Dr. Thomas Poiss (Humboldt-Universität zu Berlin): 
“Dichter für Dichter”: Prinzipielles zur Ars Poetica des Horaz
Diskussionsleitung: Professor Dr. Thomas Schirren (Universität Salzburg)
08. Februar 2012, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,
die Cena Trimalchionis findet offensichtlich – das haben neuere Untersuchungen wahrscheinlich machen können – immer wieder statt, vermutlich sogar jeden Abend, so dass Ich-Erzähler Enkolp, ohne es zu wissen (und deshalb macht er sich ja auch lächerlich), eine von zahllosen Reprisen erlebt. Aber hatten wir auch schon die Reprise einer PSMS-Veranstaltung? Viele dieser Abende hätten sich dazu angeboten, zuletzt der vor 11 Tagen mit Werner von Koppenfels, dem die zum Verkauf angebotenen Exemplare seiner von ihm vorgestellten Erasmus-Bilingue förmlich aus der Hand gerissen wurden (wenn auch mehr von Studenten, die wenig Geld haben, als von hochbezahlten Akademikern). Ja, und wer sich in den Annalen der PSMS auskennt, weiß, dass in unserer Einladung zum Abend des 20.10.2010, dieses wunderbaren Datums, derselbe Sprecher mit demselben Thema angekündigt war wie auf dem Einladungsposter, das an dieser mail hängt: Thomas Poiss, Berlin, “‘Dichter für Dichter’. Prinzipielles zur Ars poetica des Horaz”; Diskussionsleitung: Thomas Schirren, Salzburg. War es eine solche Bravour der beiden Thomasse, dass wir um Wiederholung gebeten wurden? Denkbar wäre es, weil beide die ihnen damals zugewiesene Rolle bekanntlich exzellent zu spielen vermögen. Aber es ist noch viel besser und trimalchionischer: Thomas Poiss erschien nicht, und Thomas Schirren übernahm, nur ganz kurzfristig benachrichtigt, den Vortrag und die Diskussionsleitung in Personalunion, wobei er sogar über die Ars poetica sprach. Nun, wen wundert’s? Wer in die Stadt des Donnerblitzbubs Wolfgang Amadeus berufen wird, muss halt ebenfalls ein Donnerblitzbub sein, und es hat sich nun gezeigt, dass Thomas Schirren wirklich einer ist. Aber Thomas Poiss ist auch einer. Denn er kann von sich sowohl sagen (wie einst Präsident Kennedy) “Ich bin ein Berliner” als auch “Ich bin ein Wiener” (wie unsere liebe Claudia durchaus nicht, denn sie ist allenfalls auf Englisch “a Wiener”, sonst aber eine Wiener), so dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Trotzdem muss auch er sich immer wieder dem trimalchionischen Kommersregular fügen, und darum hat er als Datum für seinen zweiten Versuch einen Februartag gewählt, an dem die Chance, dass sein Flugzeug wegen einer Winterkatastophe in Berlin nicht abheben kann, bei 95% liegt. Und überdies besteht die Möglichkeit, dass der Donnerblitzbub diesmal nicht einspringen kann, falls nämlich Salzburg unter einer Schneelawine begraben liegt. Aber was machen wir dann? Selbst der von uns allen wohl Gelehrteste, der Graf Gries, kriegt vielleicht keinen Ars poetica-Vortrag schnell aus der Hüfte zustande. Aber es gäbe ja noch andere Möglichkeiten. So könnte z.B. der geniale Personenimitator Markus Janka diesmal statt eines e-mail-Ratens ein extra schlechtes Nachahmen seiner Kollegen bieten, was das Raten besonders knifflich machen würde, und als Preise für die, welche die absichtlich schlecht Gemimten (z.B. Wilfried Stroh mit bayerischem statt württembergischen Schwäbisch) trotzdem erkennen, keine Schokoladenweihnachtsmänner, sondern wohlschmeckend frische Berliner und Wiener verteilen. Oder die Cena-Crew der Henrietta Fulvia könnte die schon legendär gewordene Szene mit der mirakulösen Türöffnung des 19.11.11 als Sketch unter dem Titel Martinus non exclusus ex cabinetto nachspielen, wobei dann die 110-Anruferin Udalrica Siebenburgensis nicht sagt, es sei falscher Alarm, sondern es werde eingebrochen, und wir dann mal schauen, wie viele Grüne mit Maschinenpistolen angerückt kommen, um das aufreizende Gemälde hinter dem Vortragspult und den Boxsack rechts im Eck vor dem Zugriff der Gauner zu retten. Oder Werner Suerbaum könnte uns alle, weil wir uns vielleicht plötzlich gar nicht wohlfühlen im doppelt-thomasisch verwaisten Kabinett, nach nebenan in seine Wohnung einladen, wo wir dann die Nacht durchsaufen könnten, was im Kabinett nicht geht. Oder, oder, oder – im Zeichen Trimalchios läuft immer was Besonderes, und darum lohnt es sich auch diesmal wieder, zu uns zu kommen.
Meint wie immer
Ihre/Eure PSMS