Vortrag am 21. Mai 2014

Head of                                                                             Prof. Dr. Dennis Pausch (Universität Regensburg)

“Alexander in der Toga? Techniken der Aktualisierung bei Curtius Rufus zwischen delectare und prodesse

Diskussionsleitung: Johannes Zenk (Universität Bamberg)

21.05.2014, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

als Merkbeispiel für konjunktivische Relativsätze mit kausalem Nebensinn verwenden die Schulgrammatiken gerne “O fortunate adulescens, qui Homerum virtutis tuae praeconem inveneris!” Das nämlich soll Alexander der Große am Grab des Peliden Achilles in der Troas schmerzlich ausgerufen haben, weil er für seine Person nicht mit einem Homer als dem Verkünder seiner Taten rechnete. Offenbar hörte ihn aber eine Seele im Elysium, die irgendwann in der Kaiserzeit per Metempsychose zum Historiographen werden sollte. Diese Seele freute sich narrisch darüber, dass Alexander seinen Satz auf Lateinisch gesagt und dabei einen so schönen konjunktivischen Relativsatz mit kausalem Nebensinn gesagt, ja sogar die schwierigen Formen richtig gebildet hatte (wie Brian “Romanos eunt domus” vor der soldatischen Lateinstunde centurionis Johannis Cleese). Deshalb beschloss diese Seele in Absprache mit Pluto und Proserpina, nach erneutem Betreten der Oberwelt – das erfolgte dann irgendwann zwischen den Zeiten des Augustus und Konstantin – unter dem Namen Curtius Rufus in einem auf Lateinisch geschriebenen Geschichtswerk, welches viele konjunktivische Nebensätze mit kausalem Nebensinn enthalten würde, die Tugend Alexanders zu preisen. Selbiges war auch bitter nötig, weil ein anderer auf Lateinisch schreibender Geschichtsschreiber den Alexandrum zuvor schnöde herabgesetzt hatte: Titus Livius, welcher nämlich respektlos behauptete, dass, wenn der Makedonenkönig es gewagt hätte, mit seinem Heer Rom anzugreifen, er von dessen unbesiegbaren Feldherrn ziemlich was auf die Rübe gekriegt hätte und einfach fertig gemacht worden wäre. An sich hatte Curtius Rufus nichts gegen Livius – im Gegenteil: er nahm den Vorgänger in vielerlei Hinsicht zu seinem Vorbild. Aber er musste, als er auf seinen Seelenwanderungen mal wieder im Elysium weilte, schmerzlich feststellen, dass seinem Vorbild im 20./21. Jahrhundert weit mehr Forscherinteresse entgegengebracht wurde als ihm; ein irgendwann Ende des 20. Jahrhunderts über ihn gehaltenes PSMS-Kolloquium konnte den armen Curtius nicht so richtig trösten, zumal kein Sammelband in der Reihe “Classica Monacensia” dabei heraussprang. Den Livius beneidete Curtius besonders um einen ganz bestimmten Forscher, und so seufzte er immer wieder: “O fortunate historiographe, qui Dionysium Pausch artis tuae scribendi interpretem inveneris!” Das aber drang an das Ohr des von Curtius Genannten, der an der Uni Regensburg lehrt und den Sie/Ihr bereits als praeco und interpres von David “Oswald” Engels kennengelernt haben/habt, und so beschloss Dennis Pausch, der schon an ihn ergangenen Einladung der PSMS nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, mit einem Livius-, sondern einem Curtius Rufus-Vortrag nachzukommen. Zwar hatte der für ihn als Diskussionsleiter auserkorene Johannes Zenk, der an der Uni Bamberg lehrt, sich auf Livius eingestellt, weil auch er über ihn forscht, aber er sieht ebenfalls ein, dass Curtius Rufus jetzt einfach mal dran ist. Schade, dass dieser nicht selber erscheint, weil er dann direkt gefragt werden könnte, wann genau zwischen Augustus und Konstantin seine Seele die “Historia Alexandri” verfasste und – das hätte speziell Trimalchio ganz gerne gewusst – ob er zufällig Petron kannte, über dessen Lebensdaten mittlerweile ebenfalls Unsicherheit herrscht. Aber es kommen ja auf jeden Fall zwei nette livianische Curtianer, noch dazu aus je einer besonders schönen Dom-Stadt unseres schönen Bayernlandes, und dazu lädt

Ihre/Eure PSMS

wieder ganz herzlich ein.

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