Vortrag am 14. November 2018

Robert Reisacher (Augsburg)
“Raus aus dem Buch, rein ins Leben” – Schauplätze von Cäsars Bellum Gallicum im Original erkundet
Diskussionsleitung: Niklas Holzberg (München)
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,
Es gibt die bekannte Geschichte, derzufolge Caesar, als seine Freunde beim gemeinsamen Vorbeimarsch an einem Alpendorf witzelnd fragten, ob es auch dort wohl Bewerbungen um Ämter, Rangstreitigkeiten um die Spitzenstellen und gegenseitigen Neid unter den Mächtigen gebe, zu ihnen sagte: “Ich persönlich wollte doch lieber bei diesen Leuten der Erste sein als bei den Römern der Zweite!” In einer der Handschriften, die den Text überliefern, steht nun statt “Alpendorf” “Schwabendorf”, was ja so ähnlich ist, dass es die korrekte Lesart sein könnte, wenn nicht sogar die lectio difficilior, und deshalb meinen viele Gelehrte, es sei damit Gersthofen bei Augsburg gemeint. Das MUSS auch gemeint sein, denn wie wäre sonst ausgerechnet der Gersthofener Gymnasiallehrer Robert Reisacher auf die Idee gekommen, sich zu verschiedenen Stätten zu begeben, an denen Caesar nachweislich wirkte, um archäologisch zu eruieren, wie die heute aussehen, und uns nun einen Vortrag darüber zu halten? Sein Schwabendorf als Ort einer der prominensten Caesar-Geschichten hat ihn halt einfach zu seiner nicht genug zu preisenden Aktion inspiriert! Gersthofen ist ja allein schon deshalb berühmt, weil es der Schauplatz von Geschichten in vier Meisterliedern des Hans Sachs ist. In einem davon z.B., verfasst am 20.2.1553 und zu singen in der Abenteuerweise des Hans Folz – das Incipit lautet: “Ain dorff ligt in dem Schwabenlant, / Gersthoffen so ist es genant” -, hilft ein Mönch, der gerade terminiert (Judith weiß, was das Verb hier bedeutet), einer Bäuerin und ihrer Magd bei der Suche nach einer Spinnwirtel und dabei verwechseln beide, als der Münch sich einmal mit seiner “kutten hoch aufgeschuerzt” bückt, seine dabei sichtbar werdenden Hoden (“des münichs glockelwerck”) mit zwei Spinnwirteln und verdächtigen ihn, mit denen fliehen zu wollen. Um die (vermeintlichen) Spinnwirteln wiederzuerhalten, kastrieren sie ihn mit einem “protmesser”, und weil er sich dabei in seiner Angst vor den Frauen nicht wehrt, bekommt er großzügigerweise zwei Stück Käse als Lohn für die sehr nette Bereitschaft zur “Rückgabe”. Fürwahr, in einem Dorf, wo so etwas passiert ist, der Erste zu sein, wäre doch wirklich eine lohnende Aufgabe! Robert Reisacher hat freilich keine Ambitionen, Schultheiß von Gersthofen zu werden; er begnügt sich in Augschburg, wo er zu wohnen vorzieht, weil er in Gerschthofen Verwechslungen wie die gerade berichtete fürchten muss, mit Rang 2. Nein, er wünscht sich lediglich ein interessiertes Publikum, und er hat sich freundlicherweise bereiterklärt, zusammen mit denjenigen, die gscheite Fragen in der anschließenden Diskussion stellen, eine von der PSMS organisierte und finanzierte Exkursion zu den von ihm bereits besichtigten Stätten zu unternehmen. Also auf zu dem gelehrten Robert, seinem Autopsiebericht und seinen Bildern sowie in Bälde mit ihm auf nach Alesia, Bibracte, Guersthoviae Sueborum, Avaricum usw.!!! Die Veranstalter des Abends, von denen einer so begeistert ist von der Identifizierung Gersthofens als des Schwabendorfes in der Caesar-Geschichte, dass er Robert moderieren wird, geloben auch, dass sie bei der Petronian Party KEINE altrömischen Spezialitäten (würg!), sondern das von Lavinia und Maria auch sonst Zubereitete servieren werden (schmatz!). Ist das nicht ein Wort? Und ist das Vortragsthema plus Exkursionsversprechen nicht verlockend?
Fragt, herzlich einladend,
Ihre/Eure PSMS

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