Vortrag am 10. Juni 2015

NarcissusMichaela Elisabeth Hellmich (Universität Mainz)

“Sprechblasen für römische Klassiker: Über den Einsatz der Comic-Schullektüren von Caesar und Ovid im Unterricht”

Diskussionsleitung: Dr. Stefan Merkle (LMU München)

Lyrikkabinett München, 10. Juni 2015, 19:15 Uhr

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

soweit wir wissen, wurden Trimalchio und seine Cena niemals Gegenstand eines Comics, obwohl sich das doch unbedingt anböte. Er ist ja immerhin als Karikatur mit seinem memento-mori-Skelett in der Hand das Emblem (oder “Logo”, wie man heute sagen zu müssen glaubt) der Einladungsplakate, vor langer Zeit für “Petronian Society Newsletter” gezeichnet von Christoph Stöcker, der vor noch längerer Zeit bei Otto Seel die nach wie vor nützliche Dissertation “Humor bei Petron” verfasste. Warum die Cena sich gerade für Sprechblasengraphik und Animation durch Figuren wie diejenige Stöckers eignen würde, liegt auf der Hand: Sie repräsentiert einen “monde à l’envers”, und das gilt ebenso z.B. für Duckburg (bei uns “Entenhausen”) und das Gallierdorf Goscinnys und Uderzos. Aber nehmen wir einmal an, ein Cena- oder gar Satyrica-Comic entstünde – und die Vortragende des heutigen Abends, Michaela Elisabeth Hellmich, wäre bestens als Zeichnerin geeignet -, was hätte das eventuell für Folgen? Man stelle sich vor, es bildete sich – wie einst in den 70ern ein Verein der Donaldisten – ein solcher der Trimalchisten oder Enkolpisten. Und diese würden, wie die Donaldisten sich bei ihren jährlichen Tagungen Vorträge über das Gesundheitswesen in Entenhausen oder die produktive Weiterentwicklung von Daniel Düsentriebs Erfindungen anhören, nun ihrerseits trimalchistischen oder enkolpistischen Referenten lauschen, die es unternähmen, z.B. Trimalchios Grabmal archäologisch zu rekonstru … HUCH! HALT! DIE GIBT ES JA LÄNGST! Die nennen sich zwar nicht Donaldisten oder Trimalchisten, sondern Latinisten, aber betreiben z.B. ihren Trimalchismus mit höchstem Ernst: Die meisten Arbeiten über Petron, die man in jüngster Zeit vorgelegt bekommt, untersuchen nicht mehr den Text dieses faszinierenden Romans, sondern interessieren sich (fast) nur noch für die “Realität”, die ihrer Meinung nach durch die Welt Enkolps und Trimalchios abgebildet ist. Ist sie es? Ist sie nicht vielmehr satirisch so verzerrt, dass Entenhausen in seiner Fiktionalität ihr näher steht als der reale Lebensraum am Golf von Neapel zu der Zeit, als Petron schrieb? (Und wann er das tat, ist heute eh total umstritten.) Vielleicht sollten die realiengeilen Latinisten also, wenn sie sich zu Tagungen treffen, ehrlicherweise ihre Verwandtschaft mit den Donaldisten zum Ausdruck bringen und z.B. nach einem Vortrag nicht mehr real klatschen, sondern wie die Donaldisten einfach “Klatsch, klatsch!” rufen (oder “applaudo, applaudo”, da es ja auch LinguaLatinaisten geben soll, die in Togen und mit Lorbeerkränzen auf dem Kopf rumlaufen – wie die Donaldisten in Matrosenanzügen  und die Astericisten mit Hinkelsteinen – und davon träumen das Latein Weltsprache wird!!!). Mit “Klatsch, klatsch!” sind wir aber wieder bei der trefflichen Michaela. Die hat nämlich bereits zwei lateinische Texte – erst Ovids Meta, dann Caesars BG – ausschnittsweise in Comics verwandelt, aber nicht um einen Spinnerkult wie den der Donaldisten, Astericisten und Latinisten damit zu initiieren, sondern einfach ein nützliches Medium für die Vermittlung von Schullatein an die Hand zu geben, das unbedingt Beachtung vonseiten der gymnasialen Lateinlehrer und ganz sicher kein während ihres Vortrags gerufenes “Gähn, gähn!” verdient. Ein universitärer Lateinlehrer interessiert sich bereits dafür: der Ex-Donaldist – oder ist er es noch? Ihr könnt ihn ja danach fragen, und dann verrät er Euch vielleicht, wer mit ihm zusammen in der D.O.N.A.L.D. war und 1982 mit dem “Fähnlein-Fieselschweif-Orden” geehrt wurde, auf den er heute noch stolz ist – Stefan Merkle. Er höchstselbst wird Michaelas Vortrag moderieren, und so können wir sagen: Es wird sich unbedingt lohnen, am 10. Juni zu erscheinen, zumal die vier Partyhelferinnen sich diesmal bereit erklärt haben, als Daisy Duck, Oma Duck, Klarabella und Minnie Maus verkleidet zum kalten Büfett der Petronian Party zu laden (und der Stühleaufsteller als Goofy und die Spendensammlerin als Gundel Gaukeley). Und das ist doch mal was ganz was anderes.

