Vortrag am 06. Juni 2018

Professor Dr. Gernot Müller (Universität Eichstätt): “Orte der Philosophie in Rom: Zu einer Topographie philosophischer Reflexion in lateinischer Sprache”)

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Therese Fuhrer (LMU)

06. Juni 2018, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

Als Gernot Müller Trimalchio mitteilte, er werde über Orte der Philosophie in Rom sprechen, war Trimalchio ganz überrascht, dass es dort welche gebe. Denn abgesehen vom Lehrstuhl Philodems von Gadara in Neapel kannte er bis dahin nur einen einzigen bedeutenden Sitz der Weisheit in Italien: sein eigenes Triclinium. Dort brachte er bekanntlich einmal sämtliche von Thales bis Boethius gewonnenen antiken Erkenntnisse über den Menschen als Maß aller Dinge so genial auf den Punkt, dass es künftig eigentlich keiner weiteren Philosophie mehr bedurfte; wir meinen seinen im Angesicht des beweglichen silbernen Skeletts gesprochenen Dreizeiler: “Ach wir Elenden, wie doch das ganze Menschelein nichts is(s)t / So sein werden wir alle, nachdem uns der Orkus tät weghol’n. / Drum lasst uns leben, solang möglich gut esse noch ist.” Epikurs Atome sollen sich, als sie das lasen, vor lauter Neid wieder zum Epikur zusammengesetzt haben, und Seneca im Hades bereute, ut aiunt, seinen übereilten Selbstmord, weil ihm klar war, dass, wenn er statt seiner unendlich vielen, z.T. überlangen Epistulae morales eine solche kosmische Weisheit in drei Versen von sich gegeben hätte, Nero ihn nicht nur gleich wieder zu seinem Reichskanzler gemacht, sondern ihm sogar den Prinzipat übergeben und selbst Selbstmord begangen hätte. Doch Gernot Müller, der schon einmal bei uns vortrug – wie seine Diskussionsleiterin Therese Fuhrer, die damals von Werner Suerbaum moderiert wurde -, wird uns jetzt vielleicht zeigen, dass es in Rom Zentren des Philosophierens gab, an denen die sapientia Trimalchionis noch überboten wurde (falls das möglich ist; wir werden Gernot in der Diskussion nach dem  Cambridger Motto “we want blood on the floor” hart hernehmen). Es kann ja z.B. sein, dass an einem der Orte des Philosophierens auch Phaedrus Schüler um sich sammelte, und nicht etwa solche der Jahrgangsstufe 8 bei der Übergangslektüre, sondern Philosophiestudenten der Exzellenz-Uni Roms. “Der?” Ja, der Fabeldichter. Wie neuere Untersuchungen ergaben, ist sein Name offensichtlich ein Pseudonym, den er sich von dem Phaidros Platons holte, und das mit Blick darauf, dass er in lateinischer Sprache tun würde, was Phaidros’ Gesprächspartner Sokrates laut dem Phaidon im Gefängnis auf Griechisch tat: äsopische Fabeln in Verse umgießen. Nehmen wir z.B. in den Fabeln des Phaedrus das Epimythium zu der Geschichte vom Glatzkopf (5,6). Dieser sieht, dass ein anderer Glatzkopf einen Glücksfund gemacht haben muss, und will an dessen Glück teilhaben. Dann aber muss er erkennen, dass es sich um einen Kamm handelt, und das Epimythium lautet: “Wen seine Hoffnung trog, dem steht das Klagen an.” Ist dieser jambische Senar nicht NOCH philosophischer als Trimalchios hexametrisch/pentametrischer Dreizeiler? Nun, warten wir voll Spannung ab, welche philosophi RomaniGernot Müller in den Denkerbuden der ewigen Stadt aufspüren wird. Und da Stumpf/Oberlinner Catering Ltd. wieder üppig zu Tisch bittet – hier wird Trimalchio auf jeden Fall total getoppt -, verspricht auch der 201. Vortrag mit Sicherheit ein Vortragsabend zu werden, an dem teilzunehmen sich unbedingt lohnt.

Weiß jetzt schon

Ihre/Eure PSMS