Die PETRONIAN SOCIETY MUNICH SECTION (PSMS) wurde am 9. Januar 1991 durch eine kleine Gruppe von Studenten, Doktoranden und Dozenten des damaligen Instituts für Klassische Philologie an der Ludwig-Maximilans-Universität München als Tochtergesellschaft der seit 1970 in den USA existierenden PETRONIAN SOCIETY gegründet. Bald darauf erfolgte die offizielle Anerkennung durch die Dachorganisation mit folgender Bekanntmachung in PETRONIAN SOCIETY NEWSLETTER 21, 1991, S. 6:
SPECIAL ANNOUNCEMENT
Prof. Holzberg has asked me to bring to your notice something which might be of general interest here. Every semester, i.e. from November to February and May to July, he holds a weekly colloquium at the University of Munich on the ancient novel. The participants are in the main graduate students who have either completed or are still working on their theses or essays on a variety of problems connected with the ancient novel. These young scholars would no doubt greatly benefit from any contributions made by colleagues working on similar themes or simply from the opportunity to exchange ideas with new faces from outside. This is therefore an open invitation to all who happen to be in or near Munich on a Wednesday evening from 7-9 o’clock during term time and would care to join them.
Prof. Holzberg also reports the formation of the Munich Section of the Petronian Society. Like IBM, BMW, Glaxo, Bayer, Holiday Inn, and other successful giants, the Petronian Society is pleased to break the news of its expansion via franchizing. (A personal note: Prof. Holzberg’s family has expanded with the birth of a son, Daniel, who will eventually take the helm of the Munich Section of the Society.)
Bei der PSMS handelt es sich nicht um einen Verein mit festen Mitgliedern und Statuten, sondern um eine Gruppe von Freunden der antiken Poesie und Prosa, die sich vorrangig für literarische Werke im engeren Sinne und hier insbesondere für eine ganz bestimmte Sorte von Texten der griechischen und lateinischen Literatur interessieren: diejenigen, welche sich nicht so recht in die Kategorie „edle Einfalt und stille Größe“ einordnen lassen und deshalb von der traditionellen Klassischen Philologie bis in jüngste Zeit eher stiefmütterlich behandelt wurden. Dazu gehören vor allem Romane wie derjenige Petrons oder die Vita Aesopi, erotische Poesie wie Ovids carmina amatoria, Martials Epigramme oder das Corpus Priapeorum und literarische Pseudepigrapha verschiedenster Art wie die Sammlungen von Briefen berühmter Griechen oder die zur Appendix Vergiliana gezählten Werke. Über solche Texte wurde in regelmäßig stattfindenden Kolloquien diskutiert, was die Voraussetzung sowohl für Publikationenals auch für das Gespräch mit auswärtigen Freunden der PSMS im Rahmen von Gastvortragsabenden schuf.
Was die Publikationen betrifft, entstanden sie teils als akademische Arbeiten, Aufsätze und Rezensionen einzelner Teilnehmer der Kolloquien, teils liegen sie als Sammlungen von Aufsätzen vor, die, von „Mitgliedern“ der PSMS verfaßt, dreimal in je einem Band der wissenschaftlichen Reihe Classica Monacensia und einmal in einem Band der fachdidaktischen Reihe Auxilia vereint wurden. Während der Vorbereitung wurden meist umfangreiche Bibliographien erstellt.
Die PSMS verfügt nur über begrenzte finanzielle Mittel, die sie ausschließlich Spenden verdankt. Deshalb werden die Vortragsabende allein dadurch ermöglicht, daß die nach München kommenden Wissenschaftler ihren Besuch mit einer Forschungsreise (zum Beispiel zur Arbeitsstelle des Thesaurus Linguae Latinae) oder einem Urlaubsaufenthalt verbinden, also die Finanzierung ihres iter Monacense selbst organisieren (und gleichzeitig großzügig auf ein Honorar verzichten). Für Übernachtungsmöglichkeiten und Verköstigung sorgt die PSMS, wobei die im Anschluß an den Vortrag stattfindende „Petronian Party“ (ein von der Dachorganisation übernommenes Ritual) eine wichtige Rolle spielt. Dank der Bereitschaft von Klassischen Philologen in aller Welt, unter den genannten Bedingungen auf Einladung der PSMS zu deren „Mitgliedern“, Studenten und Dozenten der Gräzistik/Latinistik in München sowie zu geladenen Gästen zu sprechen – als Veranstaltungsort stellt mittlerweile dankenswerterweise das Münchner Lyrikkabinett seine Räume zur Verfügung –, kamen bisher 139 Vortragsabende zustande; viele Vorträge sind bereits publiziert, wobei in der Regel auf die Einladung durch die PSMS und die Diskussion nach dem Vortrag verwiesen ist. In Anknüpfung an das oben zitierte „Special Announcement“ ergeht hiermit die erneute Aufforderung an Wissenschaftler, die von sich aus an der Abhaltung eines Vortrages interessiert sind, mit der PSMS in Kontakt zu treten. Wir würden uns freuen, wenn auch auf diese Weise ermöglicht wird, daß wir bald zu unserem 150. Vortrag einladen können.