Prof. Dr. Sabine Vogt (Universität Bamberg)
Orestes und Klytaimestra in der Odyssee: Narratologische Betrachtung eines Paradeigma
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Susanne Gödde (LMU)
16. Oktober 2013, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,
Trimalchio hat, wie man weiß, ein besonderes Verhältnis zur Odyssee. Sic notus Ulixes? fragt er einmal mit Bezug auf sich selbst, wodurch er sich listenreich mit dem Listenreichen identifiziert (und gleichzeitig zu verstehen gibt, dass er auch von Laokoon weiß, den Aeneas dies bei Vergil fragen lässt), und er kennt sich im Text der Odyssee bestens aus, wie er demonstriert, als er den Rhetoriklehrer Agamemnon fragt, ob dieser “die Geschichte von Odysseus” kenne, “wie ihm der Kyklop den Daumen mit Hilfe eines Rings ausgerissen hat.” Was, IHR erinnert Euch nicht? Also, dem Polyphem wird bekanntlich sein eines Auge ausgedrillbohrt, aber er hat dem Helden einen Zauberring geschenkt, der diesen nach dem Anlegen zu dem Ruf “Hier bin ich!” zwingt, weshalb er nun seinen Finger abreißen oder abbeißen muss, damit ihm nicht noch mehr abgebissen wird. Unbedingt nachlesen, denn Trimalchio täuscht sich nicht! Oder, um die Erinnerung an das große Werk aufzufrischen, einfach zu Sabine Vogts Vortrag kommen, dem immerhin schon vierten in der bereits 23jährigen Geschichte der PSMS-Vorträge, der sich mit der Odyssee auseinandersetzt. Dass der Vortrag in München stattfindet, passt gut dazu, dass in unserer Stadt – dies dürfte noch weniger bekannt sein als die Daumen/Ring-Geschichte – vor knapp 500 Jahren die erste deutsche Odyssee-Übersetzung verfasst wurde, noch dazu in Prosa, so dass Schadewaldt auch diesbezüglich keineswegs der erste war. Verdient machte sich hier der wackere Magister Simon Schaidenreisser, der in München erst als Rektor der späteren Lateinschule, dann als Stadtpoet und schließlich Stadt-, Kämmerer- und Gerichtsschreiber tätig war, mithin wahrhaft polýtropos wie der epische Heros. Seine Übersetzung, 1537 zu Augschburg erschienen, trägt den Titel Odyssea. Das seind die aller zierlichsten vnd lustigsten vier vnd zwaintzig bücher des eltisten kunstreichesten Vatters aller Poeten Homeri zu Teütsch tranßferiert / mit argumenten vnd kurtzen scholijs erkläret. Klingt auch irgendwie polýtropos, oder? Dieses Epitheton ornans trifft aber auch auf Sabine Vogt zu, vermutlich in höherem Maße als bei allen anderen derzeit in Deutschland als ProfessorInnen lehrenden Gräzisten. Aber inwieweit sie “vielgewandt” ist, wird uns charmanter, als es so ein e-mail-Text kann, ihre Münchner Kollegin Susanne Gödde, die dankenswerterweise die Moderation übernommen hat, vor dem Vortrag erzählen. Ja, und nach Vortrag und Diskussion gibt es an Trimalchios berühmter Tafel nicht nur den funkelnden Wein, der ja schon dem Kyklopen kredenzt wurde, sondern auch (was er ja zugunsten knackiger Griechen verschmähte) ein von Trimalchios vielgewandten Helferinnen listenreich zubereitetes kaltes Büfett. Auf denn, starten wir Semester und neue Saison der PSMS-Vorträge, zu denen ganz herzlich Einladung ergeht von
Ihrer/Eurer PSMS