Findet jedenfalls und lädt deshalb herzlich ein
Ihre/Eure PSMS

Vortrag am 13. Mai 2015

Dr. Gottfried Kreuz (Universität Salzburg)

“Poetische Spielereien im Schatten Ovids: Statius Silvae 2,3 und 3,4 als spiegelnde Text”

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Claudia Wiener (LMU München)

13. Mai 2015, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

wie man ja inzwischen herausfand, hatte Trimalchio immer wieder einmal auch den Romanautor Petron an seiner Tafel, und das führte dann dazu, dass der Gastgeber von seinem Gast unsterblich gemacht wurde. Eines Tages nun brachte Petron zur Cena einen Kollegen mit, einen Dichter namens Publius Papinius Statius, von dem es hieß, er habe ein Epos “Thebais” in 12 Büchern über den Streit zwischen Eteokles und Polyneikes verfasst, ein weiteres mit dem Titel “Achilleis” in Arbeit, und er schreibe wie Martial (der auch schon einmal der Einladung Trimalchios gefolgt war) Gelegenheitsgedichte zu den verschiedensten Themen, genannt Silvae. Um so verwunderlicher war es nun, dass jener Statius während des ganzen Abends, an dem Trimalchio sein übliches Showprogramm abspulte, halt alles von der Holzhenne mit den Pfaueneiern – sie ist ja die einzige Trimalchio-Reliquie außer dem Skelett, welche die PSMS in ihrem Besitz hat – bis zum geprobten Begräbnis, in sich gekehrt auf seinem Speisesofa kauerte, das meiste von den Delikatessen liegen ließ und an seinem Opimianer nur lustlos nippte. Als er dann plötzlich auch noch in Tränen ausbrach, dachte Trimalchio, zu dem der Name des Dichters noch nicht durchgedrungen war, zunächst voller Stolz, er habe Odysseus persönlich im Hause, und fragte in der Pose des Alkinoos seinen Gast: “O Fremder, sprich doch und sag es heraus, warum du so bitterlich weinest!” Darauf Statius: “Weil ich jetzt schon weiß – die Sibylle in der Flasche in Cumae hat es mir glaubhaft zugekrächzt -, dass ich eines Tages vom Scheibmayr nicht unter die Autoren des bayerischen Lehrplans für den lateinischen Lektüreunterricht an Gymnasien aufgenommen werde!” Große Bestürzung an der ganzen Tafelrunde, Mitleid mit dem Armen, weil alle sofort zugaben, dass einem römischen Dichter nichts Schlimmeres widerfahren könne als das. Doch Petron hatte etwas Tröstliches zu vermelden. Er war nämlich ebenfalls bei der Sibylle gewesen und hatte, als ihm prophezeit worden war, seine Cena Trimalchionis werde einst im bayerischen Lehrplan einen Ehrenplatz erhalten, gefragt, ob denn dem Statius irgendeine Entschädigung für seine Nicht-Berücksichtigung durch den Scheibmayr gegeben werde. “Ja”, habe die Wahrsagerin in der Flasche gepiepst, “der Gottfried Kreuz an der Uni Salzburg wird sich des Statius annehmen und zusammen mit seiner Kollegin Margot, Vorstandsmitglied der PSMS, eine SSSS gründen.” Doch kaum hatte der Dichter das gehört, vergoss er erneut Tränen und schrie: “Kein Mensch wird wissen, dass das die Abkürzung für “Statian Society Salzburg Section” ist, nein, alle werden darin die Chiffre für einen Hexameter sehen, bei dem die ersten vier Versfüße spondeisch sind! Ach, ich bin verloren!” Nein, nein, er ist es nicht. Denn der Gottfried kommt ja nun nach Bayern mitten in das geistige Zentrum des Freistaates, das Lyrikkabinett, wird uns Statius anhand von zwei seiner Silven vorstellen, und Claudia Wiener von der LMU, die dort vor nicht langer Zeit ein bereits legendäres Statius-Seminar hielt und sich im Übrigen in der Welt einen großen Namen als Spenderin für die Petronian Partys gemacht hat, wird den Gottfried moderieren. Also, als die Sibylle auch das noch dem Statius prophezeit hatte, war er überglücklich und ließ sich von einem hübschen Sklavenjungen die Tränen trocknen. Kurz zuvor hatte er noch in einem seiner schönsten Gedichte, Silvae 5,4, über Schlaflosigkeit in sieben aufeinanderfolgenden Nächten geklagt, aber in Vorfreude auf Gottfrieds Vortrag und Claudias Diskussionsleitung konnte er wieder friedlich schlafen. Und alle Statius-Forscher können es nun auch wieder, weil sie endlich wissen, was sie bisher ums Verrecken nicht hatten herausfinden können, nämlich warum der Statius so lang an Insomnia gelitten und sich sogar in einem Gedicht deswegen Luft gemacht hatte. Na, warum schon? Halt wegerm Scheibmayr und seiner harten Entscheidung, den Statius ned in sein Lehrplan neiz’lassn! So sind denn jetzt alle zufrieden, und deshalb kommen Sie/kommt wieder in Scharen zu unserem Vortragsabend und zur Petronian Party, und es wird sich bestimmt lohnen. Ja, wer weiß – am End wird der Gottfried den Statius so überzeugend präsentieren, dass der Scheibmayr bis zum nächsten Lehrplan, der ja demnächst kommen soll, seine Meinung noch ändert und der Statius sogar Abiturautor wird!

Und damit rechnet eigentlich ziemlich fest
Ihre/Eure PSMS