Blick genommen wird. Besonders nützlich ist das dann, wenn, wie im Falle von Peter Habermehls Vortrag, eine Textstelle betrachtet wird, in der aus der Romanwelt der Strolche und Schmarotzer heraus ein Blick auf ein Kapitel in Roms Vergangenheit geworfen wird, den Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius. Und siehe da: Auch der ist im bayerischen Lehrplan nicht so recht vorgesehen, weil die kurrikulare Speisekarte, die am Ende der Schellingstraße kurz vor deren Einmünden in die Lothstraße zusammengestellt wird, weder Caesars Bellum civile noch dasjenige Lucans für den gymnasialen Lateinunterricht vorsieht. Es ist wirklich verblüffend: Die PSMS-Vorträge erweisen sich mehr und mehr als Ergänzung zum bayerischen Lehrplan für Latein! Man kann hier also erfahren, was Caesar vor dem Rubiconübergang “fallen (oder hochwerfen) ließ” oder welchen Beinamen sein Gegner hatte und dass der berühmte Vers vixtrix causa deis placuit, sed victa Catoni nicht heißt “Den Göttern gefiel die Ursache als Siegerin, dem Cato als Besiegte”. Aber, wird man einwenden, dass ist doch alles nur Bildung und somit nicht mehr gefragt: Wo bleibt bei der PSMS die Vermittlung von Kompetenz? Oho! Natürlich gehört auch die zu den Dienstleistungen der Gesellschaft. Es ist nämlich so, dass die netten belegten Weißbrotscheiben, die Gummibärln, die Weinflaschen und Bierkästen und alles andere Kulinarische (also nicht Kurrikulare), das nach den Vorträgen angeboten wird, NATÜRLICH eingekauft und für die Gäste zubereitet werden muss. Dafür haben diesmal Nadine Cisar und Julia Fuchs wiederum dankenswerterweise die Verantwortung übernommen. Aber die würden sich natürlich über HelferInnen freuen und wären bereit, diese in Sachen Broteschmieren, Stühleaufstellen, Geschirrspülmaschineanschmeißen usw. durch gründliche Unterweisung so dermaßen kompetent zu machen, dass es kompetenter nicht mehr geht – und ist Kompetenz in Sachen “Catering” nicht das Kompetenteste was es gibt? Lieber Trimalchio, schau mal, Du kannst, statt Dich zu ärgenr, total stolz sein auf Deine PSMS, weil sie offensichtlich die bedeutendste Bildungs- UND Kompetenzanstalt in München, ja vielleicht auf der ganzen Welt ist. Und deshalb laden wir Sie/Euch alle wieder herzlich ein, zu uns zu kommen und mit uns das Jubiläumsjahr zu eröffnen.

Ihre/Eure PSMS

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *