Vortrag am 18. Dezember 2013

Dr. Lucia Floridi (Università degli Studi di Milano)

“Deriding the Human Monster? Greek Scoptic Epigrams on mikroi and leptoi

Diskussionsleitung: MMag Matthias Jackwerth (Universität Wien)

Lyrikkabinett München, 18.12.2013, 19:15 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,                                             wie bekanntlich die Schweden, so begeht nun auch Trimalchio zur Wintersonnenwende das Fest der St. Lucia, und weil der Name italienisch ist und Trimalchio den Svenska språket nicht besonders gut beherrscht, hat er sich dazu eine richtige Lucia –  wenn auch nicht aus Sizilien, so doch wenigstens aus Milano eingeladen. Es ist noch unsicher, ob sie in weißem Gewande, mit Kerzenkrone, Safranplätzchen und einem Glas glögg ans Pult treten wird, aber da Sie/Ihr vermutlich nicht bereit sind/seid, sie mit dem Lucialied zu empfangen – “Dagen skall åter gry / stiger ur rosig sky, Sankta Lucia, Sankta Lucia” (ja, richtig “sky” bedeutet auch im Schwedischen “Himmel” – neben “himmel”) -, dürfen/dürft Sie/Ihr es der Lucia von Mailand nicht übel nehmen, wenn sie auf diesen apparatus verzichtet. Sie spricht ja nun auch nicht über schwedische, sondern über griechische Texte, die in einem nicht allzu weit von München aufbewahrten Codex unicus stehen: in der wegen des Standortes Heidelberg als “Anthologia Palatina” bezeichneten Sammlung griechischer Epigramme aus der Zeit vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis in die byzantinische Ära. Es handelt sich dabei um ein unbeschreiblich großartiges Wunder von einer Gedicht-Blütenlese, wie Trimalchio, selbst ein Verfasser glänzender Epigramme (z.B. über das Menschlein, dass nix is/st), wohl weiß. Dennoch fand die Anthologia bei der deutschsprachigen Gräzistik, obwohl die Handschrift extra von preußischen Schnurrbärten mit Pickelhaube aus Paris, wohin der altphilologisch offenbar hochinteressierte Napoleon sie verschleppt hatte, zurückerobert wurde, bis in jüngere Zeit viel zu wenig Beachtung. Varför? Weil Altphilologen meist nicht darüber lachen können, wenn etwa die demokritischen allerkleinsten Teilchen unseres Universums, die ja in den über alles geschätzten, geradezu angebeteten Fragmenten der Vorsokratiker zu finden sind, höchst frech für den Spott auf kleinwüchsige Menschen herangezogen werden? Okay, die Zeiten haben sich immerhin auf dem Gebiet deutschsprachiger Dissertationen geändert, weil in UK und USA seit einiger Zeit wichtige Arbeiten zu den griechischen Epigrammen entstanden, so dass auch z.B. unser Vorstandsmitglied Regina Höschele sich extra nach Toronto berufen ließ, um zu prüfen, ob man dort wirklich über Epigramme wie das vom winzigen Markus, der ein Atom mit dem Kopf durchbohrte (XI 93), lacht – solche Texte behandelt Lucia ganz un-Santa-Luceisch und ohne Safranplätzchen in der Hand in ihrem Vortrag. Nun sind ja unsere alpenländischen Brüder und Schwestern, die immerhin z.B. den schwarzen Humor eines Ludwig Hirsch hervorbrachten, zum Kichern über so etwas wie das Gedicht von Lütt-Markus eher bereit – ein weiteres PSMS-Vorstandmitglied, Margot Neger aus Graz, schrieb wie Regina ein wichtiges Buch über antike Epigramme -, und so passt es gut, dass Epigrammforscher Matthias Jackwerth, Mitarbeiter im Team des Epigrammforschers Farouk Grewing, extra aus Wien herbeieilt, um uns Lucia vorzustellen und die Diskussion zu leiten. Wir werden also an einem schwedischen Fest ein italienisch-österreichisch-bayerisches Dreieck bilden und über griechische Epigramme in englischer Sprache hören – passt das nicht blendend zu Weihnachten, Love actually, Völkerverständigung, in-Zungen-Reden und alldem? Also kommen Sie/kommt wieder in Scharen, und genießen Sie/genießt nach dem Vortrag ganz normale Plätzchen!

Dazu lädt ganz herzlich ein
Ihre/Eure PSMS

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