Vortrag am 16. Mai 2018

Otto Ritter, MA (Universität Erfurt)
“Komödien, Kaninchen, kurulische Ädile: Zum “Beginn” der lateinischen Literatur”
Diskussionsleitung: Julian Zwirglmaier (Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus”
16. Mai 2018, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

diese Einladung zu einem PSMS-Vortrag am 16.5.2018, ist, weil es sich um den 200. Trimalchio-Abend nach dem ersten am 15.5.1991 handelt, dem ältesten und herzlichsten Freund der PSMS gewidmet, Werner Suerbaum – allein schon deswegen, weil er auf die Einladungen stets sehr ausführlich reagiert und meist die dort entwickelten trimalchionisch-satirischen Überlegungen geistreich und höchst amüsant weiterspinnt. Speziell für ihn wurde auch Otto Ritters Vortrag über die Anfänge der lateinischen Literatur gewählt, da er mit seiner Jahrhundertleistung, der Herausgabe von Band 1 des Handbuchs der lateinischen Literatur, eben dieses Feld wegweisend beackerte. Ebenso gezielt entschieden wir uns für Julian Zwirglmaier vom Kultusministerium als Diskussionsleiter, weil Werner Suerbaum einst das Weltwunder gelang, diese Institution zur Aufnahme einer (höchst sinnvollen!) Interpretationsklausur unter die Staatsexamensklausuren in Latein und Griechisch zu bewegen. Die beide Erkorenen gehören überdies zur jüngsten Riege der Vortragenden und Diskussionsleiter, sowohl weil Werner Suerbaum nicht zuletzt in seinem Witz und in seiner Aufgeschlossenheit für alles und jedes ebenfalls ausgesprochen jung ist, als auch weil es weitergehen soll mit der PSMS, was halt die Jungen leisten müssten.

Eine besondere Vorliebe hat Werner Suerbaum für Statistiken, und deshalb bekommt er als zusätzliche Gabe eine solche, die von den 200 Vorträgen ausgeht:

1. Außer aus Deutschland kamen Vortragende aus 12 Ländern, 19 aus den USA, 17 aus Großbritannien, 11 aus den Niederlanden, 9 aus Österreich, je 5 aus Italien und der Schweiz, 3 aus Frankreich, 2 aus Griechenland und je eine/r aus Belgien, Kanada, Norwegen und Slowenien; Deutschland war mit 10 Bundesländern vertreten; nur 10 Vortragende gehörten zum Lehrkörper der LMU. Fast alle Vortragende waren Altertumswissenschaftler, es sprachen aber auch 1 Anglist, 5 Germanisten 2 Romanisten und je ein Historiker, ein Indogermanist und ein Theologe. 4x traten zwei Vortragende zusammen auf und moderierten sich gegenseitig (Kofler/Korenjak, Montiglio/Schmeling, Föllinger/Müller, Friepes/Neu).

2. Spitzenreiter unter den Vortragenden ist Kai Brodersen mit 6x; es folgen Michael Hotz und Werner von Koppenfels mit je 4x, Roy Gibson, Andreas Heil, Karlheinz Töchterle und Peter von Möllendorff mit je 3x und weitere 13 nette ZeitgenossInnen, darunter Werner Suerbaum, mit je 2x.

3. Natürlich waren die meisten Diskussionsleiter aus München, aber immerhin 25 kamen von auswärts, darunter 7 aus Österreich, 4 aus den USA, 2 aus Canada und einer aus Slowenien. Am häufigsten moderierte Stefan Merkle, nämlich 15x, dann folgen Sven Lorenz mit 9x, Regina Höschele und Margot Neger mit je 7x, Maria Oberlinner mit 6x, Claudia Wiener mit 5x, Michael Hotz, Markus Janka und Werner von Koppenfels mit je 4x sowie Susanne Gödde, Martin Hose, Katharina Luchner und Stephanie Seibold mit je 3x; weitere 17 nette ZeitgenossInnen, darunter Werner Suerbaum, moderierten je 2x. Der jüngste Diskussionsleiter war Maximilian Maier, damals Abiturient am Wittelsbachergymnasium, jetzt Moderator beim Bayerischen Rundfunk (“früh krümmt sich …”), und besonders hervorgehoben sei Matthias Ludolph, weil er einen englischen Vortrag auf Lateinisch moderierte, sowie Heike Tiefenbacher, weil sie sich als Studienreferendarin im 1. Halbjahr den österreichischen Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle vorzustellen und für ihn die Diskussion zu leiten getraute. Last not least: 4x war ein Ehepartner Moderator des anderen (Montiglio/Schmeling, Höschele/Bing and viceversa, Napoli/Zogg), 1x wurde der Vortragende von seinen 2 Söhnen moderiert (Michael Hotz von Benedikt und Max Hotz).

