Vortrag am 08. Oktober 2014

Prof. Dr. Christine Walde (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

“Ein Wiener Petron am Vorabend der Katastrophe: Alma Johann Königs unveröffentlichter Roman ‘Das Buch Petron’ von 1914”

Diskussionsleitung: Dr. Margot Neger (Universität Salzburg)

08. Oktober 2014, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

das eminent Petronianisch-Trimalchionische an der “Petronian Society Munich Section” ist, dass unter den 167 bisher von ihr veranstalteten Vorträgen sich nur drei zum Thema “Petron” befanden. Als der Romancier von seinem Freund Martial, der immerhin mit fünf Vorträgen, also stattlichen zwei mehr, vertreten ist, im Elysium darauf aufmerksam gemacht wurde, meinte Petron, dem Manne Petron müsse geholfen werden. Aber wie? Es galt ja, mit Erdlingen in Kontakt zu treten. Aber Hektor, der grad vorbeiging und dabei war, endlich die Aeneis zu lesen, wusste Rat: Er hatte im zweiten Buch erfahren, dass er (was ihm ganz neu war) dem Penatentransporteur im Traum erschienen sei, und empfahl nun dem Petronio, der solle das ebenfalls mit einem Erdling machen. Aber welcher Erdling sollte das sein? Statius, der auch grad vorbeiging und über den noch nie ein Vortrag gehalten wurde, hatte eine gute Idee: Petron solle Christine Walde im Traum erscheinen, weil sie DAS Standardwerk über Traumdarstellungen in der griechisch-römischen Dichtung verfasst hat; Statius wusste das, weil er sich mit “Waldes” bzw. “Wäldern” auskennt und überdies vermutete (genau wusste er es nicht, weil er wie 95% der Latinisten seine Werke nie liest und also auch nicht weiß, ob eine Traumerscheinung drin vorkommt), er sei in Waldes Buch vertreten. Also begab sich Petron des Nachts zu Christine nach Mainz, und um sie erst etwas zu testen, zog er sich so an wie der bei Tacitus porträtierte Petron, von dem er aber nur sein Pseudonym und die Anregung hatte, sich das cognomen “Arbiter” zu geben. Doch Christine, litteris imbuta, fiel nicht drauf rein, sondern sagte: “Petron, wie siehst DU denn aus? Läufst Du wirklich im 2. Jahrhundert noch mit einem Fummel aus der Nerozeit herum?” – “Okay, okay, bist fei scho a ganz a Gscheite, Chrissi! Also, um gleich zur Sache zu kommen: Wenn Du bereits bist, auf Einladung der PSMS in München den vierten Petron-Vortrag (und den ersten im Lyrikkabinett) zu halten, kriegst du auch von mir … ja, verdammt, was kriegen Erdlinge denn eigentlich von Traumerscheinungen? Ich hab das hier noch nie gemacht – hilf mir, Chrissi!” “Sie kriegen natürlich den Ort eines verborgenen Schatzes verraten, Du depperter Römer-Depp!” – “Woher willstn wissen, dass ich Römer bin? Identifizierste mich vielleicht doch mit dem affigen Show-suicidal bei Tacitus? Nun denn. Also, vergraben in der Wiener Stadtbibliothek liegt das vergessene Manuskript eines Romans über mich von 1914, der nie publiziert wurde, aber nun genauso 100 Jahre alt ist wie “Ich-kenne- keine-Parteien-ich-kenne-nur-Deutsche” – das ist doch ein toller Schatz, oder?” – “(Schluck!) Ja, okay, ja. Aber gallus gallinaceus cantavit, mein Bester – schaug, dass d’ di wieder in dei Elysium schleichst, dei breißisches!” “Vale, Christina!” – “Vale, wie immer du wirklich heißt!” Also, Christine hat inzwischen ihren Schatz ausgegraben und wird ihn vor unseren Augen ausbreiten. Und unsere liebe Margot wird sie moderieren. Auch sie hatte eine Traumerscheinung: Statius stand an ihrem Bett, heulte ihr die Ohren voll und sagte, zum Dank dafür, dass er Petron den guten Tipp mit Christine gegeben habe, müsse die PSMS, deren Vorstandsmitglied Margot ist, einen Vortrag über ihn veranstalten. Noch in der Nacht rief Margot ihren charmanten Salzburger Kollegen Gottfried Kreuz an, der gerade nocturna manu (oder wie ein Ami so richtig ami-deppert schreiben würde: “with nocturna manu”) in den Wäldern blätterte, und der erklärte sich spontan für den 13. Mai 2015 bereit. Wunderbar, lieber Gottfried, aber jetzt wollen wir erst einmal Christine Walde über ihren Fund hören, und dazu sowie zur Petronian Party lädt sehr herzlich ein

Ihre/Eure PSMS

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