Vortrag am 22. Oktober 2012

Prof. Dr. Franz Fuchs (Universität Würzburg)

“Schimpf und Scherz am Hofe Karls des Großen: Zu einem Gedicht Theodulfs von Orléans (c. 35)”

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Claudia Wiener (LMU München)

22. Oktober 2012, 19:15 Uhr, Lyrikkabinett München

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der PSMS,

da in der Münchner Gräzistik/Latinistik mittlerweile die Literatur des Mittelalters eine große Rolle spielt, hat Trimalchio beschlossen, auch diese einmal in sein Programm einzubeziehen. Zwar findet er es irgendwie cool, dass Nietzsche das Mittelalter als “Alkoholvergiftung Europas” bezeichnet hat (auch wenn Trimalchio nicht so ganz weiß, was der philosophus damit meinte), aber sein Beschluss wird erheblich dadurch unterstützt, dass der Mann, der über ein mittellateinisches Gedicht, verfasst von Theodulf von Orléans, sprechen wird, Würzburgs Mittelaltergeschichtsordinarius Franz Fuchs, Vorsitzender einer anderen “PS” ist: der “Pirckheimer-Gesellschaft”. Wenn Trimalchio sich nämlich so die Porträts anschaut, die Albrecht Dürer von seinem Freund Willibald angefertigt hat, sieht er, dass dieser ganz ähnlich aussieht wie er selbst als Logo links oben auf dem Plakat der PSMS. Und die griechischen Worte, die Pirckheimer links oben neben das Silberstiftporträt gekritzelt hat, ársenos tê psolê es tòn proktón, stimmen ihn ganz romantisch, weil sie ihn an seine Zeit als eines lockigen puer seines dominus erinnern, in der er die Grundlage für Karriere und Reichtum legte. Theodulf von Orléans wird ja wohl, auch wenn er, wie der Franz zeigen wird, die Eklogen liebte, und auch wenn er sicher wusste, wie das qui te in 3,8 zu ergänzen ist, von solch penetranten Erinnerungen frei sein (Aber wer weiß?! Am End war er da unserer kinderlieben Gegenwart weit voraus?). Doch vielleicht war er es, der, möglicherweise gerade vom Alkohol vergiftet, den in seinem Kloster Fleury in St. Benoît-sur-Loire aufbewahrten Kodex der Historien Sallusts zerschnipseln und zum Einbinden von christlichen Traktätchen verwenden ließ, aber das danken ihm ja, wenn er es war, heute die Staatsexamenskandidaten, die deshalb nur mit dem Catilina und dem Jugurtha ins Mündliche müssen. Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft ist auch Claudia Wiener, die dankenswerterweise den ihr aus ihrer Würzburger Zeit bekannten Franz vorstellen und die Diskussion leiten wird. Ob der Nürnberger Humanist die Satyrica kannte, wissen wir nicht, und wenn, dann nur die zu seiner Zeit publizierten Exzerpte, aber nicht die erst um 1650 wiederentdeckte Cena. Willibald wusste freilich auch so, wie man ein prachtvolles Symposion veranstaltet, da er in sein Haus am Nürnberger Hauptmarkt immer wieder prominente Leute hoch oben von Kaiser Maximilian bis runter zu Konrad Bickel aus Wipfeld zwischen Würzburg und Schweinfurt einlud und mit ihnen so prasste und soff, dass er sich das Zipperlein zuzog und deshalb als Herr Senator die paar Meter von seinem Domizil zum Rathaus immer zu Pferde zurücklegen musste. Doch um ihn soll es bei dem Vortrag nicht gehen, sondern allenfalls danach um seine Kunst des Saufens und Prassens, halt bei der Petronian Party, zu der Markus Janka sicher wieder höchst dankenswerterweise die eine oder andere humanistische Flasche Ouzo mitbringen wird – in Verstoß gegen das mittelalterliche Motto sunt Graeca? non bibuntur! Ja, wir machen weiter mit Vorträgen und bibere, in diesem Semester mit lauter Kollegen aus benachbarten Disziplinen (außer Mittelalterliche Geschichte, Archäologie, Alte Geschichte und Indogermanistik sogar altphilologisches Verlagslektorat), aber darüber wollen wir jetzt noch nichts verraten. Auf jeden Fall wird der Abend mit Theodulphus Aurelianensis, Franciscus Herbipolensis und Claudia Porcivadiana wieder das Erscheinen lohnen, und dazu lädt wieder ganz herzlich ein

Ihre/Eure PSMS