Prof. Dr. David Engels (Université libre de Bruxelles)
“Die Krise der europäischen Union und der Untergang der römischen Republik – historische Analogien?”
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Dennis Pausch (Universität Regensburg)
13. November 2013, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München
die Alten Sprachen sind, weil sie vermeintlich “tot” sind sowie für alte, angeblich weit von uns entfernte Welten stehen, als Unterrichtsfächer umstritten, und gewisse Leute treten bekanntlich für die Entfernung von Griechisch und Latein aus den Schulen ein (weshalb sie auch niemals eine Chance hätten, an Trimalchios üppige Tafel eingeladen zu werden). Auf solche Bestrebungen reagieren wir Altphilologen gerne mit der fachdidaktischer Aufbereitung unseres Stoffes durch Bezüge zur Gegenwart, also mit einer Aktualisierung des in den antiken Texten Gesagten, die den von Trimalchio Auszusperrenden immerhin verrät: nullumst iam dictum quod non dictum sit prius (vorausgesetzt, sie verstehen ein so ungemein schwieriges Latein wie das hier). David Engels nun, der neue Herausgeber des Latomus, einer der führenden europäischen Latinistenzeitschriften, wird über seinen Vortrag, wie der Titel vermuten lässt, das Motto nullumst iam factum quod non factum sit prius stellen. Darüber freut Trimalchio sich angesichts der Bedrohung der beiden von ihm beherrschten Sprachen auch deswegen, weil er von Aktionen weiß, die offenbar in die Gegenrichtung einer Aktualisierung gehen. An irgendeiner exzellenten deutschen Universität wird nämlich, so erfuhr Trimalchio durch Frau Fama, ein Graduiertenkolleg, in dem es um sogar mehr als zwei antike Sprachen und Literaturen geht, unter dem Titel “Distant Worlds” angeboten. Die lingua Britannica (die in dieser deutschen “graduate school” vermutlich gesprochen wird) spricht Trimalchio natürlich nicht, aber da er seinen puer delicatus Croesus an der Rhetorenschule in Oxonia/Provinz Britannia studieren ließ, konnte dieser, ganz zum Anglomanen geworden, ihm zunächst sagen: “Distant Worlds? This must be about Starship Enterprise!” und das dann für seinen Liebhaber und Förderer, wie folgt, übersetzen: “Hoc debet esse de Nave Stellari nomine Interprehenso appellato!”. Darum aber wird es in jenem Graduiertenkolleg sicherlich NICHT gehen (schade eigentlich, oder?), aber ein wenig abgehoben wie das Raumschiff des edlen Nauarchus vere Americanus James Tiberius Kirk klingt der Titel schon – meint jedenfalls puer Croesus. Also, David Engels, der direkt aus Brüssel, dem Zentrum der EU, zu uns kommt, wird keineswegs über uns schweben, sondern (in deutscher Sprache!!!) ein Thema behandeln, mit dem er bereits im französischen Sprachraum zahllose Interessenten fand – sein Buch “Le déclin: La crise de l’Union Européenne et la chute de la République romaine – Analogies historiques” wurde dort zum Bestseller -, und sein Diskussionsleiter, Latomus-Mitherausgeber Dennis Pausch von der Uni Regensburg, wird hier ebenfalls höchst kompetent sein, da er besonders genau den Autor kennt, der Rom an dessen eigener Größe leiden sah, und da Dennis weiß, dass in den verlorenen Büchern des von jenem Autor verfassten Werkes zu lesen war, wie die im “Telefonstil” (K. Thraede) verfassten Briefe der Augustus-Gattin Livia vom Servitium Secretum des mächtigen Parther-Großkönigs Obamus I. heimlich geöffnet wurden, bevor Augustus erfuhr, was er beim Netto ums Eck zum Abendessen einkaufen sollte. Wer jener Autor war, sollten eigentlich auch diejenigen wissen, die gegen unsere Fächer sind, und damit sie es erfahren, lassen wir gut-caesarianische clementia walten und erlauben auch ihnen, der Einladung zu David Engels Vortrag zu folgen Sie ergeht mithin an alle Interessierten sehr herzlich
von
Ihrer/Eurer PSMS