Vortrag am 13. Januar 2016

800px-La_scuola_di_AteneOStD Michael Hotz (Wilhelmsgymnasium München)

“Raffael und die Philosophen. Oder: Wie verbrate ich das genialste Bild der Welt im Lateinunterricht?”

Diskussionsleitung: Maria Anna Oberlinner (LMU München)

13 Januar 2016, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

Trimalchio besitzt ein Gemälde, welches so kostbar ist, dass er es mit einer besonders effizienten Alarmanlage versehen ließ; ein fahrender Kunsthändler verkaufte es ihm einst für mehrere Millionen Sesterzen. Man sieht einen zentralperspektivisch konstruierten, monumentalen Innenraum, indem eine Art Versammlung von Personen mit vertrauten Gesichtern stattfindet. Der Raum ist von einem hohen Tonnengewölbe überdacht und öffnet nach hinten den Blick ins Freie. Es könnte sich um das Interieur eines antiken Tempels handeln, aber irgendwie denkt man auch an den Petersdom. In den hohen Nischen der Wände des Seitenschiffs bzw. der das mittlere Tonnengewölbe rahmenden Gewölbepfeiler, dem Betrachter zugewandt, überragen riesige Marmorfiguren des Musagetes Apollon auf der linken  und der Weisheitsgöttin Athene auf der rechten Seite die Szenerie. Die versammelten Personen stehen größtenteils auf der obersten von drei Treppenstufen; einige auch links und rechts vor der Treppe, nur wenige sitzen. Trimalchio, der natürlich wie weiland Marschall Tito und Fürscht Rainier ein mit der modernsten Technik ausgestattetes Heimkino besitzt, kennt die Gesichter sämtlicher Personen, angefangen mit Marilyn Monroe, die genau in der Mitte auf der obersten Stufe in der berühmten Haltung von “The Seven Year Itch” neben James Dean steht, Chaplin, die Bardot, Elvis, Sean Connery, Marlon Brando, ja sogar Rainer Werner Fassbinder, der einstige Klasskamerad von PSMS-Fan Werner Stadler, gleich links daneben, dann die Garbo, die grad vergeblich “I vant to be alone!” sagt, Clark Gable, der zum Atlanta-Kuss mit Vivian Leigh ansetzt und weitere. Also Popstars, und keiner fehlt, auch nicht E.T., Donald Duck, Hitch mit einem seiner birds, Ginger und Fred, natürlich tanzend, Indiana Jones, die Machete schwingend. Und ganz vorne sitzt, mit dem Rücken zum Betrachter, auf dem Regisseurstuhl und in die Flüstertüte sprechend, ein Landsmann Trimalchios, der ihn einmal in einem seiner Filme als Star auftreten ließ: Federico Fellini, der offenbar die ganze Versammlung inszeniert hat. Als Kunstkenner glaubt Trimalchio auch zu wissen, dass es eine Vorlage für sein kostbares Gemälde gibt: das Cover auf dem achten Beatles-Album “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band”, wo die berühmten Vier in der Mitte einer Menschengruppe stehen, und wieder sind z.B. Marilyn und Marlon dabei. Tja, das glaubt Trimalchio. Aber inzwischen wurde er eines Besseren belehrt. Als er letztes Jahr am Faschingsdienstag am Schottengymnasium in Wien einen Vortrag über antike Mythologie hielt und den Gastgebern gegenüber mit seinem Bild prahlte, sagte man ihm, bald werde ein Vortragender aus dem berühmten München kommen, der nette Oberstudiendirektor Michael Hotz, und der werde über ein Gemälde reden, welches das wahre Vorbild von Trimalchios kostbarem Gemälde sei: Es zeige im selben Ambiente wie dieses nicht Popstars, sondern griechische Philosophen! Trimalchio, selbst ein bedeutender Philosoph, durch sein eigenes “Gastmahl” so berühmt wie Platon, war sofort heftig an Michaels Vortrag interessiert, setzte sich mit ihm in Verbindung – und gewann ihn für einen PSMS-Abend! Hier ist das Eppschtreckt des Vortrags mit dem Titel “Raffael und die Philosophen oder: wie verbrate ich das genialste Bild der Welt im Lateinunterricht?”: Raffaels „Schule von Athen“ ist vermutlich eines der bekanntesten Bilder der Welt. Als Teil eines hochelaborierten, auf antikem Gedankengut basierenden künstlerischen Gesamtkonzepts kann es Schülerinnen und Schülern einen faszinierenden Zugang zur antiken wie zur Welt der Renaissance eröffnen, da es über die rein kunstgeschichtliche Analyse hinaus eine Fülle von Anknüpfungs­punkten gerade auch für den Lateinunterricht bietet. So versucht der Vortrag aufzuzeigen, welche vielfältigen fachlichen und didaktischen Möglichkeiten sich – sei es im Rahmen eines kompetenzorientierten, fächerübergreifenden oder projektorientierten Unterrichts, sei es als Ausgangspunkt für eine Einführung in die antike Philosophie, sei es als Gegenstand einer Lektüresequenz oder  eines (W-)Seminars – bei der Beschäftigung mit diesem Schlüsselwerk der abendländischen Kunst ergeben. Also, das klingt doch wirklich gut (auch wenn Trimalchio, zu einer Zeit zur Schule gegangen, als die ganze Pädagogik aus Maulschellen bestand, kein Wort von dem Fachjargon versteht), ist als Auftakt für das Jahr, in dem die PSMS ihren 25. Geburtstag feiern wird, optimal geeignet, UND es wird mal wieder Vorstandsmitglied Maria Anna Oberlinner durch den Abend geleiten, von der Vorstellung des Vortragenden, dabei vielleicht von dessen Sohn Max auf der Gitarre begleitet (“O Mi-chi Hotz, o Mi-chi Hotz …”), über die Diskussion bis zum kalten Büfett. Alles spricht folglich dafür, dass Sie/Ihr in Massen erscheint.

Findet jedenfalls, alles Gute zum Neuen Jahr wünschend,
Ihre/Eure PSMS

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