Vortrag am 26. Juni 2013

Werner Dresken und Jörg Epping            (St. Ursula-Gymnasium Düsseldorf)

“Kein Griechisch? Das geht gar nicht”! Erfahrungen mit einer Griechisch-AG an einem Gymnasium ohne Griechisch

Diskussionsleitung: Bernhard Georg (Albert-Einstein-Gymnasium München)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

damit, dass wir dank der modernen Kommunikationslektronik allmählich in Urzeiten der Vor-Schriftlichkeit zurückverfallen, hat Trimalchio sich abgefunden, weil es eh nicht mehr zu ändern ist. Aber dass uns in einem Punkt sogar Verhältnisse des Mittelalters drohen, will ihm nun doch nicht behagen. Denn damals dürfte das westliche Abendland insofern den Gipfel an Barbarei erreicht haben, als immer dann, wenn man bei der Lektüre lateinischen Codices mitten im sprachlich vertrauten Text (z.B. im Kommentar Donats zu Terenz) auf Griechisch stieß, gerufen wurde: “Graeca sunt, non leguntur!” Immerhin musste ein Bischof imstande sein, bei der Einweihung einer Kirche ein griechisches und lateinisches Alphabet in Form eines Andreaskreuzes auf den Boden zu schreiben (wobei vielleicht so mancher frommer Würdenträger darunter war, der bei beiden Schriftsystemen nicht wusste, was die einzelnen von ihm hingekrakelten Zeichen bedeuteten). Aber die frühe Neuzeit brachte zum Glück eine Greek Invasion, die immerhin bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts so weit nachwirkte, dass jeder, der sich an einer deutschen Universiät habilitieren wollte, das Graecum vorweisen musste. Heute dagegen kann es passieren, dass ein Germanist, der auf ein aus der Sprache von Alt-Hellas entlehntes deutsches Wort stößt, es falsch versteht. So las Trimalchio kürzlich eine Geschichte von Hans Sachs, in welcher der Teufel an einem “sambstag” im Februar sagt, er wolle am “pfintztag” wiederkommen, und fand dann in der Paraphrase einer jungen Forscherin die Erklärung, der Höllenchef werde sich an “Pfingsten” wieder zeigen. So lange hätte Luzifer auf das Abschleppen einer sündigen Seele warten sollen? Nein, nicht einmal eine Woche, denn aus “pémpte” (sc. heméra) ward einst zur Bezeichnung des Donners- als des 5. Tages (ab Sonntag gerechnet) per Lautverschiebung das Lexem, das heute noch in oberbayerischen Rückzugsgebieten in der Form “Pfinzer” gebraucht wird, so dass Gründonnerstag “Speispfinzer” heißen kann – dies wurde jedenfalls dem Trimalchio gesagt, als er als Speis einmal ausnahmsweise Schweinshaxe vorsetzte und deshalb Gäste aus Babensham an seiner Tafel saßen. Tja, aber was machen wir, wenn sogar von unseren Germanisten Graeca non leguntur? Wir müssen zwei besonders glühende Fans des Griechischen als eines Schulfaches, Werner Dresken und Jörg Epping, die es an einem nicht-humanistischen Gymnasium in Düsseldorf immer wieder schaffen, dass eine große Anzahl von Schülern in ihrer Freizeit paideúo, paidéueis  … konjugieren, bei uns darüber reden lassen, wie genau sie es fertigbringen, dass ihre Arbeitsgemeinschaft sich größter Beliebtheit erfreut und sogar schon die Presse höchst beeindruckt darüber berichtete. Nun, es könnte sein, dass sie die 16-18jährigen erst mit Uzo trunken machen, damit diese sich für die AG einschreiben, und z.B. den Epheben unter ihnen außer weiterem Frei-Uzo ein Mädchen von Piräus versprechen. Oder aber Werner und Jörg haben eine praktikable pädagogische Methode entwickelt, nach der sie das Jungvolk WIRKLICH für die glôtta der Hellenen zu begeistern vermögen, so dass wir das dann alle nachahmen und den Weg aus dem Mittelalter wieder herausfinden können. Wer’s nicht glaubt, dass das unbedingt notwendig ist, damit nicht nur die Babenshamer wissen, welcher (hochddeutsch anders benannte) Wochentag mit “Irter”, abgeleitet aus “Eritag”, gemeint ist, kriegt anschließend bei der Petronian Party keinen Uzo und schon gar kein Mädchen von Piräus.

Droht
Ihre/Eure PSMS

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