Vortrag am 12. Oktober 2016

2380px-roman_empire_125_de-svgMinisterialrat a.D. Alfons Städele (Vaterstetten)

“Wie man von Rom aus zu den Hohlköpfen kam: Die Vorstellungen vom Römischen Reich und seinen entfernten Nachbarn in der Kaiserzeit”

Diskussionsleitung: Nadine Cisar (München)

 

12. Oktober 2016, Lyrikkabinett München, 19:15 Uhr,

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

Trimalchio liebt es, hochaktuell zu sein, und da zur Zeit viel von Begegnung mit dem Fremden und den Fremden die Rede ist, freut er sich natürlich, dass Alfons Städele sich bereit erklärt hat, über Randvölker des Römischen Reiches zu sprechen, z.B. die Nation der Hohlköpfe. Bayern ist ja besonders fremdenfreundlich, ja extrem fremdenfreundlich sogar, weswegen es sich nicht scheute, 1949 in die Bundesrepublik einzutreten. Allerdings bestand es von Anfang an auf allerlei Sonderrechten, und eines musste Alfons Städele als zuständiger Ministerialrat alljährlich in Bonn und danach in Berlin verteidigen: dass die bayerischen Sommerferien IMMER von Ende Juli bis in den September hinein gehen, also die Ferienzeit nicht im Wechsel mit den anderen Bundesländern sich jährlich ändert; ob der weißblaue Ambassadeur autorisiert war, für den Fall, dass irgendein verständnisloser Saubreiß verlangen würde, der Freistaat solle sein Prinzip aufgeben, mit Bayerns Austritt aus dem Bund zu drohen, weiß Trimalchio nicht. Er selbst heißt alte Konventionen stets gut, und drum hat er es geschafft, dass die in seinem und seines Schöpfers Petron Namen neunmal im Jahr veranstalteten Vorträge bereits 25 Jahre lang angeboten werden und nunmehr Alfons Städeles Vortrag das zweite Vierteljahrhundert PSMS einleitet. Weil unser besonders treuer Werner Suerbaum, der bereits im allerersten Vortrag saß, Statistiken mag, schauma doch mal, was sich da so feststellen lässt für die 25 Jahre. Faszinierend z.B. ist, dass von den mittlerweile insgesamt 184 Vorträgen nur acht über Petrons Roman gingen, davon drei nicht über den Text als solchen, sondern über dessen Nachleben. Aber dieses Abweichen vom zu Erwartenden ist eben gerade typisch für Trimalchio, wie bei einer Feier zum 25. Jubiläum im allerengsten Kreis Stefan Merkle in seinem Festvortrag sehr wohl berücksichtigte. Er meinte, dass ein anderes Jubiläum ebenso wichtig sei wie das der PSMS, nämlich der Untergang der HMHS (nicht PSMS) “Titanic” 1912, was ja auch von 2016 aus gesehen eine runde Zahl ergebe, und sprach also ausschließlich über dieses Jubiläum. Ja, und er wies nach, dass nach antiken und trimalchionischen Vorstellungen dieses Schiff habe untergehen MÜSSEN; die Parzen hätten es unwiderruflich verhängt, eben weil es “Titanic” geheißen habe und die Titanen bekanntlich von den olympischen Göttern in den Hades getaucht wurden. Wie, das reicht nicht aus als Argument? Nur keine Ungeduld! Es gab nämlich zwei Schwesterschiffe, die “Olympic” und die “Gigantic”. Zwar habe man versucht, den analogen Untergang der “Gigantic” – auch die Giganten wurden ja in den Orkus getunkt – zu verhindern, indem man sie in “Britannia” umbenannte, aber die Parzen lassen sich nicht foppen: Die “Britannia” wurde im Ersten Weltkrieg vom Feind versenkt. Und die “Olympic”? Klar, den olympischen Göttern teuer, lebte sie friedlich bis zur Verschrottung – quod erat demonstrandum. Doch zurück zur Statistik! Von den 184 Vortragenden kamen immerhin 38 von einem Ort in Bayern bzw. einem Stadtteil in München. Allerdings waren nur drei von ihnen so richtig in jeder Hinsicht autochthone Bürger des Freistaates, nämlich Stefan Merkle, Markus Schauer und jetzt – Alfons Städele. Aber kann man das Allgäu, wo er herkommt, und den Bayerischen Wald, wo Caesars aktuellster Biograph seine Wiege hatte, wirklich zählen? Echt boarisch redn dean de da neda, also bleibt wieder nur der Merkle vo Minga (MvM). Doch was hätte der nun gemacht, wenn wir ihn statt Alfons Städele eingeladen hätten? Am End hätte er irgendetwas Spannendes, gymnasial Relevantes angekündigt und dann über etwas total anderes geredet, z.B. warum sei Radl der Marke “Hercules” einst, als er es grad vorm Haus abgestellt hatte, plötzlich in Flammen aufging und in den Himmel auffuhr. Das Thema mag zwar trimalchionisch sein, aber da auch das Kultusministerium immer einlädt und dann wirklich stattfinden muss, was angekündigt ist, müssen wir modifizieren. Aber seien Sie/seid beruhigt, denn es wird gar nicht so fremd zugehen an jenem Abend, trotz des Themas, sondern gut-bayerisch, jawohl, und deshalb lädt wieder besonders

herzlich ein

Ihre/Eure PSMS

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