Vortrag am 17. Dezember 2014

esoptit

Dr. Antoine Biscéré (Université Paris-Sorbonne)

“Aesopus illustratus: Bilderzyklen zum Äsoproman in der frühen Neuzeit (1476-1687)”

Diskussionsleitung: Stephanie Seibold (LMU München)

Lyrikkabinett München, 17 Dezember 2014, 19:15 Uhr

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

für den diesjährigen Weihnachtsvortrag hat Trimalchio sich etwas Besonderes einfallen lassen. Es ist ihm nämlich geglückt, einen Nachfahren Enkolps ausfindig zu machen UND als Vortragenden zu gewinnen. “Quis ille?” paucis accipite: Sorgfältige genealogische Forschungen Trimalchios ergaben, dass Antoine Biscéré, unser Vortragender des 17.12.14, in direkter Linie von Enkolp abstammt. Denn der Ich-Erzähler der Satyrica kam bekanntlich aus Massilia, dem heutigen Marseille. Dorthin kehrte sein Sohn gleichen Namens, den er (nach Überwindung seiner na-ihr-wisst-schon) mit Circe in Kroton gezeugt hatte (wie Odysseus den Telegonos mit Circes Vorfahrin), zurück, als er herangewachsen war. Und von dort zog, als Lutetia Parisiorum, das heutige Paris, der Hafenstadt den Rang abgelaufen hatte, ein mittelalterlicher Abkömmling der Enkolp-Familie, in die Metropole, wo die Familie von nun an wohnen blieb. Irgendwann im Laufe der Generationen gab es als einziges Kind eine Tochter, die heiratete einen Monsieur Biscéré, und auf diesen Herrn führt sich Antoine zurück. Trimalchio konnte das alles freilich erst glauben, als er Antoine persönlich zu Gesicht bekam – und da war er, der Enkolp ja gut gekannt hatte, so verblüfft wie nie wegen der frappierenden Ähnlichkeit Antoines mit Enkolp, die sich über 2000 Jahre gehalten hatte (wie die Hakennase der Habsburger und das Pferdegesicht der Winsors). Non creditis? Kommen Sie/Kommt halt, schauen Sie/schaut Euch ihn an, und ihr werdet sofort hell begeistert zustimmen. Es ist ja auch kein Zufall, dass Antoine seine Forschungen dem Äsoproman geweiht hat: Bei diesem griechischen Text handelt es sich um einen der wichtigsten Vorläufer des Gattungstyps “pikaresker Roman”  – der erste Vertreter, die anonyme Vida de Lazarillo de Tormes (1554), weist deutliche Berührungen mit der anonymen Vita Aesopi auf -, und dasselbe gilt für die Satyrica, deren Ich-Erzähler selbst ein Picaro ist. Angesichts dieser Tatsache lag es nahe, dass der direkte Nachkomme jenes lateinischen Picaro sich mit dem griechischen Picaro Äsop beschäftigte. Leider ist der Äsoproman heute wenig bekannt, obwohl er in der frühen Neuzeit – und über diese Phase der Rezeption wird Antoine ja sprechen – neben der Bibel der meistgelesene Text auf der ganzen Welt war. Man glaubt es kaum, aber es ist so: Der Bíos Aisopou, erstmals 1476/77 in Ulm lateinisch-deutsch gedruckt und von dem Arzt Heinrich Steinhöwel herausgegeben, wurde in dieser Fassung zusammen mit den übrigen Texten des Drucks nicht nur unzählige Male nachgedruckt, sondern damals auch in folgende Sprachen übersetzt: Dänisch, Englisch, Französisch, Katalanisch, Niederdeutsch, Niederländisch, Spanisch, Tschechisch, Ungarisch, ja sogar Aztekisch, Isländisch und Japanisch. Zu einem solchen Erfolg trugen natürlich die Illustrationen bei, und die wird Antoine uns zeigen. Das ist Trimalchios zweites Weihnachtsgeschenk: Sie schauen sich/Ihr schaut euch einfach schöne bunte Bilder an, die Antoine in deutscher Sprache mit sexy-französischer Aussprache kommentiert (Es ist ja so, dass man in der Schule in Frankreich Deutsch lernt, in Deutschland Englisch und in England Französisch, so dass eine perfekte Kommunikation zwischen den drei Staaten gesichert ist), müssen/müsst also nicht wie sonst bei einem gesprochenen Vortrag dauernd SMS schreiben, sondern können sich/könnt Euch auch von diesem Stress mal erholen  Und last, not least: Antoine kommt von der wohl berühmtesten Hochschule der Welt (pace Oxbridge, Harvard und Weihenstephan), der Sorbonne! Also, wir wüssten nicht, warum Sie sich/Ihr euch diesen Abend entgehen lassen solltet – Bekanntschaft mit Enkolps Abkömmling, bunte Powerpoint-Buidln und Sorbonne-Flair: Herz, was begehrst du mair?! (et toi, chère Claire?!) Und nicht zu vergessen ist, dass Julia Piriculas erfolgreiches Partyteam wie jedes Jahr zusätzlich Blatzerln und andere saturnalische Köstlichkeiten servieren wird.

Also, zu alldem lädt herzlichst ein
Ihre/Eure PSMS

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *