Christoph W. Bauer (Innsbruck) liest aus seinem Lyrikband “mein lieben mein hassen mein mittendrin du”
Diskussionsleitung: Ernst Sigot (Klagenfurt)
25. April 2012, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,
Trimalchio hat seinen außeritalischen Ländereien neben Sicilia und Africa nun auch Austria hinzugefügt, und deshalb veranstaltet er einen Österreichischen Sommer. Außer Christoph W. Bauer, zu dessen Lesung diesmal eingeladen wird, haben sich angesagt: Innsbrucks neuer Latein-Ordinarius und Spezialist für Tiroler Neulatein Martin Korenjak für den 16.5., Österreichs Wissenschaftsminister und Stubaitalexperte Karlheinz Töchterle für den 6.6. und die zwar im preußischen Potsdam auf dem lateinischen Lehrstuhl sitzende, aber (wie unser Vorstandsmitglied Margot) jede zweite Woche nach Graz fliegende Phaedrusexpertin Ursula Gärtner für den 18.7. Mit der Lesung des Catull-inspiriert liebenden und hassenden C.W. Bauer greift Trimalchio auf etwas zurück, was seit den Neunzigern nicht mehr stattgefunden hat: die PSMS-Lesung eines Autors. Wir hatten das damals immerhin dreimal: mit Michael Zeller am 24.2.92, Raphael Seligmann am 19.1.94 und Volker Ebersbach am 27.2.97. Es war halt inzwischen so, dass Trimalchio immer meinte, es gebe eh keinen besseren Dichter als ihn und deshalb müsse er, wenn schon, denn schon, selber lesen. Klar, er hat ja an seiner Tafel einen Hasen, der mit Federn geschmückt ist und deshalb wie Pegasus aussieht, und sein Epigramm “Ách, wir Élenden, wíe doch das gánze Ménschelein níchts ist …” (eheu nos miseros, quam totus homuncio nil est …) hält er für den besten Text, der je geschrieben wurde, weil dieser über die conditio humana mehr aussage als die gesamte antike Philosophie (Vielleicht hat er ja sogar recht). Aber nun bekam er Konkurrenz von einem Bewohner seines neuen Landbesitzes, dem trefflichen Christoph, und da das Münchner Lyrikkabinett dankenswerterweise versprochen hat, diesmal nicht nur seine Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, sondern auch etwas dazu zu geben – Trimalchio kann das gebrauchen, weil er neben seiner berühmten griechischen Bibliothek auch ein griechisches Bankkonto hat -, lässt Trimalchio sich darauf ein zu überprüfen, ob Christophs Gedichte das hohe Niveau des gerade anzitierten Epigramms erreichen. Wenn Christoph den lyrischen Wettbewerb gewinnt, wird Trimalchio zum Zeichen seiner Verehrung für den größeren Poeten dann vor uns allen die wunderbare Szene wiederholen, in der sein triefäugiger, ältlich wirkender, schmutzigzahniger Lustknabe Croesus zusammen mit dessen schwarzem, unanständig fettem Schoßhündchen auf ihm reitet, und danach mausert sich dann vielleicht auch noch Croesus zum Dichter und publiziert einen Band mit dem Titel “mein besteigen mein reiten mein du unter mir”. Also, es wird auch diesmal sicher wieder ein unvergesslicher Abend, zumal obendrein wieder – das gab es lange nicht mehr – der Moderator aus weiter Ferne anreist: Ernst Sigot, Bauer-Förderer und Bauer-Freund der ersten Stunde und zugleich Magister an genau dem Bundesgymnasium in Maria Saal bei Klagenfurt, an dem einst Peter Handke der Hintern versohlt wurde (nein, nicht Günter Grass) – schon von daher weiß der Ernst genau, wie man mit einem Poeten richtig umgeht. Kurz und gut, kommen Sie/kommt wieder alle in Scharen, lauscht der Lesung und labt euch lecker an den von Henrietta Magistra und ihrem Cena-Team bereiteten Speisen, auf dass über Sie/Euch nicht sagen kann “Ách, wir Élenden, wíe doch das gánze Ménschelein níchts isst”
Ihre/Eure PSMS