4. Themen

4.1. Unter den Gattungen, soweit sie speziell thematisiert waren, dominiert naheliegenderweise der antike Roman mit 36x, davon nur 10x Petron; es folgen 9x Epigramm, 8x Fabel, 5x Epos, 4x Tragödie, je 3x Komödie und Satire, 2x Epistolographie, 1x Mimus.

4.2. Bei den Autoren (+ Rezeption) außer den Romanciers führt Ovid mit 19x, unmittelbar gefolgt von Vergil + Ps.-Vergil mit 10x, Horaz mit 8x, Martial mit 7x, Homer mit 5x, Properz mit 4x und Catull mit 3x; weitere Autoren seien einfach aufgezählt: Apollonios von Rhodos, Apuleius, Apologie (2x), Aristophanes, Aristoteles, Augustin, Caesar (2x), Cicero (3x), Curtius Rufus, Epiktet, Euripides, (Ps.)Hesiod, Juvenal (2x), Kallimachos, Livius, Luxorius, Phaedrus (2x), Platon (2x), Plinius d.J. (2x), Rufin der Epigrammatiker, Seneca (2x), Silius Italicus, Sophokles, Statius (2x), Sueton, (Ps.)Tibull, Silius Italicus, Statius (2x); außerdem ging es 1x um “Poetae minores”, 6x um spätantike sowie 7x um mittel- und neulateinische Autoren.

4.3. Weitere Themen waren bestimmte literarische Motive, die augusteische Literaturepoche als Ganzes, Verschiedenes aus dem Bereich der Alten Geschichte, Archäologie, Religion (vertreten durch die 3 internationalen Stars Bremmer, Dowden und Rüpke), Sprachwissenschaft, Metrik und Geschichte der Klassischen Philologie.

4.4. Spezifisch fachdidaktisch waren 8 Vorträge, größtenteils aus den letzten Jahren.

4.5. 4 literarische Lesungen fanden statt (Christoph Bauer, Volker Ebersbach, Rafael Seligmann, Michael Zeller);

4.6. 1 Einführung in ein musikalisches Werk gab es (Alexander Krals Rockoper “Lysistrate”).

4.7. Zu bildender Kunst mit antiker Thematik hörten wir 6 Vorträge, darunter Werner Suerbaum über Vergil-Illustrationen.

4.8. 2 Verlage wurden durch Lektorinnen vorgestellt (De Gruyter, Reclam).

5. Partyhelfer: Seit Regina Höschele im SS 2002 das karge Brezel/Biertragerl-Angebot der vorausgegangenen Jahre richtungsweisend  in ein veritables kaltes Büffett auf trimalchionischem Niveau umgestaltete, haben Generationen von Caterers jedesmal für die perfekte Ausrichtung eines solchen gesorgt; regelrecht professionalisiert wurde die Präparation der Petronian Party in allerjüngster Zeit durch das Stumpf/Oberlinner-Team.

6. Alle 200 Vortragsabende wurden ausschließlich durch Spenden finanziert, zu denen der Verzicht der meisten Vortragenden auf Honorar und Spesen zählt. Als besonders großzügige Mäzene sind Karl Bayer (+), Wilhelm Blum, Regina Höschele, Eckart Kreuzer, Margot Neger, Isolde und Georg Oberlinner sowie Hans Schober (+) zu preisen. Ihnen und den Vortragenden gilt unser Dank ebenso wie den zahllosen Anonymi, die in all den Jahren etwas ins Körbchen legten.

Ihre/Eure PSMS,

die zum 200. Vortrag wieder sehr herzlich einlädt.

