Vortrag am 01. Juli 2015

roman-togaProf. Dr. Roy Gibson (University of Manchester)

“On Writing the Modern Biography of an Ancient Roman”

Diskussionsleitung: Dr. Hans Peter Obermayer (LMU München)

Am 01. Juli 2015, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

ja, es ist der 175. der von der PSMS veranstalteten Vorträge – nach demjenigen Heinz Hofmanns am 15. Mai 1991 (Achtung: Am 15. Mai 2016 wird das 25 Jahre her sein!). Tja, wen lädt man da ein? In diesem Falle bedurfte es keiner langen Überlegung: Unter den avancierten Kollegen waren es immer nur ausländische, die uns von Anfang an unterstützten (Heinz lehrte damals noch in Groningen), während deutsche Altphilologie-Ordinarien im letzten Jahrhundert überhaupt nicht in Erscheinung traten, also keiner bei den ersten 50 Vorträgen (der erste, der kam, war Nr. 63 am 27.11.2003, ein gewisser Heinz Hofmann von der Uni Tübingen). Immerhin gab es einen Ordinarius am LMU-Institut, der uns sehr zugetan war und als einziger, als wir 1998 vorübergehend den Laden zumachten, dies sehr eindringlich per litteras bedauerte. Wer das wohl ist? Zurück ad rem: Also Ausländer. Und da fiel die Wahl auch schnell auf Roy Gibson: Er war schon zweimal bei uns und schrieb nach dem ersten Mal – vor allem, weil er von Matthias Ludolph auf Lateinisch moderiert wurde und weil ihm München per Radltour mit Endstation 3 Maß am Kleinhesseloher See gezeigt wurde (Roy ist Ire): “In fact, this is easily the most enjoyable and rewarding visit to another university that I ever had.” Also kommt er nun auch zum 175. Vortrag, und es passt zur PSMS, dass sein Titel änigmatisch ist: “On writing the modern biography of an ancient Roman”. Hm. Was wird das wohl sein? Wieder kommt uns jener vorhin erwähnte Professor am Institut für Klassische Philologie der 90er Jahre in den Sinn, der das Pausieren der PSMS bedauerte. Er nämlich stellte sogar einem Seminar – es ging über den “Agricola” des Tacitus – das von Roy genannte Thema. Denn er ließ die Teilnehmer kreativ ein eigenes Lebensbild des berühmten Schwiegervaters und Siegers bei einem Berg in Nordbritannien, den man nicht identifizieren kann, anfertigen. Oder war es ein Nachruf auf Agricola, den seine Eleven verfassen sollten? Egal: Jener nicht Genannte wüsste zu Roys Titel allerlei zu sagen. Ob das aber auch dem Diskussionsleiter gelingt, wenn er doch gar nicht weiß, um was es geht? Hier musste ja jemand von der LMU gewählt werden, jemand, der auch forschungsmäßig herausragt UND bereits bei der PSMS mitgewirkt hat (auch vor jener Pause). Also, es ist Hans Peter Obermayer. Seine spektakulärste wissenschaftliche Leistung besteht darin, dass er in seiner Dissertation von 1996, die über mann-männlichen Sex in der kaiserzeitlichen Literatur geht, erstmals in der Geschichte unseres Faches wagte, Obszönitäten als Obszönitäten zu übersetzen, also nicht wie z.B. Michael von Albrecht “novem fututiones” mit “neun Seligkeiten” oder wie Wolfgang Schadewaldt mit “Spannungen” das, woran die Männer in der “Lysistrate” leiden (Wahrscheinlich hätte er einen Betroffenen “Spänle” genannt). Nun war freilich einer der beiden Gutachter ein gesetzter, auf dergleichen nicht gefasster deutscher Ordinarius, und er hatte eigentlich Probleme mit Hans Peters Thema. Aber es handelt sich bei ihm um ebenjenen Herrn, der die Denkpause der PSMS bedauerte, und da verwundert es nicht, dass er sich beim Begutachten von etwas, das ihm ästhetisch und vielleicht auch ethisch Schwierigkeiten bereitete, wie folgt zu helfen wußte: Er habe sich, wie er in dem Gutachten schreibt, die Lektüre des Abschnittes “Schmutzige Lust”, in dem es vor allem um oral-genitale Praktiken geht, “durch die orale Zuführung von Zuckerplätzchen versüßt”. Kann man sich einen souveräneren, humorvolleren und faireren Gutachter wünschen (er gab übrigens “summa”)? Schwerlich. Bei Rückschau auf das bisher Geschriebene, das ja im Hinblick auf den Jubel-Anlass ein wenig gesetzter und feierlicher formuliert ist als die bisherigen Einladungstexte, fällt nunmehr auf, dass von den insgesamt sieben Personen, die angesprochen sind, am umfassendsten jener anonyme Professor gewürdigt ist. “On writing the modern eulogy of a contemporary specialist for ancient Romans”? Ja, das war doch mal angebracht angesichts des Jubiläums, dass nicht zuletzt deshalb stattfinden kann, weil der Anonymus 1998 zum Weitermachen ermunterte. Die Identität wird freilich nicht preisgegeben, sondern nur noch dies über ihn gesagt: Er steht unseren Vorträgen permanent denkbar nahe – näher geht faktisch nicht. Ansonsten liebt Trimalchio, wie gesagt, nun mal die Rätsel, und deshalb lohnt es sich wieder unbedingt, zum Vortrag zu kommen und dort dreierlei herauszufinden: 1. was meint Irishman Roy mit seinem Titel? 2. wie wird Zuckerplätzchen HPO mit der diesmal besonders schwierigen Aufgabe der Diskussionsleitung fertig? 3. Tratschke. Und NATÜRLICH wird auch das kalte Büffet diesmal besonders üppig ausfallen … ach ja, klar, Festreden, halt à la Trimalchio, sind unbedingt erwünscht von

Ihrer/Euer PSMS
P.S. Ansonsten war der “richtige” erste die Nr. 72, Reinhold Glei, Lateinordinarius in Bochum.
P.P.S. Das Gutachten des Anonymus umfasst übrigens acht einzeilig beschriebene Seiten mit einer detaillierten Stellungnahme, nimmt die Arbeit also sehr ernst und ist eindeutig nicht, wie an teutschen Hochschulen durchaus immer wieder vorkommend, von der Schwester der Freundin der studentischen Hilfskraft des Gutachters anhand der Zusammenfassung geschrieben.