
Dr. Sven Lorenz (Ludwigsgymnasium München)
“Martial und Juvenal”
Diskussionsleitung: Julian Zwirglmaier (Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst)
26.04.2017, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,
auch die letzte Lederhosn, das letzte Dirndl und die letzten Haferlschuah müssen es anerkennen: Ein Saubreiß musste her, damit die LMU von 1997 an zumindest vorübergehend zum Zentrum der internationalen Martial-Forschung werden konnte. Gewiss, dort war schon neun Jahre zuvor ein kleines weißblaues (!) Büchlein mit Ausführungen zu den wichtigsten Aspekten der Interpretation des Epigrammatikers entstanden, als Sven Lorenz, der Vortragende des PSMS-Abends, zu dem hiermit eingeladen wird, im Herbst 1997 erstmals mit dem Autor jenes libellus in der Schwemme des Hofbräuhauses saß. Aber mit dem (ungewohnten) Maßkrug in der Hand legte Sven überzeugend dar, dass z.B. das in dem Büchlein über das Verhältnis Martials zu Domitian Gesagte verfehlt sein dürfte. This was the beginning of a beautiful friendship. Einige Jahre später zeigte Sven in seiner Martialmonographie mit dem Titel “Erotik und Panegyrik: Martials epigrammatische Kaiser” unter anderem, wie der epigrammatische Spaßvogel den Kaiser frech in seine Slapstick-Welt integriert, indem er Domitian vermuten lässt, er, “Marcus”, wolle von diesem ins Wasser geschmissen werden (1,5). Dergleichen machen komische Typen wie Dick und Doof, aber nicht ein Kaiser, es sei denn, er wird zum “epigrammatischen Kaiser” umfunktioniert. Genau dies geschieht aber laut dem Saubreißen Sven, jedoch an der LMU wurde das nicht gleich kapiert. Denn kurz nach dem Erscheinen von Svens Buch in der Reihe der “Classica Monacensia” rief der eine der beiden Herausgeber den anderen entsetzt an und sprach: “Auf dem Buch ist gleich vorne drauf ein schrecklicher Druckfehler. Denn statt ‘Martials epigrammatische Kaiser’ muss es doch wohl ‘Martials epigrammatische Dichtung’ heißen!” Nun, Svens Buch wurde trotzdem ein Erfolg, und so hat er sich nach Publikation vieler weiterer Arbeiten über Martial dem Zeitgenossen Juvenal zugewandt, um sich auch mit den satirischen Kaisern zu beschäftigen. Aber das ist nur die eine Seite seiner Tätigkeit. Die andere ist die eines in Wort und Schrift sehr wirkungsmächtigen Schulmannes, was wiederum wegen seiner saubreißischen Herkunft an ein Wunder grenzt. Denn vom Gymnasialbetrieb im Norden hält man in Bayern wenig, wie z.B. der Autor des weißblauen Martialsbüchleins erfuhr, als er im zarten Jünglingsalter von einer breißischen an eine bayerische Humanistenanstalt überwechselte. Da sagte ihm ein Lehrer, die Sprachenfolge “da oben” sei im Vergleich mit der “hier bei uns” doch wirklich das Allerletzte – “hier bei uns” werde Englisch, ein denkbar unwichtiges Schulfach, vernünftigerweise erst als dritte Fremdsprache nach Latein und Griechisch gelehrt, und in weniger Wochenstunden, jawohl! Und in beiden alten Sprachen werde anders als in Norddeutschland bis in die 9. Klasse überwiegend vom Deutschen ins Lateinische bzw. Griechische übersetzt, wozu die Breißn, die das nicht machen, vermutlich zu deppert seien. Offensichtlich vermochte sich aber der Breiß Sven “hier bei uns” in mehreren Bereichen kräftig durchsetzen (Er lehrt übrigens auch Englisch). Wie das geschehen konnte, wird sein Diskussionsleiter Julian Zwirglmaier von höchster Stelle aus darlegen; er ist zur Zeit Mitarbeiter von Ministerialrat Dr. Rolf Kussl. Noch eine dritte Leistung Svens sei zum Schluss kurz gewürdigt: Als die PSMS am Ende des letzten Jahrtausends ein wenig in die Krise geriet, sich aufzulösen drohte und nur Werner Suerbaum sein Bedauern kundtat – auch mit dem Verstehen dessen, was die PSMS sollte, hatte die LMU sich bis dahin eher schwer getan -, gehörte er zu der Viererbande, die in einem Chambre separée des Ristorante “Il Mulino” die Weiterführung beschloss und so die Grundlage dafür schuf, dass wir nun schon zum 190. Vortrag einladen können. Und dass wieder möglichst viele Interessierte uns die Ehre geben werden,
hofft inständig
Ihre/Eure PSMS