Vortrag am 19. April 2018

OStD Michael Hotz (Wilhelmsgymnasium München)
“Frühlingsgefühle – oder: wie entschlüssele ich mit lateinischen Texten die Primavera Botticcellis?”
Diskussionsleitung: Benedikt Hotz und Max Hotz (München)
19.04.2018, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett
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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

grata vice veris et Favoni wird Michael Hotz (der als Münchner weiß, dass Föhn von Favonius kommt) passenderweise den Diskussionsleiter-Hut, den er beim letzten Semesterabschiedsvortrag trug, gegen den des Vortragenden eintauschen, ja sogar in Begleitung kommen – zwar nicht der Grazien (z.B. Margot aus Graz, eine der drei, ist eh nach Salzburg ausgewandert), aber eskortiert von seinen ebenso netten Söhnen Benedikt und Max; sie erscheinen deshalb beide, weil sie seine großartige Möllivorstellungsshow vom 6.2.18 nur zu zweit überbieten zu können glauben. Es ist das vierte Mal, dass der bilderkundige Michael bei uns ikonologisch spricht, und da liegt er ja auch ganz im Trend des Lateinunterrichts: Keines der vielen neuen Lehrbüchern, die um die Wette das KuMi nerven, hat nicht auf jeder Seite mindestens zwei klatschbunte Illustrationen, die kompetent von der öden Grammatik der Übungsstücke in lichtere Gefilde des Geistes führen. Wie arm war doch Trimalchio dran, als er, noch blutjung und verlockend gelockt (29,3), aus Kleinasien Romam gebracht ward und Latein lernte! In seinem Übungsbuch der 5. (damals noch 1.) Klasse aus der Feder des finsteren Raimund Pfister gab’s auf bräunlich-billigem Papier koa oanzigs Buidl, und die amerikanische Militärregierung hatte es trotzdem genehmigt! Stattdessen waren da ewig lange Übungsstücke mit ins Lateinische zu übersetzenden Sätzen, während das Verdeutschen lateinischer Sätze kaum eine Rolle spielte, weil die Fähigkeit dazu ganz selbstverständlich vorausgesetzt wurde. Gut, die Schüler malten, von sich aus kreativ, ihre Bilder damals selbst in die Lateinbücher; Trimalchio erinnert sich, dass sein Banknachbar sogar Buntstifte dabei benutzte und mittelalterliche Marginalillumination überbot. Immerhin hatte es der Lateinlehrer wenigstens mit Farben. Denn zu seinen didaktischen Finessen gehörte es, dass er am Nachmittag vor der Stunde des nächsten Tages, in der er einen neuen Grammatikparagraphen einbimsen würde, sich in die Schule schlich, Beispielsätze an die anschließend von ihm zuzuklappende Tafel schrieb und dabei die Besonderheiten, vor allem die Endungen, mit verschiedenen Kreiden kolorierte. Trimalchio erinnert sich an den genialen Streich, den er und ein paar Freunde, darunter natürlich Steinmetz-to-be Habinnas, dem Lehrer spielten, als er einmal ein Gemälde der verschränkten Relativsätze fabriziert hatte und dann heimgegangen war. Da schlichen sich diese Lausebengel in das Klasszimmer und veränderten die farbigen Stellen so, das alles total falsch wurde. Als der Lehrer dann am nächsten Morgen die Tafel aufklappte, konnte er die Bescherung gar nicht gleich erfassen, weil just sein Oberstudiendirektor, halt der von Trimalchios Humanistischem Gymnasium, der NATÜRLICH auch Altphilologe war, zur Visititation kam und total entsetzt war, dass sein strengster und kompetentester Mann, der für jedes von den acht cum, das einer nicht konnte, hundhammerisch lizensiert eine Riesnwatschn zu applizieren pflegte – Trimalchio schaffte einmal nur sieben, weil er wenigstens das cum vere (“im Frühling”) temporale herbrachte -, bezüglich der Endungen in Relativsätzen offenbar nicht kompetent war. Da diesem OStD die sprichwörtliche Nettigkeit des späteren OStD Michael Hotz fehlte (er war auch kein Bayern-Fan, nicht einmal das!), hätte er am liebsten getobt, aber er wahrte die Form, sagte nur “Bringens des bittschön in Ordnung, Herr Kollege”, und rannte raus. Tja, hätte jener Lateinlehrer mit Bildern oder leichtfasslichen Metaphern gearbeitet – wie erklärt man z.B. Abiturienten, dass amo den Themavokal verschluckt, moneo und audio dagegen nicht? Man sagt ihnen, amo finde ihn appetitlich, moneo dagegen ekelig und audioigitt! -, hätten Trimalchio und seine Freunde ihm diesen Streich nicht so leicht spielen können. Also, Michael Hotzens Vortrag wird nicht nur höchst interessant, sondern auch der modernsten Pädagogik verpflichtet sein, und deshalb lädt zu dem Abend wieder sehr herzlich ein

Ihre/Eure PSMS