Vortrag am 09. November 2016

satyricon_1-smChristine Friepes und Dr. David Neu (Erding)

“Mündlicher Sprachgebrauch in der römischen Literatur – Gedankensplitter zum Lektüreunterricht (Inschriften, Catull, Petron, Martial)

Diskussionsleitung: gegenseitig

09.11.2016, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

Seit neuestem interessiert sich Trimalchio dafür, wie an der Universität Neapel, die in seiner Nähe ist, lateinische Literatur gelehrt wird. Er weiß nur, dass es dort einen Lehrstuhl für Philosophie gibt, den einst Philodem von Gadara begründete, kennt aber nicht den Namen des derzeitigen Inhabers. Dann ist da z.B. noch das von Trimalchios Freund und Cena-Dauergast Agamemnon geleitete Department für Rhetorik und das von Nero persönlich für Frau Prof. Dr. med. tox. Locusta geschaffene Institut für angewandte Toxologie. Ach ja, und es gibt tatsächlich auch einen Lehrstuhl für lateinische Literatur, den einst Vergil begründet haben soll, aber er war extrem menschenscheu und deshalb nie da. Inzwischen hat immerhin jemand, der als litteris Latinis imbutus heftig gepriesen wird, ein Seminarium perpetuum mit dem Titel “Orbes Remoti” eingerichtet; sein exotischer Name ist Jacobus Tiberius Ecclesia, aber was er genau in seinen Veranstaltungen treibt, konnte Trimalchio nur mit Mühe in Erfahrung bringen. Wer hat Trimalchio schließlich informiert? Croesus, sein puer delicatus, der in Neapel Stilübungen belegt hat, weil er das Vulgärlatein satt hat. Er konnte berichten, dass Ecclesia mit seinen Studenten immer in so etwas steigt, was Croesus aus einer Szene in dem Film “De vita Briani” kennt, ein schiffsartiges Ding, das sich, wenn alle darin sitzen, in die Lüfte erhebt und bald hinter den Wolken verschwunden ist; an Bord wird auch nicht Lateinisch und schon gar nicht vulgärlateinisch gesprochen, sondern die lingua Britannica, welche die Studenten, bevor sie Mitglieder in Ecclesias Seminarium werden können, bei Frau Dr. Boudicca aus Camoludunum lernen müssen. Auf korrektes Ti-ejtsch und Dabbel-ju legt Ecclesia allerdings keinen Wert, weil er da selber nicht gut ist; er soll, wenn seine Studenten nichts zur Diskussion beitragen, zu ihnen sagen: “Ve heff ze vays of mecking you tock.”. Also, dieses Seminarium ist Trimalchio zu abgehoben, und deshalb ist er froh, dass er in einem Dorf namens Terrigena, gar nicht weit von seiner Villa, ein Gymnasium entdeckt hat, an dem die beiden Vortragenden des hiermit angekündigten Abends, Christine Friepes und David Neu, lateinische Literatur lehren. Sie behandeln nämlich in ihren Unterrichtsstunden gerne Texte, in denen kolloquial gesprochen wird, vor allem solche, die in Inschriften festgehalten (z.B. in Pompeji) und die bei Catull und Martial, ja auch bei Petron zu lesen sind. Und weil Trimalchio so etwas nicht abgehoben findet – die beiden fahren immer mit der S-Bahn nach Neapel, benutzen also nicht so ein komisches Luftschiff -, hat er die beiden Lehrkräfte zu einem Vortrag eingeladen. Da wird dann z.B. von dem Gedicht Nr. 84 Catulls die Rede sein, in dem der Dichter einen Arrius wegen dessen Sprechweise verspottet; Trimalchio ist bereits aufgefallen, dass in den nur 12 Versen 40 mal ein “s” und zweimal ein “x” vorkommt, woraus man schließen könnte, Arrius habe eine feuchte Aussprache; Frau Dr. Boudicca aus Camelodunum würde deshalb zu ihm sagen: “Say it, don’t spray it!” Aber David Neu hat angekündigt, dass er mehr über das Gedicht sagen kann, worauf Trimalchio sehr gespannt ist. Oder: In seinem bekannten dreizeiligen Epigramm in Petr. 34, Vers 2, sagt Trimalchio bekanntlich über das Aussehen des auf dem Tisch liegenden (und im Logo der PSMS festgehaltenen) Skeletts: sic erimus cuncti, postquam nos auferet Orcus, und Trimalchio weiß selber nicht, wie er dazu kam, nach postquam Futur I zu setzen. Aber David Neu wird es ihm erklären. Und Christine Friepes wird Empfehlungen geben, wie man die Schüler, denen es (leider) total wurscht ist, welches Tempus hier gebraucht werden müsste, dazu kriegt, sich auf einmal für das Problem zu interessieren. Und siehe da: So wird auch endlich einmal wieder an einem von der “Petronian Society Munich Section” veranstalteten Vortragsabend von Petron die Rede sein! Wer weiß, vielleicht erscheint der Autor sogar endlich einmal selber im Lyrikkabinett, nachdem er Christine Walde, die im Oktober 2014 den vorletzten von bisher fünf Petron-Vorträgen bei uns hielt, nur im Traum erschienen war (darum wird sie heuer am 14. Dezember bei uns über die Kulturgeschichte des Schlafs in der Antike sprechen). Da immerhin die Möglichkeit besteht, dass Petron tatsächlich aus dem Hades Urlaub nimmt und auftaucht und ein wirklich interessanter, auch schulisch anwendbarer Vortrag von Christine und David zu erwarten ist,

lädt wieder besonders herzlich ein
Ihre/Eure PSMS

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