Vortrag am 16. Mai 2012

Professor Dr. Martin Korenjak (Universität Innsbruck)

“Tod in Athen: Was geschah mit Antipatros von Askalon?”

Diskussionsleitung: Stephanie Seibold (Universität München)

16. Mai 2012, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

antike Grabmäler haben so ihre Eigenheiten. So bietet Trimalchios Beitrag zu diesem Thema (Sat. 71,6-12) außer einer Art mise en abyme seines Gastmahls doch auch die Gelegenheit zum Rätselraten, und zwar insofern, als man sich prüfen darf, ob noch erinnerlich ist, wo vorher im Text von Gladiator Petraites oder von dem Lustknaben des Gastgebers die Rede war; wahrscheinlich wendet sich dieser damit an die eifrigen Schäflein von Christiane Lehle oder Maria Krichbaumer oder Matthias Ludolph, auf dass die üben, daraus Zusatzfragen zu einer Petron-Schulaufgabe zu basteln. Es gibt nun aber auch ein Grabmal, das nicht nur Schulaufgabenschmiede, sondern sogar Detektive auf den Plan ruft, weil mit demjenigen, der unter ihm ruht, Antipatros von Askalon, etwas Mysteriöses geschah: Wir sehen auf dem monumentum in der Mitte einen aufgebahrten nackten Leichnam, links einen sich aufbäumenden Löwen und rechts den Körper eines nackten Mannes, der einen Schiffsbug oder was immer als Kopf hat – total verrückt! – und mit ausgestreckten Armen den Übergriff des Löwen auf den Toten abwehrt.  Zwar kombiniert das Grabmal das Rebus mit einer Aufschrift, aber nicht in erhellender Weise, sondern eher in einer für Werner Suerbaum, den verdienten Erforscher des Phänomens Bild & Text, interessanten Manier, da das sechszeilige Epigramm weitere Rätsel aufgibt, u.a. mit zwei Hapaxen. Zwei Detektive, die beide einen Bezug zu München haben, Tonio Hölscher, der Sohn des unvergesslichen Griechichordinarius, und Peter von Möllerndorff, einst Assistent von dessen Nachfolger und Nachnachfolger, versuchten das Rätsel bereits zu lösen, aber Martin Korenjak, unser Vortragender, hat sich nochmals den Sherlock-Holmes-Hut aufgesetzt und zu Geige und Vergrößerungsglas gegriffen, um eine eigene Deutung zu geben. Jetzt kann man natürlich wiederum rätseln, warum er, noch nicht lange als Nachfolger von Karlheinz Töchterle nach Innsbruck berufen und dort Herr einer Truppe von Neolatinisten, ausgerechnet einen griechischen Grabmalkrimi zu seinem Thema gemacht hat. Will er das Vorurteil wiederlegen, dass Deutschlands Latinisten sich nur noch für epigonale Spätprodukte der Latinität interessieren? Aber warum dann gleich Antipatros von Askalon, wenn als non-neolatinistisches Alibi doch z.B. das Grab-Mahl des Trimalchio genügt hätte? Und wer ist überhaupt seine Moderatorin Stefanie Seibold, was hat sie mit Athen, Antipatros von Askalon und Martin Korenjak zu tun? Nun, das kann man/frau herausfinden, wenn man/frau am 16.5.12 wieder zu uns kommt. Dann gibt es ja auch nicht (wie letzten Mittwoch) für das Fernbleiben die Ausrede eines Elfmeterschießens, das stattfindet, wenn die Annelies schon längst ihr Rucksäckchen gepackt hat und die oben genannten Schäflein schon längst im Bett liegen, weil sie am nächsten Tag vor 8 wieder zum Dienst antreten müssen und nicht, wie während der Studienzeit, dann erst schlafen gehen. Ob Ernst Sigot, falls er wieder kommt (was uns natürlich freuen würde), eine funktionierende Lautsprecheranlage vorfindet, weiß freilich noch niemand, aber auf ein Rätsel mehr oder weniger kommt es nicht an.

Findet jedenfalls
Ihre/Eure PSMS

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