Vortrag am 12. Januar 2017

OStD Michael Hotz (Wilhelmsgymnasium München)

“Bruchladung in Rom – oder: Was hat Phaethon im Vierströmebrunnen zu suchen?

Diskussionsleitung: OStR Georg Otto (Wilhelmsgymnasium München)

Donnerstag, 12.01.2017, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

wie jeder weiß, verwechselt Trimalchio, wenn er von Mythen spricht, manchmal die Personen. So bezeichnet er Hannibal als einen Eroberer Trojas, lässt den Daniel Düsentrieb der Antike, Dädalus, die Niobe ins Trojanische Pferd einsperren und Kassandra ihre Söhne ermorden, die, auf einem seiner Trinkbecher abgebildet, als Tote so realistisch dargestellt sind, dass man glaubt, sie wären lebendig. Liest man nun Kommentare von Altphilologen zu solchen Äußerungen des reichen Freigelassenen, können diese sich nicht genug tun mit ihrem verachtungsvollen Spott über so üble Schnitzer, und sie vergleichen Trimalchio mit ungebildeten Neureichen unserer Zeit, die nach ihrer Rückkehr vom Urlaub in Rom stolz behaupten, sie hätten dort die berühmte Sixtinische Kapelle gehört. Ist ein solcher reader response, den man als communis opinio bezeichnen kann, die einzig mögliche Form der Interpretation? Man muss wissen, dass niemand strenger gegenüber Fehlern ist, die mit der klassischen Antike zu tun haben, als Altphilologen. Für sie, besonders die gestrengen Leiter von Stilkursen, kommen Grammatikschnitzer wie das Setzen eines Konjunktivs Präsens im Nebensatz nach einem historischen Perfekt im Hauptsatz bei Gleichzeitigkeit, also ein Verstoß gegen die consecutio temporum, gleich nach Mord. So eine Einstellung könnte den Blick dafür verstellen, dass Trimalchio, der ja einen aufgeblasenen Rhetor namens Agamemnon und drei fahrende scholastici an der Tafel liegen hat, eingebildete Bildungsbürger wie diese vielleicht ganz bewusst verulkt, und zwar in der Hoffnung, sie würden sich ebenso entsetzen wie einst der treffliche Erlanger Doctorandus Christoph Stöcker in seiner Dissertation “Humor bei Petron”, die unter dem höchst originellen Moddo “Der Drimalllcho, des is scho a rechter Depp, fei echt!” steht. Wenn wir uns also den Titel von Michael Hotzens Vortrag ansehen, “Bruchlandung in Rom – oder was hat Phaethon im Vierströmebrunnen zu suchen?”, könnten wir argwöhnen, hier werde jemand, der den Sohn des Sonnengottes in einen wasserspendenden Born statt in den Po stürzen lässt, ebenso für ungebildet erklärt werden. Vielleicht weist der Michi diesem banausischen Fontifex sogar nach, dass er “Phaethon” ohne das “h” hinter dem “t” schreibt und den Namen nicht nach der im Deutschen für die Aussprache antiker Wörter geltenden lateinischen paenultima-Gesetz auf dem “a” betont, sondern auf dem “e”. O je, das beides wäre ja sogar noch schlimmer als Mord! Zwar würde er dann griechisch betonen, aber man sagt ja auch nicht “Sokrátes” oder “Aischýlos!!! Irgendwie können wir aber nicht glauben, dass der Michi, der doch ein stets ausgesprochen freundlicher Zeitgenosse ist (wie auch sein diesmaliger Diskussionsleiter Georg Ott), sich über Versehen solcher Art erhebt oder sie gar tadelt. Man muss nämlich eines bedenken: Bayern ist eines der wenigen Länder im deutschen Sprachraum, in denen Trimalchio trotz seiner verdrehten Sagenanspielungen insofern die Ehre gegeben wird, als seine Cena einen hohen Stellenwert im gymnasialen Lektüreunterricht hat, während diese z.B. LateinelevInnen in zwei Nachbarländern, Österreich und Baden-Württemberg, kaum bekannt ist. So richtig gewürdigt scheint er uns auch in den Schulen eines weiteren, der Schweiz, nicht gewürdigt zu werden. Aber immerhin hört man munkeln, dass dort jetzt endlich eine Schwestergesellschaft der PSMS gegründet werden soll, nämlich in Basel. Wer da am Werk ist? Dazu kann man leider mit Tacitus und Werner Suerbaum nur sagen: “Nix gwiss woas ma neda!”. Fest steht nur, dass der Initiator der “Petronian Society Basel Section” NICHT der Toni Bierl ist, der doch einst in München studierte, sogar mit dem Merkle, einem Archipetronianus, als etwa gleichaltrigem Kommililitonen! Nun denn, warten wir ab, was aus der Stadt, die vor 500 Jahren alternativ-aufmüpfig genug war, dass sie in ihren Mauern den Druck des griechischen Neuen Testamentes gestattete, obwohl sie damit rechnen musste, dass der Vatikan dieses Buch sofort auf den Index setzen würde (was auch geschah), ja, warten wir ab, was aus dieser Stadt für eine weitere Alternative zum üblichen akademischen Ritual kommen wird. Wir pflücken jetzt erst einmal den Tag und freuen uns auf Michis Vortrag und Schorschis Moderation, veranstaltet von der guten alten

PSMS, die sehr herzlich dazu einlädt und Ihnen/Euch allen erholsame Feiertage und ein gesundes neues Jahr wünscht

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