Vortrag am 13. Juli 2016

5275493063_fc26529fe3StD Ulf Jesper (Universität Kiel)

“Binnendifferenzierender Lateinunterricht: Praktische Hilfen für den Alltag”

Diskussionsleitung: Dr. Sven Lorenz (München)

13. Juli 2016, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

das laufende Sommersemester ist ja das Semester des Jubiläums “25 Jahre PSMS”. Dessen hätte man an sich schon bei Stefan Weises Vortrag am 18.5. gedenken müssen, da der allererste Vortrag, Heinz Hofmann über Apuleius, am 15.5.1991 stattfand. Aber der erste Vortrag speziell zu Petron war im Juli, am 3.7.91, und er wurde von einem der damals berühmtesten Petronianer UND dem Mitgründer der amerikanischen Petronian Society, John Patrick Sullivan von der University of California, Santa Barbara, gehalten; hinzu kam, dass im Zusammenhang mit ihm noch etwas irgendwie Cenatrimalchionistisches geschah: John fuhr danach weiter nach Verona, schrieb an uns von dort Ende Juli 1991 eine Postkarte, und die kam – die italienische Post blieb sich treu – im November 1994, als John schon verstorben war, in München an – und das ist ja noch schnell, wenn man bedenkt, das einmal ein Brief von Kirchenvater Hieronymus an Kirchenvater Augustin neun Jahre unterwegs war. Also, auf jeden Fall ist aus Anlass von Ulf Jespers Vortrag, 25 Jahre und 10 Tage nach demjenigen Johns, ein Gedenken des Jubiläums immer noch wunderbar passend. Das nun aber auch deswegen, weil Ulfs Titel “Binnendifferenzierender Lateinunterricht: Praktische Hilfen für den Alltag” schon etwas anders klingt als derjenige Johns vor 25 Jahren: “Lady Chatterly in the Roman Novel”. Damals etwas speziell auf den antiken Roman Bezogenes, der ja das Hauptthema der PSMS-Gründer war, moderne Literaturwissenschaft, Dekonstruktion, Intertextualität, Roman sexualities, self-reflexive poetics, auf Englisch gehalten usw. – jetzt eine Überschrift, von der Trimalchio kein einziges Wort versteht; “quid est binnendifferenzierend?” fragt er den neben ihm sitzenden Rhetorikprofessor Agamemnon, während er Lady Chatterly natürlich bestens kennt und sie sogar schon an seiner Tafel hatte (weswegen Fortunata vor Eifersucht fast platzte). Gut, wir hatten von Anfang an auch fachdidaktische Vorträge dabei, aber die waren auf den antiken Roman bezogen; schon am 24.6.1992 sprach Karl-Heinz Niemann, der wie Ulf Jesper zu Deutschlands prominentesten Fachdidaktikern gehört, zum Thema “Romanlektüre im Lateinunterricht – Erfahrungen und Vorschläge”. Aber jetzt – ein Thema, für das extra der allwissende Sven, der die Münchner Martial-Schule entscheidend prägte, zur Zeit sein berühmtes lateinisches Lesebuch “Legamus” vorsorglich auch schon mal für die fünfte Lehrplanänderung, also nicht nur für die gerade anstehende, umschreibt und mittlerweile zu den Texten so gut wie jedes Wort angibt (also natürlich auch “et”), als sachverständiger Moderator geholt wird? Tja, auch “Petronian Societies” durchlaufen ihren Wandel, pánta reî, cuncta fluunt. Seit die PSMS aus Personalveränderungsgründen nur noch wenig Kontakt zur LMU hat – wenn Maria, eine der ganz wenigen Übriggebliebenen, zum Vortrag erscheint, wird sie deshalb stets mit “Hoch!”-Rufen empfangen -, sind die Kollegen von den Gymnasien in München und Umgebung zum Hauptpublikum geworden, ja aus ihren Reihen kommen auch die in höchsten Ehren zu haltenden Vorbereiterinnen der Petronian Party, allen voran Nadine Cisar, Julia Fuchs und Julia Gruschka, und überdies wird dankenswerterweise zusätzlich per KMS eingeladen. Und das alles verdient jetzt einfach mal ganz riesengroßen Dank und spornt an zur Fortsetzung mit Blick auf das nächste Jubiläum: Ulf Jespers Vortrag wird der 184. sein, also leuchtet am Horizont schon der 200. (in dem es vielleicht um das Thema “Anti-chronologische Zeitbestimmung” gehen wird, also darum, dass der Fortfall des Sozialisationsfaktors Uhrzeiger den monokausalen Zwang des chronologischen Ablaufs von 1-12 eliminieren und zu zeitunabhängiger schichtenspezifischer Analyse der Funktionszusammenhänge motivieren würde). Und darum kommen Sie/kommt Ihr bitte schon mal zum 184. Vortrag, damit wir da sowohl auf die 25 Jahre als auch auf die Zukunft und obendrein gleich auf Svens sechste Überarbeitung von “Legamus” und die Änderung des Titels in “Competentiamus”anstoßen können.