Vortrag am 03. Juni 2013

Dr. Antonio Ziosi (Università di Bologna) Signorelli_Luca-Virgil

“Dramatic Metamorphoses of Virgil in the English Renaissance”

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Werner von Koppenfels (Universität München)

03. Juni 2013, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

Trimalchio hatte es sich so fein ausgedacht: 22 Jahre nach Gründung der PSMS sollte aus den 2 Ländern, aus denen die Bücher seiner tres bybliothecae stammen, Griechenland und Italien, je ein Vortragender kommen, um dem Jubiläum besondere Weihe zu geben, und es sollten junge Wissenschaftler sein. So erschien denn auch zunächst Ioannis Konstantakos von der Universität in Athen, der seine Ausführungen zu den Grundlagen des Erzählens passenderweise mit der Ilias beginnen ließ und den Maria Oberlinner so kundig und charmant und in so flüssigem Englisch moderierte, wie nur irgend möglich. Doch als der PSMS-Abend zu Ende war, musste fast ein Drittel der von Trimalchios erstklassigem Partyvorbereitungstruppe Julia-Heike-Pavlinka-Silvia-Julia-Gmbh erstellten Cena, welche die Qualität der Original-Cena wieder einmal um Längen übertraf, den elektronisch-automatisch angeleuchteten, sorgfältig mülltrennenden Mülleimern des Lyrikkabinetts überantwortet werden, schluchz!!! Trimalchios ständiger Rat der Sieben Weisen fand viele Erklärungen für das, was nie zuvor geschehen, favorisierte aber vor allem eine: weil der Vortrag lingua Britannica gehalten wurde. Tja, was soll man dazu sagen? Dass Deutsch nicht mehr die Weltsprache der Altphilologie ist, haben die Deutschen sich selber eingebrockt, zum einen durch den Wahnsinn von 1939 bis 1945, zum anderen dadurch, dass ihre Altphilologen seit den 80er Jahren mehrheitlich so recht keine Lust zeigten, an der internationalen Entwicklung der Literatur- und Sprachwissenschaft zu partizipieren und deshalb allerlei nur bedingt Lesenswertes produzierten. Nun versucht ja Wilfried Stroh schon seit einiger Zeit, Latein als Sprache u.a. der altphilologischen Wissenschaft einzuführen, aber leider ohne Erfolg. Und so kamen Trimalchios Räte zu dem Ergebnis, in ihrem Gutachten über die PSMS-Niederlage vom 8. Mai 2013 zu schreiben, dass, wenn Ioannis Konstantakos auf Lateinisch vorgetragen und seine Darlegungen in exordium, narratio, propositio, argumentatio und peroratio gegliedert hätte, der Saal brechend voll gewesen wäre, ja per Lautsprecher auf die Straße hätte übertragen werden müssen, und dass die Julia-Heike-Pavlinka-Silvia-Julia-GmbH dann noch weit mehr an Cena bereitzustellen gezwungen gewesen wäre. Aber Latein ist nun einmal nicht unsere lingua Franca, sondern Englisch, selbst wenn der Monaco Franze sicher vielen Münchnern aus der Seele spricht, als er sagt: “Ich kann mir dieses Englische nicht merken, ich kann’s nicht aussprechen, ich kann’s nicht schreiben, ich versteh’s nicht einmal selber, wenn ich’s sag!” So wird denn auch der Jubiläumsvertreter des anderen Landes, der kundige und charmante und flüssig Englisch sprechende Antonio Ziosi aus Bologna, seinen Vortrag Britannice halten. Aber wie klänge es denn auch, wenn er, mit Vergil in der englischen Renaissance befasst, ständig “Guilelmus Shakusspearus” sagen würde (was so klingen würde wie “Biggus Dickus”)? Wäre das wirklich so reizvoll? Was würde wohl sein Moderator, Werner von Koppenfels, quasi Mitgründer der PSMS und Verfasser des höchst lesenswerten Buches “Bild und Metamorphose (!). Paradigmen einer europäischen Komparatistik”, mithin international angesehener Spezialist für Antonio Ziosis Thema, dazu sagen? Also doch nochmals Englisch, und vielleicht verschwinden die vom berühmten Catering Team (= Lebensmittellieferungsgruppe) zubereiteten Delikatessen diesmal alle in den stomachs (=Mägen) der audience (=des Auditoriums).

Hofft jedenfalls
Ihre/Eure PSMS