PD Dr. Simone Loleit (Universität Duisburg-Essen)
“Die Maus zwischen Ameise und Zikade. Oder: Von den Grillen der Stadtmaus”
Diskussionsleitung: Stephanie Seibold (München)
18. November 2015, 19:15 Uhr Lyrikkabinett München
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,
Trimalchio liebt bekanntlich nicht nur das Essen und Trinken, sondern auch das heiße Bad. Und da er auch immer wieder daran interessiert ist, seinen Luxus zu erweitern und so raffiniert wie möglich zu verfeinern, wollte er eines Tages auch sein balneum verbessern. Doch wer konnte ihm dabei helfen? Trimalchio wandte sich an die gelehrte Simone Loleit, die dankenswerterweise den hiermit anzukündigenden Vortrag halten wird und die eine sehr lesenswerte Monographie über das Bad in der deutschsprachigen Literatur des 16. Jahrhunderts (also der Zeit, in der die Badekultur besonders blühte) verfasst hat. Simone riet dem Trimalchio, sich an den Teufel zu wenden, weil der in der Hölle, wie man bei Hans Sachs ausführlich lesen kann (“Das hell-bad”, Spruchgedicht 14.10.1540), eines der größten und abwechslungsreichsten Schwitzbäder des Universums unterhält. Trimalchio wusste, dass, wenn man den Teufel nennt, er gerennt kommt, nannte ihn, und schon war er da; es war ein Montag heuer im Oktober. Der Teufel schlug Trimalchio vor, ihm sein Bad zu zeigen, vertagte die Besichtigung aber, wie er sagte, auf den “Pfinztag” und sauste an einer anderen Stelle, als er in Trimalchios Haus gekommen war, wieder davon. Nun, bis Pfingsten, wie Trimalchio dachte, ist es noch weit. Aber dann fragte er sich, warum der Teufel ihn so lange warten lasse. Zufällig war grad Maria Oberlinner da, um mit ihm den PSMS-Abend des 21.10.16 zu planen, für den sie allein die Verantwortung übernahm (und den sie dann auch so glänzend durchführte, dass er bereits zur Legende wurde). Trimalchio erkundigte sich bei ihr, ob sie sich erklären könne, warum der Teufel ihn bis Pfingsten warten lasse und weshalb er so komisch “Pfinztag” gesagt habe. Da lachte Maria den Trimalchio aus und sprach: “Mei, bist DU deppert, Trimalchio. Woaßt neda, dass im Boarischen da Pfinza des is, wos d’Breißn Donnerstag nennen? Des kommt vo griechisch “pémpte sc. heméra = der fünfte sc. Tag, und eigentlich host doch du des Graecum und sogar a griechische Bibliothek!” Problem gelöst, Teufel erscheint tatsächlich vier Tage später. Es wird eine lange, für Trimalchio höchst anregende Führung durch die Badestuben, und eine besonders große von ihnen ist noch leer, aber voller siedendheißer Schwitzkabinen, die für ganz besonders schlimme Sünder reserviert sind. Auf die Frage, welche, nennt der Teufel die auf Spaghetti Polonaise fixierten Bildungsplaner und Professoren, die in jüngerer Zeit die Geisteswissenschaft an den deutschen Universitäten vom Humboldt-System, das einst die deutsche Wissenschaft zur weitaus besten der Welt machte und den omniszienten “German professor” in Hollywood-Produktionen kreierte, in eine Klippschule mit Credit Points und Betschela (zu Sachs’ Zeiten hieß das noch höchst würdig “Baccalaureus”), also auch affigen englischen Bezeichnungen, Zwangsveranstaltungen bei didaktisch absolut unbegabten Dozenten, die mit ihrem Schnarch-und-Gähn-Programm früher durchs Raster der “tres-faciunt-collegium”-Regel gefallen wären, graduate schools für Doktoranden, die keine eigenen Ideen haben, aber in den Seminarsitzungen Englisch reden müssen, obwohl sie es wie der Monaco Franze ned amal versteng, wenn sie’s sprechen, Pflichtübungen über sinnlose pädagogische Themen, die man als Lehrer dann nicht gebrauchen kann, und dergleichen mehr verwandelt hätten und denen es besonders wichtig sei, dass die hier Ausgebildeten eines Tages kompetent würden. “Woaßt, Trimalchio”, sprach der Deifi plötzlich in überraschendem Akzent, “i gfrei mi narrisch drauf, des ganze Gschwerl hier in meim Bad z’rösten!” Worauf Trimalchio klar wurde, warum der Teufel noch “Pfinztag” benutzte. Doch über ihn und sein Marterbad wird Simone nicht sprechen, sondern über eine der berühmtesten Äsop-Fabeln und ihr Fortwirken, und schon der Titel macht höchst gespannt. Wegen des Themas tritt als Moderatorin auch wieder Steffi Seibold auf, in deren Schmiede zur Zeit ein Phaedrus-Buch entsteht, das dem Fabeldichter endlich, ein halbes Jahrtausend nach seiner Wiederentdeckung im fernen Welschland (heute regiert vom Holland), die Ehre geben wird, die er verdient. Also, es erwartet Sie/Euch wieder ein Team, das prodesse und delectare auf höchstem Niveau verspricht, das mit der ewigen Stadtmaus – sogar ein Tom-und-Jerry-Cartoon gehört zu den Rezeptionsdokumenten! – ein großes Thema der Weltliteratur und zugleich den bayerischen Lehrplan der Jahrgangsstufe 11 des Gymnasiums anspricht, sowie das andere Team, das die Petronian Party vorbereitet und das zum Teil von der gens Iulia gebildet wird. Kommen Sie/kommt also wie letztes Mal sub auspiciis Mariae Babenshamensis in Scharen, und vielleicht erscheint sogar Trimalchios neuer Freund, der Deifi, auch wenn der Vortrag am Tag nach dem “Irter” und vor dem “Pfinzer” stattfindet. Aber Humboldt-Killer, die er gleich mitnehmen könnte, wird er im Auditorium schwerlich finden.
Weiß
Ihre/Eure PSMS,