Vortrag am 15. November 2017

Unknown-1Dr. Kai Rupprecht (Referatsleiter Kultus in der Hessischen Landesvertretung Berlin)

“Von Göttern, Blitzen und Wassersucht: Die philosophischen Sprachspiele der Horazoden als Primärquelle epikureischer Lebensweisheit im Lateinunterricht der Oberstufe”

Diskussionsleitung: Dr. Sven Lorenz (München)

Mittwoch, 15.11.2017, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

Trimalchio gelingt es immer wieder, mindestens zwei Gäste an seine Tafel zu bringen, die beide etwas machen, was sonst keiner macht. Am 15.11.17 werden es als Vortragender Kai Rupprecht und Sven Lorenz sein, die verbindet, dass sie sich wissenschaftlich mit einem nahezu unbekannten lateinischen Text auseinandergesetzt haben: mit den in der Appendix Vergiliana überlieferten Dirae. Die liest vel duo vel nemo, und schon gar nicht der Vergil-Spezialist Werner Suerbaum, weil ihm nun einmal nichts über die Aeneis geht, und darum sei hier kurz ein summary … halt, nein, diesmal ein sommaire gegeben, weil das ewige Englisch, das heute alles gnadenlos überwuchert, Trimalchio total auf die Nerven geht und er sich deshalb ein sommaire von einem Freund besorgt hat, der für ein Dictionnaire de l’epigramme antique einen Artikel über die Appendix Vergiliana verfasst hat, den aber nie gedruckt sehen wird, weil die meisten Beiträger, darunter auch Mitglieder der PSMS, ihre Artikel nie abliefern werden – also hier: ‘Dans les 183 hexamètres des Dirae (“Malèdictions”), “Virgile” maudit le domaine rural qu’il a perdu suite à sa confiscation et, à partir du vers 104 il déplore la perte de sa Lydie bien-aimée avant de quitter la terre de sa patrie.” Klingt das nicht viel schöner als “Brex-Brex-Brekekex”? Das findet sicher nicht nur unsere Patronin Sonja Hausmann-Stumpf! Doch zurück zu Kai und Sven! Es ist nämlich auch höchst stimmig, dass Kai vorträgt und Sven moderiert, weil Kai eine Dissertation über die Dirae verfasste, Sven dagegen (nur) einen Aufsatz. Und dass Kai in Berlin tätig ist, Sven aus Berlin kommt. Eines Tages – das dürfte 20-25 Jahre zurückliegen – entdeckte Sven nämlich vor der Humboldt-Uni in einer Bücherwühlkiste ein kleines weiß-blaues Büchlein über Martial, und das inspirierte ihn dazu, weiß-blau über Martial zu promovieren, halt in Minga. So entstand die erste wirklich bedeutende wissenschaftliche Monographie über den Epigrammatiker, die in ihrer Bedeutung bis heute nicht übertroffen ist. Kai wiederum hat eine solche Ehrfurcht vor Sven als einem Dirae– und Martial-Forscher, dass er sich entschloss, weder das eine noch das andere Thema zu behandeln, sondern über Epikureisches in den Horazoden zu sprechen und dabei Möglichkeiten der gymnasialen Lektüre zu berücksichtigen. Als Trimalchio, der in ständigen Kontakt mit Werner Scheibmayr steht und ihn oft zu den Freigelassenengesprächen dazu holt, Kai zu bedenken gab, diese Texte seien nicht im weiß-blauen Lehrplan vorgesehen, voraussichtlich auch nicht in dem neuen für G 9, meinte Kai, er werde so überzeugend dafür werben, dass bald sogar mit der Einführung von G 10 zu rechnen sei – dies sicher noch vor der schon im Herbst 2018 anstehenden Wahl -, und da werde dann genügend Unterrichtszeit sogar für Spitzen-Weltliteratur wie die Oden zur Verfügung sein. Ja prima, dann kriegen auch alle Lateinlehrer, die sich nach der Referendarzeit unbeschäftigt sahen, eine Planstelle! Gibt es also einen besseren Anlass, in Scharen zu Kais Vortrag zu kommen und von dem Unterrichtsstoff zu hören, der zur Lösung aller Probleme verhelfen wird? Am End sagt Kai uns sogar, welche Kompetenzen man mit den philosophischen Sprachspielen der Horazoden vermitteln und wie man sie binnendifferenziert vermitteln kann, z.B. anhand eines fachdidaktisch so vielfach auswertbaren, weil tiefgründigen Verses wie Nunc est bibendum! Gewiss, Sven, der inzwischen so weiß-blau geworden ist, dass er nicht einmal mehr “Jümnasjum” sagt, geschweige denn etwas noch “knorke” findet, muss das lokalorientiert kontrollieren, aber das ist ja auch die Aufgabe eines weiß-blauen Diskussionsleiters. Also, es wird sich wieder unbedingt lohnen, zu uns zu kommen!

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