Vortrag am 06.02.2013

Niklas Holzberg (zur 70. Wiederkehr des 22. Februar 1943):

“Antike Texte in Studium und Flugblatt: Philologischer Seminaralltag und “Weiße Rose” an der Universität München 1941-1945″

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Wolfgang Huber

Mittwoch, 06. Februar 2013, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

die Einladung zum Februarvortrag der PSMS ist diesmal ganz frei von Trimalchio, Satire und Sonstigem, was für den petronianischen Geist steht, in dem die PSMS vor knapp 22 Jahren gegründet wurde. Und Verfasser der Einladung ist ganz einfach allein der Unterzeichnete –  einer der Gründer -, weil er aus besonderem Anlass den Vortrag selber hält: Am 22. Februar 2013 jährt sich zum 70. Mal die Ermordung von drei Mitgliedern der Widerstandsbewegung “Weiße Rose”, Sophie und Hans Scholl und Christoph Probst aufgrund eines Urteils des sog. “Volksgerichtshofes”, und davon wird auch in meinen Ausführungen die Rede sein. Die PSMS hat schon zweimal zu Vorträgen eingeladen, in denen es um die Geschehnisse des Februar 1943 ging: Am 17. Mai 1995 sprach aus Anlass der 50. Wiederkehr des Kriegsendes Dr. Ute Schmidt-Berger zum Thema “Die deutsche Antigone – Sophie Scholl”, eingeleitet durch Sophie Scholls Schwester Inge Aicher-Scholl, die Verfasserin des berühmten Buches “Die Weiße Rose” (nie habe ich einen Hörsaal so still erlebt wie während der Worte der alten Dame), und am 22. Februar 2003 wiederholte ich einen Vortrag, den ich auf Anregung amerikanischer Kollegen verfasst und an mehreren Universitäten der U.S.A. gehalten hatte; darin betrachtete ich erstmals den Seminaralltag der Münchner Altphilologieprofessoren und -studenten vor dem Hintergrund  der Aktivitäten ihrer gegen den Nazi-Terror Widerstand leistenden Kommilitonen. Zu diesem Thema möchte ich auch diesmal sprechen. Dankenswerterweise hat sich Herr Professor Dr. Wolfgang Huber, der Sohn des am 13. Juli 1943 ermordeten Professors Kurt Huber – er verfasste das sechste Flugblatt der “Weißen Rose” – als Diskussionsleiter zur Verfügung gestellt; für die Vermittlung der in der Sache höchst kompetenten Person dieses Moderators habe ich der Weiße-Rose-Stiftung e.V. zu danken. Professor Huber hat freundlicherweise erklärt, er werde aufgrund eigener Studien einiges zu dem Thema beitragen. Da nach Vortrag und Diskussion wie üblich zum kalten Büfett und Getränken eingeladen wird, besteht reichlich Gelegenheit, auch dann noch Gespräche über ein Thema zu führen, das speziell für ein Münchner Publikum von größtem Interesse sein dürfte.

Mit freundlichen Grüßen
Niklas Holzberg

Vortrag am 09. Januar 2013

Professor Dr. Norbert Oettinger (Universität Erlangen-Nürnberg):                               “Wo kommen unsere Wörter her?”

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Olav Hackstein (Universität München)

09. Januar 2013, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

“Wo kommen unsere Wörter her?” – diese Frage wird Norbert Oettinger, Ordinarius für Indogermanistik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und als solcher u.a. auch Spezialist für griechische und lateinische und überhaupt vergleichende Sprachwissenschaft, stellen und beantworten. An sich ist das Problem bereits von Herodot, dem Vater der Geschichte, geklärt worden. Denn der erzählt, wie Pharao Psammetich einst hochwissenschaftlich erforschte, welches das älteste Volk der Erde sei, zu diesem Behuf zwei Säuglinge isoliert von allen Menschen aufziehen ließ, um zu hören, welches Wort sie als erstes nach Überwindung der Phase des Schreiens und undeutlichen Lallens sprechen würde, wie er dann aus ihrem Munde “Bekos” vernahm, und daraus, dass er dieses Wort als die phrygische Bezeichnung für Brot identifizieren konnte, folgerte, die Phryger seien das älteste Volk. Und so dürfen wir denn davon ausgehen, dass unsere Wörter insofern von den Phrygern kommen, als diese zum ersten Mal Lexeme artikulierten. Aber darum wird es Norbert Oettinger vielleicht gar nicht gehen. Trimalchio weiß nicht, worum es ihm gehen wird, höchstens, dass der Gast aus Erlangen auf das Lateinische und Griechische blicken dürfte. Und Trimalchio weiß auch, dass das Interesse für Zusammenhänge zwischen unseren Wörtern schon früh in Norbert Oettinger geweckt ward. Dessen Vater, der bekannte Kunsthistoriker, ein Österreicher von Geburt, erzählte nämlich einst seinem Filius, in der Steiermark habe es bald nach dem Zweiten Weltkrieg eine das von den Nazis befreite Land neu ordnende Versammlung gegeben, dort habe ein Delegierter in seiner Rede gesagt “Es ist allenthalben eine Unordnung und ein Schaos”, und darauf habe ein anderer erwidert: “Ja, ein Schoaß ist es allenthalben.” Nun weiß nicht nur die Margot aus Graz, unser Vorstandsmitglied, dass hochdeutsches “ei” im Steirischen nicht wie im Baierischen als “oa”, sondern als “aaaaaa” erscheint und somit diese Story zweifelhaft ist. Aber das wusste eben auch der junge Norbert, weil er einfach ein Naturtalent in vergleichender Sprachwissenschaft ist und ihm bekannt war, dass von “Chaos” nicht, obwohl das bei dem ganzen Tohuwabohu-Schlamm am Anfang der Welt denkbar wäre, im Deutschen das Wort kommt, was der zweite Delegierte offensichtlich unsteirisch aussprach, sondern  “Gas” (auch nicht etwa das, was feminines “Gaaas” vermutlich im Steirischen bedeutet). Trimalchio begrüßt es jedenfalls wärmstens, dass im Kontext von PSMS-Vorträgen, die sich innerhalb der Latinistik primär den Inhalten römischer Literatur widmen, nun doch auch einmal die linguistische Seite zu Wort kommt, und er hat sich vorgenommen, dem Norbert nach dessen Vortrag die Frage zu stellen, ob ein etymologisch-indoeuropäisch-sprachkomparatistischer Zusammenhang zwischen dem so auffälligen langen “aaaaaa” im Steirischen und dem besteht, dass, wie der weltberühmte Ovidianer Alessandro Barchiesi aus Ars amatoria 2,720ff. und 3,804 hochwissenschaftlich erschließen konnte, die Römer und Römerinnen (unter ihnen zumindest die Libertinen) auf dem Höhepunkt einer bestimmten Art von körperlicher Erregung “aaaaaa!” von sich gaben. Ja, vergleichende Sprachwissenschaft ist etwas Hochinteressantes und führt uns zu den verblüffendsten Zusammenhängen über das Herkommen unserer Wörter und Laute, und da trifft es sich gut, dass Olav Hackstein, Norbert Oettingers Kollege in München, freundlicherweise die Diskussionsleitung übernommen hat. Wir sind sicher, dass es wieder ein großartiger Abend werden wird – wie schon der vor wenigen Tagen, an dem Andreas Heil uns durch seine These über die potentielle Landung von Aliens auf Ariadnes Naxos mehr als faszinierte -, und deshalb lädt zu Vortrag und anschließender Petronian Party wieder ganz herzlich ein

Ihre/Eure PSMS